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„Oma wusste immer genau bescheid.“
Aus irgendwelchen Gründen war anscheinend die Weitergabe von Rezepten, Behandlungen, schlicht Informationen, zu Zeiten der Großmütter irgendwie immer besser. Der Informationsgehalt immer korrekt und vollständig. Und von kalten Füßen holte man sich den Tod.


Ungeachtet um welche Zeit es sich handelte, die Eltern der Eltern waren nicht nur besondere Respektspersonen, sondern immer auch Geheimnisträger und Wissende.
Bestimmt waren deshalb deren Rezepte für Hühnersuppe ebenso immer die besten wie für die Kuchen und Torten.

Wenn das Enkelchen beim Spielen von der Schaukel stürzte, war es die Großmutter, die schnell die Wunde mit (ihrem) Speichel säuberte und gleich Wegerichblätter an der „Hundetoilette“ neben der Kinderrutsche ausrupfte und auf die Wunde legte.

„Es heilte immer sofort!“

So oder so ähnlich wurde es mir schon sehr häufig berichtet, wenn es um die Frage einer natürlichen Wundauflage bei blutenden Verletzungen geht. Natürlich hört man bei Einwänden oft: „Ich hab das immer schon so gemacht und es wirkt!“ Mit anekdotischen Heilungen habe ich mich schon mal etwas intensiver auseinandergesetzt*. Hier soll es nur um die Heilwirkung des Wegerichs als Wundauflage gehen.

Der Faktencheck:

Vor den Weltkriegen, um die Jahrhundertwende, in der „Gutenaltenzeit“ also, zu der es noch keine Antibiotika, wenige moderne Medikamente und sehr selten Schutzimpfungen gab – die Kindersterblichkeit in Deutschland lag bei rund 25% (heute liegt diese im Promillebereich) – und natürlich auch davor behalf man sich mit allerlei Hilfsmitteln aus der Kräuterapotheke.

Gegen Asthma half ein wunderbar die Bronchien (und Gefäße) entspannender Tee oder eine Zigarre aus Stechapfelblättern (Scopolamin, stark halluzinogen), bei Schlafstörungen wurde Opium aus Schlafmohn gereicht (Noch heute wachsen die Nachkommen der damaligen Mohnzuchten in alten Bauernhofgärten) und in Ermangelung steriler Pflaster und Verbände wurde prinzipiell alles, das irgendwie in, um oder auf eine Wunde passte auch in, um oder auf Wunden gepanscht.

Noch heute sieht man Menschen, die bei Verletzungen Wegerich klein kauen und auf eine Wunde schmieren, „damit sie schneller heilt“. Ich muss wohl kaum betonen, dass menschlicher Speichel hochinfektiös ist und in Wunden außerhalb des Mundes fast immer eine Infektion zur Folge hat (der reflektorisch gebrachte Vergleich mit Hunden, die doch auch ihre Wunden lecken, zählt nicht: diese haben ein völlig anderes Immunsystem – oder können Sie auch die Hinterlassenschaften ihres Nachbars frühstücken?).

Warum machten dies unsere Vorfahren – und warum macht das heute noch jemand?

Die Verwendung von Wegerich als Notbehelf hatte einen ganz einfachen Grund: Man kannte es nicht besser und war sich der vorhandenen Gefahren nicht bewusst.
Ähnlich wie damals kaum jemand die Gefährlichkeit von Zigaretten, Opium oder Uran (war zwischendurch auch ein beliebtes „Allheilmittel“: weil es strahlt) kannte, war es dem Mütterchen auch nicht begreiflich, dass es schlecht sei, eine Wunde mit Pflanzenteilen zu verschmutzen.
Auch die heute in der „Alternativheilkunde“ verschiedenen Pflanzen zugeordneten Attribute gab es zu dieser Zeit so noch nicht.

