Wichtige Eigenschaften

Wollstoffe sind atmungsaktiv und gut isolierend, da das krause Haar viele winzige Zwischenräume im Gewebe erzeugen, die einen großen Luftanteil einschließen.

Je dichter Wolle versponnen und verarbeitet worden ist desto geringer ist der ungewollte Luftaustausch mit der kalten Umgebungsluft, der als „Konvektion“ das Auskühlen begünstigt. Man sagt auch: Dichte Wollgewebe sind windfest. Damit unterscheidet sich Wolle deutlich von vielen Synthetik und Baumwollgeweben.

Außerdem sind Kleidungsstücke aus echter Wolle wärmeregulierend. Der Träger kann Wollkleidung also bei nach oben und unten von der optimalen Tragetemperatur abweichendem Klima tragen. Kunstfaser- und Baumwollkleidung lässt den Träger dagegen schnell schwitzen und/oder frieren.

Die Oberfläche der Wollhaare ist außerdem mit einem feinen Fettfilm benetzt, der Feuchtigkeit ableitet. Das Wollgewebe, kann dennoch kann eine große Menge an Flüssigkeit aufnehmen und binden. Wollstoffe fühlen sich darum nicht feucht an und wärmen trotzdem noch, wenn sie bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts Wasser aufgenommen haben.

Ungebundene Flüssigkeit wird dagegen aus dem Gewebe abgeleitet – wringt man es aus, ist die Kleidung (gefühlt) trocken – ganz anders als die weit verbreiteten Baumwollgewebe: sie nehmen Flüssigkeit auf und kühlen durch großflächige nasse Flecken aus. In im englischsprachigen Raum hat sich deshalb ein Spruch etabliert, der Baumwolle in kalter Umgebung gut beschreibt: „Cotton kills!“.

Allerdings hat diese Eigenschaft der Wolle nicht nur Vorteile: Feuchte Wolle kann richtig schwer werden. Und weil sie sich auch feucht trocken anfühlt, kann auch kaum abgeschätzt werden, ob sie auch trocken ist. Deshalb sollte Wolle nach dem Tragen gut gelüftet werden – und nach Möglichkeit auch immer locker am Bügel hängen und nicht eng gefaltet im Schrank liegen.

Für den passionierten Naturbeobachter, Jäger oder Fischer, der auch mal unbemerkt bleiben möchte, hat Wolle besonders durch ihre diffuse Struktur eine Schall absorbierende Wirkung - selbst dichter Loden ist nahezu geräuschlos. Die Tierhaare nehmen dazu auch Blätter, Reisig und andere Vegetation gern auf, was hier als Vorteil gezählt werden darf, da es die Tarnwirkung verbessert.

Wolle reinigt sich ebenso wie alle Körperhaare selbst. Aus den groben Fasern lässt sich Schmutz und Staub einfach abschütteln oder ausklopfen. Das natürliche Wollfett vermindert neben Staunässe außerdem das Bakterienwachstum. Im Gegensatz zu Polyesterkleidung beginnt Wolle nicht nach wenigen Stunden an zu müffeln.

Neben Wärme und Tragekomfort und Fehlen störender Geräusche hat Wolle außerdem für den Outdoorer noch einen ganz anderen Vorteil, der sich auf die Sicherheit positiv auswirkt:

Baumwolle und vor allem dicke Synthetikkleidung bekommt am Lagerfeuer nicht nur schnell Löcher – den Feuerschläfer kann Unachtsamkeit das Leben kosten: Polyester brennt schnell und gut. Wolle dagegen ist schwer entflammbar. Sie schmort lediglich, kleine Brandschäden durch Funken können ebenso wie Schmutz einfach ausgekämmt werden. 

Wer als Outdoorer die Vor- und Nachteile abwägt, keine Tierhaarallergie hat und sich nicht am zeitweiligen „Fusseln“ stört, wählt deshalb gerne die etwas teurere Wolle.


Zusammengefasst


Wolle ist ein wertvoller Bekleidungsstoff, der sich ideal für das Zwiebelschichtprinzip eignet.

Traditioneller Loden als Mantel, Wetterfleck oder „Kotze“ ist hervorragend als äußere wasserabweisende und winddichte Schicht geeignet – vor allem auch weil heutige Walkstoffe oft zusätzlich wasserabweisend imprägniert sind.

Weiche lockere, netzartig gewebte oder gestrickte Stoffe finden eher als innere Isolationsschicht(en) Verwendung.

Generell ist zu beachten, dass grob gestrickte oder gewebte Stoffe für Windchill anfälliger sind, dicker, schwerer Loden dafür im Sommer weniger Wärmeraustausch zulässt.

Im allgemeinen sollte man natürlich auch bei Wolle vermeiden, dass innere Schichten nass geschwitzt werden.

Feine, dünne T-Shirts, beispielsweise aus Merinowolle sind auch für den Sommer geeignete, wärmeregulierende Funktionsunterwäsche.

Mittlerweile sind auch Mischgewebe als Alternative mit den Eigenschaften von Wolle und Synthetik- oder Baumwollfasern sehr beliebt, weil sie weniger anfällig beim Waschen sind und geringer auf chemische Einflüsse reagieren.

Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass Wolle den Hauptbestandteil des Mischgewebes ausmacht, da seine Eigenschaften ausschlaggebend sind.

Reine Wollstoffe sollten eher gelüftet lüften als gewaschen werden, um einen natürlichen Fettgehalt durch Waschmittel nicht zu entfernen (hier möglichst spezielles Wollwaschmittel verwenden, das die Fettschicht erhält oder sogar neu aufbauen kann).

Wenn Wolle gewaschen wurde oder nass geworden ist, sollte sie langsam, beispielsweise auf einem Handtuch liegend getrocknet werden – keinesfalls im heiß eingestellten Trockner.

Bei der Lagerung sollte regelmäßig auf Schädlinge wie Motten kontrolliert werden. Man kann gegen die Lästlinge auch ein Lavendelsäckchen oder spezielle Mottenaufhänger mit in den Schrank geben.

Mit etwas Pflege hält gute Wollkleidung Generationen, was neben den großartigen Trageeigenschaften den höheren Preis schnell relativiert.


Über den Autor: Peter Nietz ist unser Trainer am Standort Saarland.Zu unserem Angebot in Merzig.