| Zeit und Klima |
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Die Möglichkeit auf der Gibb-River-Road zu laufen steht und fällt mit der richtigen Jahreszeit, mit welcher sich analog der Zustand der Piste ändert. In der Äquatorialebene gibt es keine Jahreszeiten. Unsere Strecke liegt zwischen dem 16. und 18. Breitengrad, also nicht auf dem Äquator, sondern rund 2000 Kilometer weiter südlich. In dieser Gegend Australiens gibt es nur zwei Jahreszeiten. Die eine nennt sich „Wet“, Regenzeit, die andere „Dry“, Trockenzeit. Während zwischen Januar und März insgesamt über 300 mm Niederschlag fallen, gibt es zwischen Juni und November überhaupt keinen Regen. Die Temperaturen der Regenzeit übersteigen paradoxerweise jene der Trockenzeit bei weitem. Ein australischer Ureinwohner in Nordaustralien antwortete mir auf eine Frage zum Klima in schwerverständlichem „Station-English“: „In da wed, it`s avan hard foar us to live“. In der Regenzeit, mit Temperaturen, die weit über 40°C steigen und einer Luftfeuchte von 99% ist es tatsächlich den hitzeangepassten Aboriginees zu warm. Innerhalb der Regenzeit fällt so viel regen auf einmal, dass es der Erde unmöglich ist, das Wasser aufzunehmen. Es folgen großflächige Überschwemmungen; in dieser Zeit ist es unmöglich die Gibb-River-Road zu bereisen. Selbst erfahrene Geländewagenfahrer würden an der ersten reißenden Furt umkehren müssen. Der Track ist in der Wet gesperrt. Nach dem Ende der Monsunregenfälle wird die Strecke durch gewaltige Pistenraupen wieder frei geräumt. Nicht jedoch, wie viele denken, damit sie die Touristen mit Geländewägen befahren können. Die ursprüngliche Funktion der Straße besteht darin, Vieh aus den weit im Norden gelegenen Ranges nach Derby transportieren zu können. Derby mit seinem Pier war lange Zeit ein wichtiger Umschlagplatz für Rinder aus Nordaustralien, die in die ganze Welt verschifft wurden. Nach dem Freilegen der Strecke wird sie durch Wind und vereinzelte Regenfälle wieder schwer befahrbar, bis sie mit Beginn der ersten Monsunregen wieder verwüstet wird. Unsere Reisezeit im nordaustralischen „Winter“ hat Höchsttemperaturen von etwa 30 Grad Celsius. Einer für Nordaustralien recht angenehmen Temperatur. Nur dadurch ist es möglich zu Fuß unterwegs zu sein. Konträr dazu ist jedoch, dass die Gewässer in dieser Jahreszeit kontinuierlich austrocknen. Die Wasserbeschaffung wird immer schwieriger. Teilweise werden wir mit einer minimalisierten Notfall und Survivalausrüstung eine nicht zu unterschätzende Strecke von der Gibb-River-Road abweichen, um die Wasservorräte auffüllen zu können. Die einzelnen Möglichkeiten Wasser aufzufüllen liegen bis zu 60 Kilometer auseinander. Die Ausrüstung wird auf Wüsten/Steppensituation ausgelegt. Nachts kann die Temperatur bis in die Nähe des Nullpunktes fallen. Tagsüber wird ein meist wolkenloser, tiefblauer Himmel über uns keinen Schutz vor Sonne bieten können. Großer Wert wird deshalb auf Sonnenschutzkleidung sowie Augen und Hautschutz gelegt. Gegen Ende der Tour besteht die Möglichkeit die ersten Ausläufer der Monsunstürme mitzuerleben. Mit etwas Glück werden wir davon jedoch verschont bleiben. |