Beispielsweise ist Wegerich, der als „Hauptübeltäter“ bei Wunden gerne angewandt wurde (und wird) in Wunden in keiner Weise antibakteriell oder gar antibiotisch wirksam**.
Vielmehr sind alle Pflanzen vom Boden mit diversen Keimen, auch mit den Sporen von Clostridiumarten (Wundbrand, Gasbrand, Wundstarrkrampf) kontaminiert.
Selbst wenn die Pflanze für einen Auszug eine halbe Stunde lang gekocht wird, überleben die Sporen von Clostridium und Bacillus dies. Alleine ca. 74%er Alkohol kann für einen sterilen Auszug verwendet werden (Sterilfiltrieren bzw. Autoklavieren der Lösung funktioniert natürlich auch).
Diejenigen Pflanzen, die tatsächlich antibakteriell wirken (dennoch nicht zum Desinfizieren von Wunden geeignet sind), wurden in aller Regel nicht oder kaum verwendet. Der Grund dafür ist vermutlich, dass solche Pflanzen in der Wunde stark brennen und die Wunde stärker bluten lassen.
Doch wenn man schon den Fehler begeht, Pflanzen in eine Wunde zu schmieren, sollten sie zumindest stark antibakteriell wirken.
Die antibakterielle Wirkung von Knoblauch und verschiedenen aromatischen Lamiaceae wie Dost oder Salbei wird von ätherischen Substanzen bzw. Ölen verursacht.
Die hiesigen Pflanzen, die Allantoin enthalten (beispielsweise Beinwell) und den Heilungsprozess begünstigen können (theoretisch, wenn die Infektionsgefahr nicht bestünde), haben keine blutungsreduzierende Wirkung, wie sie Wegerich zweifelsohne hat.
Woher kam also überhaupt die Idee, Wegerichblätter, die weder antibakterielle noch heilungsfördernde Stoffe enthalten, als Wundauflage zu verwenden?
Es gibt in Pflanzen viele, zum Fraßschutz eingelagerte Stoffe. Darunter können starke Gifte sein, oft aber auch Gerbstoffe, die Verdauungsenzyme von Schädlingen deaktivieren (gerben). Solche Gerbstoffe haben eine adstringierende Wirkung, eine „zusammenziehende“. Dies kennen Sie vielleicht vom Trinken von lange gezogenem Schwarztee.
Ähnlich reagieren die feinen Blutgefäße in einer Wunde, die nach Verletzung geöffnet sind: sie ziehen sich zusammen und reduzieren so die Blutung.

Da das Bluten selbst als offensichtlichstes Zeichen der Verletzung reduziert ist, scheint die Heilung schon im Gange zu sein.


Wenn durch Gerbsäure die Blutung jedoch verhindert wird, können Schmutz und eingedrungene Keime nicht aus der Wunde befördert werden. Es hat einen Grund, dass alle Wirbeltiere eine gewisse Zeit lang aus Wunden bluten.
Bleibt der Wegerichbrei auf der Wunde, verhindert seine zusammenziehende Wirkung außerdem, dass sich die Gefäße um die Verletzung erweitern und Antikörper an die Wunde gelangen (deshalb wird die mit Gerbstoffen behandelte Wunde auch nicht rot und warm, was als „Schnellheilung“ bzw. verhinderte Infektion ausgelegt wird).
Dieses Erröten der Haut ist jedoch ein wichtiger und richtiger Prozess der Wundheilung ( auch leicht verschmutzte Wunden werden immer leicht „pochen“).
Das Ergebnis einer offenen, mit Wegerich behandelten Wunde ist also die sichere Verkeimung bei gleichzeitiger Blockade der Selbstreinigung und Immunabwehr.
Da heute fast jeder gegen Tetanus geimpft ist (auch wenn die Impfung schon lange her sein sollte, besteht noch ein gewisser Impfschutz, auf den man sich aber nicht auf Dauer verlassen sollte) ist heute auch bei einer solchen Behandlung die Wahrscheinlichkeit einer Tetanusinfektion niedriger als in den „Gutenaltenzeiten“, zu denen eines von vier Kindern nicht das Erwachsenenalter erreichte.
Dennoch gab es auch in der „Neuzeit“ durch die Wegerichbehandlung verschiedene schwerwiegende Komplikationen: starke Infektionen, nekrotisierende Fasziitis, Abszesse, Sepsis.
Für eine Infektion bzw. Verkeimung der Wunde reichen übrigens winzige Spuren von Erde und Schmutz am Blattmaterial.
Heute, wo eine gefährliche „Impfmüdigkeit“ als schick oder „naturverbunden“ gilt, kann durch das Auftragen von Wegerich ein Wundstarrkrampf geradezu forciert werden.
Außerhalb Mitteleuropas wird übrigens bei stark verunreinigten Verletzungen nicht mit bluthemmenden Mitteln wie Wegerich gearbeitet, sondern oft mit blutungsverstärkenden Stoffen, beispielsweise Ingwer. Es ist (mit Ausnahme von schweren venösen oder arteriellen Verletzungen → Druckverband) nie sinnvoll, die Blutung künstlich zu stoppen. Verletzt man sich, lässt man die Wunde bluten, bis sie von selbst aufhört. Ist die Wunde stark verunreinigt, kann sie mit sauberem Trinkwasser oder „Mittelstrahl-Urin“ gereinigt werden. Nach Möglichkeit soll der Schorf trocken, luftig und sauber gehalten werden.

