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[Bericht] Green Course 04/06

 Nach einer freundlichen Begrüßung, einer Vorstellung des Trainers und der Teilnehmer begannen wir mit etwas Messerschleifkunde und einpaar gemütlichen Gesprächen während wir den Sonnenschein genossen. Nebenher naschten wir feine Naturkost der ich anfangs etwas skeptisch gegenüber stand was sich allerdings nach kurzem antesten als total überflüssig herausstellte.

Nachher wurden uns detailliert und äußerst verständlich verschiedene interessante Survivalgrundkenntnisse wie das Feuermachen mit Feuerstein, auch Flint genannt, und Zunder beigebracht. Der Zunder bestand in dem Fall aus einem Birkenporling der aus Zeitgründen zuvor mit Kaliumnitrat bzw. Salpeter bearbeitet wurde. Es wurde aber auch erklärt wie man diesen so genannten Zunderschwamm auf natürlichste weiße mit Hilfe von z.B. Urin leider zeitintensiv bearbeiten kann. Wenn man den Funken auf dem Porling "gefangen" hat leitet man den nächsten Schritt ein. Dafür sind verschiedenste Naturmaterialien wie z.B. Distelsamen und trockene Gräser verwendbar. Das ganze hört sich um einiges leichter an als es ist.
Mit der richtigen Blasstechnik und etwas Geschick kann man so ein Feuer entfachen.
War ich vielleicht stolz als es bei mir geklappt hat. Feuer aus eigener Kraft und Energie – das ist schon was anderes als wenn man ein Feuerzeug oder Streichholz benutzt.

 Auf einem ausgiebigen Spaziergang hat Johannes uns verschiedene essbare und teilweiße sehr giftige Pflanzen gezeigt und uns wertvolle Tipps gegeben wie wir einige dieser unterscheiden können. Wie ich feststellen durfte gibt unsere Natur weit mehr schmackhafte Früchte, Kräuter, Knollen und Wurzeln her als ich zuvor angenommen habe. Topinambur z.B. ist eine wirklich tolle Knolle mit der Konsistenz einer Kartoffel und geschmacklich eine gewisse Ähnlichkeit mit der Artischocke hat. Ich hab mir auch gleich
einige dieser Pflanzenknollen die zur Familie der Sonnenblume gehört ausgegraben um sie meiner Familie vorzustellen.

Anhand eines aufgetauten Nagetieres haben wir beigebracht bekommen wie man ein Tier korrekt abzieht, ausnimmt und auf was alles zu achten ist. Anschließen zeigte Johannes uns noch wie man ein Fell auf einfache und schnelle Art für bestimmte Zeit haltbar macht bzw. gerbt.

Selbstverständlich hatten wir auch einen „Outdoorkühlschrank“ in Form eines Loches mit einem natürlichen Isolator um unsere gefrorenen Nahrungsmittel kühl zu halten.

Eine weitere sehr interessante Technik war das Herstellen einer Davidsschleuder, einer sehr effektiven Waffe und das Fallen bauen. Eine Schlagfalle kann z.B. mit einem so genannten Vierer ausgelöst werden der mit einfachen Stöckchen die überall zu finden sind hergestellt werden kann. Je nach Tierart die gefangen werden soll, kann man auch z.B. eine Springschlinge basteln. Dazu braucht man jedoch eine Schnur.

 Johannes hat uns auch gezeigt wie man auf richtige Art und Weiße einen Fluss oder sonstige Hindernisse wie Schluchten oder Gräben überwinden kann. Mithilfe einer Seilbrücke geht das recht einfach und zügig. Verschiedene sehr stabile Knoten die sich auch wieder sehr leicht lösen lassen wurden uns dabei ebenso vorgeführt wie der Schweizer Flaschenzug, mit dem man ein Seil sehr straff spannen kann.

Der medizinische Teil des Kurses beinhaltete unter anderem das richtige Betäuben von Wunden z.B. mit Hilfe von Injektionen, das Reinigen und Vernähen von größeren Schnittwunden, Vorsichtsmaßnahmen um eventuellen Wundbrand und andere sogar tödliche Unannehmlichkeiten zu verhindern. Zu Übungszwecken vernähten wir eine künstliche Wunde mit chirurgischer Nadel und Faden. Wir lernten auf diese weiße wie man ein ausreißen des Fadens verhindert und man korrekte, stabile Knoten knüpft die sich nicht selbstständig lösen.

Sogar eine inszenierte Notsituation durften wir meistern. Eine Krankenbahre wurde nach Anleitung aus Holz, Seil und Regenmantel innerhalb kürzester Zeit gebaut. Man glaubt gar nicht wie anstrengend es sein kann einen Verletzten möglichst sanft und zügig zugleich über Äcker, Wiesen und Bäche ins Basislager zu transportieren. Der psychische Beistand spielte dabei auch eine große Rolle. Ich war überrascht wie schnell wir mit dem "Patienten" wieder im Basislager waren. Da sieht man mal wieder was Teamwork und gute Organisation bringen können.
Schön wenn man eine solche Situation vorher üben konnte bevor man in eine echte
Notsituation gerät und nicht weiter weiß.

 Ich habe mich von Anfang an und auch die gesamte Trainingszeit sehr wohl und integriert Gefühlt. Äußerst faszinierend war ich von dem Zusammenhalt während des Krankentransports und auch bei allen übrigen Aktivitäten das ganze Wochenende über.

Die sehr netten Menschen die ich kennen lernen durfte fehlen mir jetzt schon. Ich hoffe wir werden uns mal wieder zu einem gemütlichen Bierchen oder Kaffee und einem Gedanken und Erfahrungsaustausch treffen.

Auch die Gespräche beim gemütlichem Tee, Kaffe oder Bierchen, die Johannes am Abend vor dem Lagerfeuer mit uns führte waren interessant und entspannend zugleich. So habe ich festgestellt dass Survival weit mehr beinhaltet als in der Wildnis zu leben und bin motivierter wie je zuvor mir noch haufenweiße Kenntnisse im theoretischen wie auch im praktischen Bereich anzueignen und zu erlernen.
Das Gefühl von Unabhängigkeit war auch ein super Erlebnis.
Als ich wieder zuhause war hab ich für uns so selbstverständliche Dinge wie mein Bett, Wasserhähne und alle anderen Luxusdinge aus meinem Leben mit anderen Augen angeschaut.

Nochmals vielen Dank an Johannes der mich mit seinem fachlichen Wissen und seiner ganzen Art beeindruckt hat.
(Ich bin mir recht sicher dass er der nächste R. Nehberg wird. :)

Michael

 



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