Draußen wird es wieder kalt und nass – der Winter steht vor der Türe. Wer nun zum Training, Pilz- und Pflanzensammeln in die Natur möchte, muss sich entsprechend warm 

einpacken. Dabei ist weniger die Kälte ein Problem der sprichwörtlich kalten Jahreszeit, sondern der Mix aus großen Temperaturunterschieden, Feuchtigkeit und eiskaltem Wind.

Der richtige Zeitpunkt für die Winterkleider-Bestandsaufnahme ist genau jetzt.

Peter Nietz hat für uns Wollkleidung genauer unter die Lupe genommen.

Wolle ist nicht gleich Wolle

Wer sich zum Stricken Wolle kauft, wird oft das erste mal mit den unterschiedlichen Begriffen konfrontiert. Denn nicht jedes Wollknäuel ist auch wirklich aus Wolle.

„Echte Wolle“ sind die krausen, weichen, und versponnenen Fellhaare von Tieren. Sprechen wir von Wollpullovern, meinen wir also nicht solche aus Seide, pflanzliche Stoffen wie Baumwolle oder synthetischen Fasern: Acryl, Polyester, Nylon.

Wolle ist Tierhaar und damit einen natürlicher und nachwachsender Rohstoff.

Wann Schafwolle das erste mal versponnen wurde ist unbekannt. Funde der Wollverarbeitung weisen die Nutzung seit spätestens der Bronzezeit nach.

Noch heute hat Wolle eine große wirtschaftliche Bedeutung. Nach einem regelrechten Synthetikhype und billigen Baumwollprodukten ist zunehmend wieder eine Rückbesinnung auf das Original zu bemerken:

Viele Produkte werden wieder aus echter Schurwolle angeboten und die unterschiedlichen Wollprodukte sind weiterentwickelt worden: Unterwäsche und Pullover aus Wolle kratzen schon lange nicht mehr auf der Haut und auch die Gleichmäßigkeit der Wollgewebe hat sich verbessert.

Zeit also, einen neuen Blick auf den alten Werkstoff zu werfen.

Woraus besteht Wolle?

Verspinnbare Wolle ist schlicht krauses Haar. Hauptsächlich besteht es aus dem Faserprotein „Keratin“, ebenso wie Hautschuppen, Fingernägel, Krallen, Horn und Federn.

Keratin ist aus sehr einfachen Strukturen aufgebaut und deshalb nicht wasserlöslich, außerdem zugfest, wärmefest und widersteht den Angriffen von Pilzen und Bakterien für lange Zeit. Alleine Motten, Milben, Speckkäfer und chemische Reinigungsmittel können Wolle zuweilen arg zusetzen.

Einzelne Wollfasern sind mit einem Durchmesser von etwa 20 bis 40 Mikrometer vergleichsweise dick. Baumwoll- oder Polyamidfasern sind erheblich feiner – aber auch anfälliger.

Allgemein unterscheidet man zwischen feiner, mittelgrober und grober Wolle. Die gröberen, dickeren Haare können eine Länge von bis zu 14 Zentimeter erreichen und bestehen aus einem Teil des Deckhaars. Man verwendet diese meist für Teppiche, Decken, Dämmmaterial oder Sitzbezüge. Feine Wolle hat eine Länge von rund 4 bis 7 Zentimetern.

Für Kleidung wird in der Regel feine und mittelgrobe Wolle verwendet.

Wollarten

Wolle wird nicht nur vom Schaf gewonnen, auch Ziegen, Kaninchen und andere Tiere liefern ausgezeichnete Wollfasern.

Sehr begehrt, aber selten und deshalb teuer ist Mohairwolle der Angoraziege sowie Kaschmirwolle von Kaschmirziegen. Vom Angorakaninchen stammt dagegen die Angorawolle, deren Fasern hohl und deshalb noch besser isolierend sind als es Wolle ohnehin ist.

