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Peter Nietz hat für uns Wollkleidung genauer unter die Lupe genommen.

Wolle ist nicht gleich Wolle

Wer sich zum Stricken Wolle kauft, wird oft das erste mal mit den unterschiedlichen Begriffen konfrontiert. Denn nicht jedes Wollknäuel ist auch wirklich aus Wolle.

„Echte Wolle“ sind die krausen, weichen, und versponnenen Fellhaare von Tieren. Sprechen wir von Wollpullovern, meinen wir also nicht solche aus Seide, pflanzliche Stoffen wie Baumwolle oder synthetischen Fasern: Acryl, Polyester, Nylon.

Wolle ist Tierhaar und damit einen natürlicher und nachwachsender Rohstoff.

Wann Schafwolle das erste mal versponnen wurde ist unbekannt. Funde der Wollverarbeitung weisen die Nutzung seit spätestens der Bronzezeit nach.

Noch heute hat Wolle eine große wirtschaftliche Bedeutung. Nach einem regelrechten Synthetikhype und billigen Baumwollprodukten ist zunehmend wieder eine Rückbesinnung auf das Original zu bemerken:

Viele Produkte werden wieder aus echter Schurwolle angeboten und die unterschiedlichen Wollprodukte sind weiterentwickelt worden: Unterwäsche und Pullover aus Wolle kratzen schon lange nicht mehr auf der Haut und auch die Gleichmäßigkeit der Wollgewebe hat sich verbessert.

Zeit also, einen neuen Blick auf den alten Werkstoff zu werfen.

iq Option binär Woraus besteht Wolle?

Verspinnbare Wolle ist schlicht krauses Haar. Hauptsächlich besteht es aus dem Faserprotein „Keratin“, ebenso wie Hautschuppen, Fingernägel, Krallen, Horn und Federn.

Keratin ist aus sehr einfachen Strukturen aufgebaut und deshalb nicht wasserlöslich, außerdem zugfest, wärmefest und widersteht den Angriffen von Pilzen und Bakterien für lange Zeit. Alleine Motten, Milben, Speckkäfer und chemische Reinigungsmittel können Wolle zuweilen arg zusetzen.

Einzelne Wollfasern sind mit einem Durchmesser von etwa 20 bis 40 Mikrometer vergleichsweise dick. Baumwoll- oder Polyamidfasern sind erheblich feiner – aber auch anfälliger.

Allgemein unterscheidet man zwischen feiner, mittelgrober und grober Wolle. Die gröberen, dickeren Haare können eine Länge von bis zu 14 Zentimeter erreichen und bestehen aus einem Teil des Deckhaars. Man verwendet diese meist für Teppiche, Decken, Dämmmaterial oder Sitzbezüge. Feine Wolle hat eine Länge von rund 4 bis 7 Zentimetern.

Für Kleidung wird in der Regel feine und mittelgrobe Wolle verwendet.

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Wolle wird nicht nur vom Schaf gewonnen, auch Ziegen, Kaninchen und andere Tiere liefern ausgezeichnete Wollfasern.

Sehr begehrt, aber selten und deshalb teuer ist Mohairwolle der Angoraziege sowie Kaschmirwolle von Kaschmirziegen. Vom Angorakaninchen stammt dagegen die Angorawolle, deren Fasern hohl und deshalb noch besser isolierend sind als es Wolle ohnehin ist.

Schurwolle stammt von den unterschiedlichsten Schafrassen. Eine Sonderfall der Schafwolle ist die Merinowolle, die vom Merinoschaf gewonnen wird. Sie ist besonders weich und eignet sich besonders für Kleidungsschichten, die direkt auf der Haut anliegen. Mittlerweile ist „Merino“ gängiges Material für Funktionsunterbekleidung im Trekking- und Outdoorbereich.

Daneben gibt es aus Wolle von diversen anderen Tieren, die wirtschaftlich aber eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Verarbeitung und Verwendung

Das Fell der Tiere wird entweder geschoren, ausgekämmt (Kaninchen) oder fällt von alleine aus (Kamel). Die so gewonnenen Fasern werden gereinigt, entfettet und manchmal gefärbt und dann zu Garn gesponnen oder verfilzt. Garne können verwebt oder verstrickt werden.

Sogenannter (Walk)Loden wird übergroß gewebt und danach beim Walken entfettet, aufgebrochen und verfilzt. Dabei schrumpft er stark, was eine sehr enge Faserdichte erzeugt.

Bei reinem Filz handelt es sich um einen von Anfang an ungeordneten Faserverbund, der gewalkt oder verfilzt wird.

Das Spinnen und Verfilzen wird ermöglicht durch das Verhaken der schuppenartigen Oberflächenstruktur der Haare. Aus diesem Grund sind Festigkeit und Dichte von verfilzter Kleidung sehr hoch. Obwohl Wollfasern dick oder grob im Vergleich zu anderen Naturfasern sind, ermöglicht ihre geringes Gewicht die Herstellung von sehr leichten und dennoch festen und damit gut isolierenden Stoffen. Die „Stärke“ von Wollgeweben wird in Gramm (pro Quadratmeter Stoff) angegeben, bei Mischgeweben in %Wollanteil.


Über den Autor: Peter Nietz ist unser Trainer am Standort Saarland. Zu unserem Angebot in Merzig.