| Die Intention |
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All zu häufig wird eine Reise, ein Projekt oder ein „Selbstfindungsprozess“ nach außen hin dadurch aufgewertet und legitimiert, indem man damit augenscheinlich ein höheres Ziel erreichen will. Sei es, der eine mache eine Reise für die Verbesserung der Klettergerüste heimischer Kindergärten, der andere für die Abschaffung der Fahrscheinpflicht in Fernstreckenzügen der Deutschen Bahn. Gemeinsam haben viele, dass sie vorgeben für etwas Gutes einzustehen, um so alle Kritik an ihrem Vorhaben oder der Durchführung durch den Verweis auf die „gute Sache“ auslöschen zu können. Denn wirklich, sich für die bessere Qualität von Klettergerüsten zu engagieren ist natürlich eine lobenswerte Sache. Zu häufig wird dieses höhere Ziel jedoch als Alibi vor andere, ganz eigene Interessen geschoben. Versteht uns nicht falsch. Die Welt braucht Idealisten, die sich zur Veränderungen gegebener Umstände medienwirksame Aktionen einfallen lassen. Der gute Zweck wird heute jedoch sehr oft als Grundlage des eigenen Strebens missbraucht. Wer auf große Tour geht und als Nebeneffekt seine Einstellung klar macht, soll dies machen. Wer aber eine bestimmte Tour macht und Anspruch erhebt, durch sein Ideal einen höheren ethischen Wert seiner Aktion oder der speziellen Vermarktung zu sehen, sollte sich überlegen, ob nicht gerade dies seinem Ziel konträr ist.
Welchen Grund gibt es also für unser Projekt? Zum einen ist Australien der große Traum vieler Menschen. So auch der unsere. Die Landschaft des Kontinents, die Natur und vor allem die unglaublich bizarre und fremdartige Fauna, alles das fordert erforscht, beobachtet und neu entdeckt zu werden. Unser persönliches Interesse an dem, was „Survival“ genannt wird, ist ein großer Aspekt der Tour. Ohne die erlernten und trainierten Fähigkeiten wäre das Vorhaben im Voraus zum Scheitern verurteilt. Alleine die richtige Planung, das geeignete Material und Fertigkeiten, die gewöhnlicher Weise nicht mehr zum Standartfundus des Mitteleuropäischen Menschen gehört, werden es uns ermöglichen am Ziel anzukommen. Dabei spielt der sportliche Aspekt genauso eine Rolle wie der psychische. Mehrere Wochen in der fast gleich bleibend harten Umgebung und teilweise unangenehme oder gefährliche Situationen, die an den Nerven zehren, machen den ein oder anderen möglicherweise reizbar. All diese Probleme, die gemeistert werden müssen, machen das Projekt interessant und anspruchsvoll. Wir laufen los, um anzukommen, um unsere inneren Gegenkräfte zu überwinden, um am Ende der Strecke fühlen zu können: „Wir sind am Ziel unserer Reise angekommen, wir haben der Natur und ihren Gefahren getrotzt.“ Wir machen dies jedoch für uns, für kein höheres Ziel. Warum betonen wir das? Wir möchten uns von jenen distanzieren, die einen selbstlosen Zweck für eine persönliche Reise suchen. Es werden immer mehr. Wir laufen die Gibb-River-Road, um uns selbst zu überwinden, als „Survival-Projekt“ und aus Liebe zur Natur, aus Leidenschaft am Reisen. Dieses Lebensgefühl, das so viele von uns suchen, ist Grund genug. Irgendwelche höheren Ideale vorzuschieben wäre für uns nicht richtig. |