Schurwolle stammt von den unterschiedlichsten Schafrassen. Eine Sonderfall der Schafwolle ist die Merinowolle, die vom Merinoschaf gewonnen wird. Sie ist besonders weich und eignet sich besonders für Kleidungsschichten, die direkt auf der Haut anliegen. Mittlerweile ist „Merino“ gängiges Material für Funktionsunterbekleidung im Trekking- und Outdoorbereich.

Daneben gibt es aus Wolle von diversen anderen Tieren, die wirtschaftlich aber eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Verarbeitung und Verwendung

Das Fell der Tiere wird entweder geschoren, ausgekämmt (Kaninchen) oder fällt von alleine aus (Kamel). Die so gewonnenen Fasern werden gereinigt, entfettet und manchmal gefärbt und dann zu Garn gesponnen oder verfilzt. Garne können verwebt oder verstrickt werden.

Sogenannter (Walk)Loden wird übergroß gewebt und danach beim Walken entfettet, aufgebrochen und verfilzt. Dabei schrumpft er stark, was eine sehr enge Faserdichte erzeugt.

Bei reinem Filz handelt es sich um einen von Anfang an ungeordneten Faserverbund, der gewalkt oder verfilzt wird.

Das Spinnen und Verfilzen wird ermöglicht durch das Verhaken der schuppenartigen Oberflächenstruktur der Haare. Aus diesem Grund sind Festigkeit und Dichte von verfilzter Kleidung sehr hoch. Obwohl Wollfasern dick oder grob im Vergleich zu anderen Naturfasern sind, ermöglicht ihre geringes Gewicht die Herstellung von sehr leichten und dennoch festen und damit gut isolierenden Stoffen. Die „Stärke“ von Wollgeweben wird in Gramm (pro Quadratmeter Stoff) angegeben, bei Mischgeweben in %Wollanteil.


Über den Autor: Peter Nietz ist unser Trainer am Standort Saarland. Zu unserem Angebot in Merzig.



Wichtige Eigenschaften

Wollstoffe sind atmungsaktiv und gut isolierend, da das krause Haar viele winzige Zwischenräume im Gewebe erzeugen, die einen großen Luftanteil einschließen.

Je dichter Wolle versponnen und verarbeitet worden ist desto geringer ist der ungewollte Luftaustausch mit der kalten Umgebungsluft, der als „Konvektion“ das Auskühlen begünstigt. Man sagt auch: Dichte Wollgewebe sind windfest. Damit unterscheidet sich Wolle deutlich von vielen Synthetik und Baumwollgeweben.

Außerdem sind Kleidungsstücke aus echter Wolle wärmeregulierend. Der Träger kann Wollkleidung also bei nach oben und unten von der optimalen Tragetemperatur abweichendem Klima tragen. Kunstfaser- und Baumwollkleidung lässt den Träger dagegen schnell schwitzen und/oder frieren.

Die Oberfläche der Wollhaare ist außerdem mit einem feinen Fettfilm benetzt, der Feuchtigkeit ableitet. Das Wollgewebe, kann dennoch kann eine große Menge an Flüssigkeit aufnehmen und binden. Wollstoffe fühlen sich darum nicht feucht an und wärmen trotzdem noch, wenn sie bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts Wasser aufgenommen haben.

Ungebundene Flüssigkeit wird dagegen aus dem Gewebe abgeleitet – wringt man es aus, ist die Kleidung (gefühlt) trocken – ganz anders als die weit verbreiteten Baumwollgewebe: sie nehmen Flüssigkeit auf und kühlen durch großflächige nasse Flecken aus. In im englischsprachigen Raum hat sich deshalb ein Spruch etabliert, der Baumwolle in kalter Umgebung gut beschreibt: „Cotton kills!“.

Allerdings hat diese Eigenschaft der Wolle nicht nur Vorteile: Feuchte Wolle kann richtig schwer werden. Und weil sie sich auch feucht trocken anfühlt, kann auch kaum abgeschätzt werden, ob sie auch trocken ist. Deshalb sollte Wolle nach dem Tragen gut gelüftet werden – und nach Möglichkeit auch immer locker am Bügel hängen und nicht eng gefaltet im Schrank liegen.

