Fortsetzung des Artikels: Das richtige Fluchtgepäck - der Fluchtrucksack

Der Homo urbanis liebt das Erneuern, weniger mag er das Erhalten. Jedes Jahr ein neues IPhone, alle drei Jahre wird der Leasingwagen gewechselt und kaputte Geräte werden ausgetauscht und nicht repariert.

Vielleicht ist es das Lego-Phänomen:

Wer etwas einreißt, hat die Möglichkeit es neu, größer, besser und toller (bigly & great again) zu bekommen. Die Karten werden neu gemischt – und nicht der, der seine Jacht, ein Wirtschaftsvermögen oder Ländereien besitzt, wird dieses Mal den Trumpf haben, sondern diejenigen, die 400 Kilogramm gefriergetrocknete Rote Grütze im Keller bunkern.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb es bei manchen (nicht allen) Preppern eine leicht lakonische Haltung, teilweise eine Überheblichkeit gibt und nicht zuletzt – der romantisch verklärte, oft sogar hoffende Blick auf den Gau, den auch viele verrostete Konserven in feuchten Kellern seit Tschernobyl teilen.

Gleichwie: Die geteilten Versorgungslisten entbehren dennoch oft jeder Vernunft. Mit wenigen Worten zusammengefasst: „WTSHTF: gerne! Aber bitte ohne, dass ich meinen Lebensstandard reduzieren muss.“

Das ist eine grobe Fehleinschätzung. Krisenregionen auf der ganzen Erde zeigen: Wenn Flucht nicht möglich ist, wird es ein kalter, ein sehr kalter und langer Winter - für uns alle.

Katastrophen haben nichts, das sie für den Prepper oder Nichtprepper luxuriös machen könnten.

Selbst nicht die gebunkerten Toilettenpapierrollen und auch nicht das ranzige Trockenei.

Chaos, Zerstörung und Verderben ohne Aussicht auf Besserung sind unwahrscheinlich.

Sprechen wir also von den rational begründeten Empfehlungen und Einschätzungen.

Etwa von denjenigen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. Denn hier finden sich sinnvollere Ansätze als so manche „Preppern-Empfehlung“.

Überschwemmungen, Erdrutsch etc. können tatsächlich die gewohnte Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser zeitweise einschränken.

Deshalb sollten einige Tage überstanden werden, bis THW und andere Behörden wieder die Grundversorgung herstellen können – und das werden sie auch, selbst wenn der ein oder andere in seinen dystopischen Gedanken eher den Zusammenbruch von Ordnung und Zivilisation erwartet.

Selbst in weniger entwickelten Regionen schaffen es Armee, Katastrophenschutz und Nachbarschaft ein Überleben nach Katastrophen zu sichern.

 

Von welchem Zeitraum einer autarken Versorgung sprechen wir?

Man sollte in der Lage sein, einigermaßen aktionsfähig für 5 Tage und maximal 4 Wochen in der eigenen Wohnung autark zu bleiben. Ist bis dahin keine Hilfe erreichbar, wird aufgrund der dichten Besiedelung und daraus resultierenden Seuchengefahr die zeitweilige Flucht mit wenig Gepäck das Sinnvollste sein. Sich für Monate im Keller einzubunkern macht dann wenig Sinn: Innerhalb von 4 Wochen läuft ein gesunder Mensch mindestens tausend Kilometer und damit mit Sicherheit aus dem gewöhnlich anzunehmenden Gefahrenradius.

Ich rechne die Basis der benötigten Lebensmittel auf volle körperliche Leistung und gleiche sie mit meiner Erfahrung der vergangenen Expeditionen ab.

Um voll leistungsfähig zu bleiben wird wenig benötigt. Der Mensch ist ein sehr guter Energiespeicher und benötigt geringere Nahrungsmengen als viele denken.

Das ist ein enormer Vorteil: Die Mehrzahl der Deutschen wohnt in kleinen Wohnungen, in Hochhäusern oder Appartements und hat auch keinen Nerv, in vager Vorahnung alle paar Monate den Proviant auszutauschen. Deshalb soll der Vorrat so klein wie möglich sein und mindestens 5 Jahre lang halten.