Fazit:

Der Ursprung der Legende, dass Wegerich auf Wunden die Heilung beschleunigt, stammt aus einer Zeit, zu der gelber Eiter, der aus Wunden fließt, noch als gutes Wundzeichen galt – und Alternativen nicht für jeden oder überhaupt nicht verfügbar waren.
Wir wissen heute viel mehr über Inhaltsstoffe, Risiken und Gefahren.
Es geht sicher nicht darum, die Informationen unserer Vorfahren zu vergessen oder generell abzulehnen, sondern diese mit unseren neuen Erkenntnissen abzugleichen und zu analysieren, ob und welchen Wert diese Informationen für uns heute haben.
Wir nehmen keine klein gestoßenen Mumien mehr zu uns, wissen, das Rauchen und Opium krank und abhängig machen und dass die Pest nicht durch übel riechende Luft übertragen wird. Wir schröpfen uns nicht gegenseitig zu Tode und glauben auch nicht daran, dass eine Erkrankung durch eine rothaarige Frau oder göttliche Willkür auferlegt wurde.
Warum tun sich viele dennoch so schwer, die gefährliche Mär von der antibiotischen Wegerichauflage zu vergessen?
Vielleicht ist es die vermeintliche Naturnähe: Blätter kommen aus dem Boden – aus gesunder Erde. Deshalb müssen sie natürlich, gesund und gut für uns sein. Man sollte aber nicht vergessen, dass das Ganze auch mit eher ungewolltem Erdkontakt enden kann – „6 Fuß“ tief.
Zusatz: Die Wegericharten sind dennoch großartige Heilpflanzen: Vor allem die Wirkung der Schleimstoffe in den Fruchtschalen und seine Gerbstoffe machen ihn zu einem hervorragenden Mittel bei Entzündungen des Magens, Verstopfung etc. Die Gerbstoffe wirken sehr gut bei durch Stichen hervorgerufenen Entzündungen unter der Haut – auf offenen Wunden hat er dennoch nichts verloren.

 

*Pflanzliche Notnahrung S. 25-31 ISBN: 978-3613507630
** Alle Pflanzen enthalten antibakterielle und antifungale Wirkstoffe. Die Frage ist: Sind die Wirkstoffe geeignet, um Wunden zu desinfizieren - nach der Behandlung sollten weniger Keime darin vorhanden sein. als vorher.

Ich freue mich sehr auf Rückmeldungen zu den Artikeln (an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), sowie über Anregungen zu weiteren »Survivalmythen«, die ich zur Aufklärung nach neuen wissenschaftlichen Angaben überprüfen und in der Praxis austesten werde.

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