Für den passionierten Naturbeobachter, Jäger oder Fischer, der auch mal unbemerkt bleiben möchte, hat Wolle besonders durch ihre diffuse Struktur eine Schall absorbierende Wirkung - selbst dichter Loden ist nahezu geräuschlos. Die Tierhaare nehmen dazu auch Blätter, Reisig und andere Vegetation gern auf, was hier als Vorteil gezählt werden darf, da es die Tarnwirkung verbessert.

Wolle reinigt sich ebenso wie alle Körperhaare selbst. Aus den groben Fasern lässt sich Schmutz und Staub einfach abschütteln oder ausklopfen. Das natürliche Wollfett vermindert neben Staunässe außerdem das Bakterienwachstum. Im Gegensatz zu Polyesterkleidung beginnt Wolle nicht nach wenigen Stunden an zu müffeln.

Neben Wärme und Tragekomfort und Fehlen störender Geräusche hat Wolle außerdem für den Outdoorer noch einen ganz anderen Vorteil, der sich auf die Sicherheit positiv auswirkt:

Baumwolle und vor allem dicke Synthetikkleidung bekommt am Lagerfeuer nicht nur schnell Löcher – den Feuerschläfer kann Unachtsamkeit das Leben kosten: Polyester brennt schnell und gut. Wolle dagegen ist schwer entflammbar. Sie schmort lediglich, kleine Brandschäden durch Funken können ebenso wie Schmutz einfach ausgekämmt werden. 

Wer als Outdoorer die Vor- und Nachteile abwägt, keine Tierhaarallergie hat und sich nicht am zeitweiligen „Fusseln“ stört, wählt deshalb gerne die etwas teurere Wolle.


Zusammengefasst


Wolle ist ein wertvoller Bekleidungsstoff, der sich ideal für das Zwiebelschichtprinzip eignet.

Traditioneller Loden als Mantel, Wetterfleck oder „Kotze“ ist hervorragend als äußere wasserabweisende und winddichte Schicht geeignet – vor allem auch weil heutige Walkstoffe oft zusätzlich wasserabweisend imprägniert sind.

Weiche lockere, netzartig gewebte oder gestrickte Stoffe finden eher als innere Isolationsschicht(en) Verwendung.

Generell ist zu beachten, dass grob gestrickte oder gewebte Stoffe für Windchill anfälliger sind, dicker, schwerer Loden dafür im Sommer weniger Wärmeraustausch zulässt.

Im allgemeinen sollte man natürlich auch bei Wolle vermeiden, dass innere Schichten nass geschwitzt werden.

Feine, dünne T-Shirts, beispielsweise aus Merinowolle sind auch für den Sommer geeignete, wärmeregulierende Funktionsunterwäsche.

Mittlerweile sind auch Mischgewebe als Alternative mit den Eigenschaften von Wolle und Synthetik- oder Baumwollfasern sehr beliebt, weil sie weniger anfällig beim Waschen sind und geringer auf chemische Einflüsse reagieren.

Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass Wolle den Hauptbestandteil des Mischgewebes ausmacht, da seine Eigenschaften ausschlaggebend sind.

Reine Wollstoffe sollten eher gelüftet lüften als gewaschen werden, um einen natürlichen Fettgehalt durch Waschmittel nicht zu entfernen (hier möglichst spezielles Wollwaschmittel verwenden, das die Fettschicht erhält oder sogar neu aufbauen kann).

Wenn Wolle gewaschen wurde oder nass geworden ist, sollte sie langsam, beispielsweise auf einem Handtuch liegend getrocknet werden – keinesfalls im heiß eingestellten Trockner.

Bei der Lagerung sollte regelmäßig auf Schädlinge wie Motten kontrolliert werden. Man kann gegen die Lästlinge auch ein Lavendelsäckchen oder spezielle Mottenaufhänger mit in den Schrank geben.

Mit etwas Pflege hält gute Wollkleidung Generationen, was neben den großartigen Trageeigenschaften den höheren Preis schnell relativiert.


Über den Autor: Peter Nietz ist unser Trainer am Standort Saarland.Zu unserem Angebot in Merzig.