| Tag 15, 18. September 2006: Trübe Gedanken |
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Wir sind einen weiteren Tag am Lennard River. Er lässt uns nicht los, dieses Paradies, dieses letzte Paradies vor der großen Steppe. Auch Shaun scheint sich hier noch einen Tag erholen zu wollen. Wir schaffen es trotzdem nicht wirklich uns zu entspannen. Ich erlebe ein seltsames Gefühl. Durch den Wegfall der Anstrengung, alle Bergetappen sind geschafft. Nun liegen nur noch „gerade Strecken“ vor uns – glauben wir, was sich als Fehler herausstellen wird. Außerdem ist unglaubliche Last von mir abgefallen, nachdem ich meine Partnerin wieder gesund sehen, in die Arme schließen konnte. Diese neue Situation verändert an mir etwas. Ich bin ausgelassener als zuvor und habe das Gefühl in einer Wolke eingeschlossen zu sein. All die klaren Eindrücke, die auf mich während dem Laufen einprasseln, jene Erfahrungen, die mir jetzt wo ich in Deutschland sitze und tippe, vorkommen wie durch das klärende Glas eines unendlich reinen Diamanten gesehen. Während den Tagen am Fluss ist diese Klarheit einer leichten Betäubung gewichen. Es ist das erste Mal, dass ich dieses Gefühl spüre. Es wirkt sich nachträglich „belebend“ aus, in der Zeit, in der ich es fühle, ist es ein wegdämmern, ein Eintrüben.
In diesen Tagen verbringen wir viel Zeit im Wasser. Wir schwimmen mit den Krokodilen und pflücken die giftig gelb gezeichneten Wasserfrösche von den Felsen und lassen sie auf uns herumkrabbeln. Als ich mich an der 10 Meter langen Reepschnur per HMS in das Wasser abseilen will rutsche ich aus und schlittere mit meinem Hintern und den Knöcheln der rechten Hand am Fels entlang ich scheuere mich auf, die Wunden werden sich in den nächsten Tagen erfahrungsgemäß entzünden. Noch immer habe ich ein fast zentimetergroßes, mittlerweile abgeheiltes Loch in der linken Fußsohle. Vor einigen Tagen habe ich mir mit einem desinfizierten Skalpell einen Dorn herausoperiert, der in einer großen Eiterblase eingeschlossen war. Da sich meine Hornhaut durch das barfuss Laufen und die Sandalen auf etwa 5 mm aufgebaut hat, bemerkte ich die Entzündung erst, als die Blase das Abrollen mit dem Ballen erheblich behinderte. Nun habe ich noch weitere Wunden, die sich entzünden werden. Den Abend verbringen wir wieder mit Wasser filtern, Fische konservieren und Reparaturen. An der Sulky von Markus haben sich die Seitenlappen gelöst. Der untere Teil des Cordurastoffes ist ausgefranst. Die strapazierten Wasserfilter werden gereinigt, ausgekocht und gefettet. Weiteres Wasser wird gefiltert. Zu dritt sprechen wir die nächsten Vorhaben ab. Wir werden morgen sehr früh das Lager abbrechen und die letzte Etappe in Angriff nehmen. Wir planen minutiös die nächsten Tage. Wir träumen schon lange von der Ankunft in Derby. Zuerst werden wir Woolys, den Woolworth stürmen und einkaufen. Wir malen uns immer wieder aus, was wir kaufen, essen und trinken werden.
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