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Was bedeutet Impfen für uns?

Die Immunreaktion des Impfens ist grundsätzlich nichts anderes als den Körper mit einem Erreger zu konfrontieren, um ihn daran zu gewöhnen.

Dieses mächtige Werkzeug gegen Pandemien erzeugt aber Angst: Man bekommt eine Spritze mit irgend etwas und danach passiert – nichts.

Der Körper nimmt den Impfstoff an, reagiert darauf, meist ohne dass wir etwas merken.

Ähnlich wie der Umstand, dass man sich Abends häufig an unerfreuliches des Tages erinnert und nicht an das Positive, da das Negative mehr „Eindruck“ hinterlässt, wissen viele Nicht, was diese komplexe Reaktion des Impfvorgangs tatsächlich ausmacht.

Immunität:

Der Körper ist von nun an dauerhaft – oder zeitweise – gegen den Krankheitserreger immun. Kommt der Mensch nun mit dem Erreger in Kontakt, erkrankt er nicht, er bemerkt häufig noch nicht einmal die abgewehrte Infektion.

Behandelbarkeit:

Jedes Lebewesen kennt unbehandelbare Krankheiten. Das sind Erreger, die so gut an den befallenen Körper angepasst sind, dass sie sich sehr schnell einnisten können: schneller als das Immunsystem mit einer spezifischen Reaktion antworten kann.

Viele dieser früher „unheilbaren Krankheiten“, gegen die also kein Medikament der Welt helfe kann, werden vom Menschen heute überhaupt nicht mehr als Gefahr wahrgenommen, obwohl sie bis dato nicht behandelt werden können - man kann sich nur dagegen impfen.

Das Immunsystem ist weit komplexer als jedes Medikament. Es kann Viren wie Polio (nahezu immer schwerste Behinderungen zur Folge) oder Bakterien wie Clostridium tetani (fast immer tödlich: Wundstarrkrampf) bekämpfen. Mehr noch: diese Erreger waren früher eine ständige tödliche Gefahr - der Erreger des Tetanus lebt praktisch in jedem Teelöffel Erde und ist heute als Krankheitsbild kaum noch bekannt.

Herdeneffekt:

Die Impfung der Bevölkerung hat einen besonderen positiven Effekt: Dem Krankheitserreger werden die Entwicklungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten genommen. Er kann keine stabile Population mehr aufbauen. Deshalb werden viele Erreger seltener. Sie können sogar vollständig aus den Zivilisationen entfernt werden.

So ist vor allem auch für uns Reisende Pflicht, uns zu informieren, welche Krankheiten im Zielreiseland häufig sind, um zu vermeiden durch eine Infektion an Orten mit anderen Krankheitserregern oder geringer Durchimpfungsrate an Krankheiten zu sterben oder diese einzuführen. Nicht ohne Grund sind Entwicklungsländer „rote“ Flecken auf Karten, die Krankheitshäufigkeit von Polio, Tetanus etc. anzeigen.

Dieser Herdeneffekt ist jedoch auch gefährlich: Niemand kennt mehr die Poliogelähmten, oder den im unendlich schmerzhaften Todeskrampf liegenden Tetanuskranken. Keiner hat mehr die entstellten Pockenträger gesehen.

Menschen, die hin und wieder Entwicklungsländer bereisen wissen, was ich meine. Dort prägen die klumpfüßigen Hinkenden der überstandenen Kinderlähmung als Bettler das Straßenbild.

Aufgrund diesem mangelnden Verständnis entstehen Gruppierungen, die sich Impfungen verweigern. Einige bestreiten sogar die Existenz von Viren an sich – ein fatales Signal, denn wirklich: Ungeimpfte werden nicht zwangsläufig krank, weil sie an der Durchimpfung der sie umgebenden Bevölkerung partizipieren. Durch diesen „Herdeneffekt“ schwimmen Impfverweigerer in einem geschützten Raum und erzeugen damit Lücken im Impfschutz. Schlimmer noch: einige von ihnen tragen klassische „Kinderkrankheiten“, die durch eine Impfung nicht mehr auftreten würden.

Masern zum Beispiel können bei Erwachsenen mit ausgebildetem Immungedächnis geringe Schäden ausrichten. Wohnen mehrere ungeimpfte Personen nahe beieinander, kann es zu Masernepidemien kommen, wie sie in den letzten Jahren immer wieder häufiger werden.

Das besonders Verantwortungslose daran: Die Leidtragenden sind Kinder, die zu jung sind, um geimpft zu werden. Besonders bei noch nicht immunisierten Säuglingen treten Infektionen durch ein ungeimpftes Umfeld auf. Schwerste Hirnschäden, nicht selten der Tod sind Folgen dieser grausamen Verantwortungslosigkeit einiger Erwachsener gegenüber der hilflosesten Geschöpfe.

Überimpfung und Komplikationen.

Häufig bekommt man den Ausdruck Überimpfung zu hören. Um sich zu Überlegen, wie paradox das ist, muss man sich gewahr werden, was Impfungen denn sind.

Der Körper kommt jeden Tag mit neuen Krankheitserregern in Kontakt. Ständig erneuert und erweitert sich das Immunsystem und arbeitet an seiner Erinnerungsbibliothek, um den Erreger das nächste mal noch schneller zu erkennen. Man kann quasi alleine schon rechnerisch unendlich viele Krankheitsabbilder erzeugen und speichern.

Das Immunsystem nimmt mit "Freude" jede neue Information auf, um sich zu erweitern. Nach einer Impfinjektion macht er genau das. Er produziert ein negatives „Abbild“ des Erregers und speichert es ab. Nach wenigen Tagen ist von der Injektion nichts mehr im Körper. Alleine die körpereigen gebildeten Immunzellen verbleiben.

Ein Geimpfter unterscheidet sich in nichts vom Ungeimpften, außer dass er eben gegen eine bestimmte Krankheit immun geworden ist, was ihm gegebenenfalls mal das Leben retten wird. Außerdem leistet der Geimpfte seinen Teil an der Herdenimmunisierung, die die Kleinsten und Schwächsten in der Zeit schützen kann, in der sie vollständig ungeschützt gegen impfbare Krankheiten sind.

Wie bei jedem Eingriff kann es natürlich auch bei Impfungen zu Komplikationen kommen. Wird ein Impfstoff falsch injiziert können Abszesse oder Aushärtungen im Fettgewebe die Folge sein. Verunreinigungen des Impfstoffes oder Unverträglichkeiten gegen einen Bestandteil der Lösung sind auch möglich. Im direkten Vergleich mit dem Krankheitsrisiko sind diese Komplikationen jedoch denkbar gering, um nicht zu sagen vernachlässigbar.

Sicherlich ist diese Aussage wenig wert für die wenigen, die aufgrund eine Impfkomplikation einen Menschen verloren oder Schaden erlitten haben und große Anstrengungen bemühen, Andere vom Impfen abzuhalten. Es entspricht aber eben nicht der wissenschaftlich fundierten Realität, das impfen gefährlicher ist als ungeimpft zu leben.