Wie sieht meines Erachtens eine vollständig ausreichende Menge und Art der Versorgung aus?

Täglich: Fettarme Kohlenhydrate. Couscous, Polenta, Gries und dergleichen:

80 Gramm Trockengewicht je Tag und Person mit jeweils 5 Gramm Kochsalz und 10 Gramm Zucker vermengen und in saubere sowie trockene Schraubdeckelgläser einfüllen. Das geschrotete Getreide kann portionsweise mit der selben Menge kaltem Wasser vermengt werden und lässt sich nach 10 Minuten „ziehen lassen“ völlig problemlos genießen.

Gesamtmenge: ca. 2,5 kg

Gesamtkosten: ca. 5 €

Lagerbarkeit: Da kein Fett oder Wasser vorhanden sind, ist diese Mischung ohne weitere Vorbereitungen unbegrenzt haltbar. Und damit meine ich: wenn die Schraubgläser in 2000 Jahren unbeschädigt ausgegraben werden, ist der Inhalt noch verzehrbar.

Alle 4 Tage: Eine Konserve Fisch, Wurst etc.

Um den Fetthaushalt muss man sich innerhalb von 4 Wochen kaum Gedanken machen. Auch Mineralstoffe oder Vitamine sind in dem Zeitraum völlig unwichtig. Damit das Getreide aber nicht zu eintönig wird und hin und wieder die Fettreserven „aufgefrischt“ werden, kann mit einer kleinen (ca. 200 Gramm) Dose Thunfisch in Öl, Frühstücksfleisch, (allseits beliebtes) Spam und so weiter der Speiseplan bereichert werden. Einen Dosenöffner sollte man sich bereit halten – oder aber Dosen mit Ring besorgen.

Gesamtmenge: ca. 7 Konserven

Gesamtkosten: ca. 10 €

Lagerbarkeit: Die modern hergestellten Konserven sind praktisch unbegrenzt haltbar. Man kann mindestens mit 5 bis 10 Jahren rechnen. Die Dosen sind sterilisiert und wenn sie nicht in den ersten Monaten bombieren (dann natürlich austauschen), sind sie absolut keimfrei. Geöffnete Dosen halten in aller Regel auch mal 1 bis 3 Tage ungekühlt, sofern sie vor Fliegen geschützt werden und Öl über dem Lebensmittel steht. Nicht verwendet werden sollten „Schlachterkonserven“, die nicht fabrikmäßig abgefüllt worden sind.

Täglich: 1,5 Liter Trinkwasser

Wer daheim festsitzt braucht in den ersten vier Wochen kaum Nahrung, dafür aber Wasser. Von Wasser kann man nie genug haben. Tatsächlich können Sie mit dem oben genannten Vorrat mehrere Monate ausharren – der Wassermangel wird dabei aber das Problem.

Allerdings möchten wir mit der Menge ja nur den akuten Notfall aussitzen – und das möglichst sparsam.

Wer Ambitionen hat, endlich mal den Garten zu machen, weil wegen der drohenden Apokalypse der nervende Nachbar nicht meckernd am Maschendrahtzaun steht, muss natürlich anders kalkulieren.

Entgegen aller Empfehlungen: Ich halte einen bis anderthalb Liter für einen erwachsenen und gesunden Menschen für ausreichend, um im Notfall lange Zeit ohne große körperliche Belastung schadlos zu überstehen. Wasser ist Trinkwasser. Zur Nahrungszubereitung werden etwa 100 ml benötigt, der Rest ist zum direkten Trinken gedacht.

Wer meint, sich mit Trinkwasser im Notfall waschen zu müssen hat den Wert und vor allem die Problematik des Wassers schlicht nicht begriffen: Wasser ist „groß und schwer“. Wer für einen Monat je Tag 8 bis 15 Liter Wasser (so tatsächlich die Empfehlung in einigen Prepperbüchern) vorhält, bekommt bei rund 250 bzw. 450 Litern, also Kilogramm und Kubikdezimetern nicht nur Platzprobleme, sondern auch Stress mit dem zuständigen Baustatiker. Hier ist die Empfehlung von rund 2 Litern des Bundesamtes meines Erachtens realistisch.

Gewaschen wird gefälligst nach dem Weltuntergang.

Gesamtmenge: ca. 28 Flaschen á 1,5 Liter

Gesamtkosten: ca. 5 €

Lagerbarkeit: Originalverschlossene PET-Flaschen sind unbegrenzt haltbar. Sofern die Flaschen nicht in der Sonne stehen und spröde werden, sind 10 Jahre realistisch.

Ist das alles?

Diese Liste ist die Minimal- bzw. Hinreichendlösung. Der Nahrungsbedarf wird vollständig abgedeckt, ohne zu verhungern oder starke Leistungseinbußen zu haben. Natürlich entspricht das nicht der Energiemenge, die errechnet werden kann.

Wie komme ich auf diese Empfehlung?

Bei praktisch allen Wüstenexpeditionen zu Fuß ist in etwa diese Menge der tägliche Proviant, der auch auf Touren bis zu einem Monat ohne Schwierigkeiten ausreicht. Mit dieser Menge kann man durchaus voll leistungsfähig sein – bei Tagesstrecken von manchmal 60 Kilometern.

Um die "Apokalypse" auszusitzen, benötigt man keine teuren Fresspakete aus dem Endzeithandel, die kaum sinnvoll einzulagern sind.

Normale Lebensmittel für Centbeträge reichen völlig aus, um die zu erwartende Zeit zu überdauern.

Die oben beschriebenen Mengen kann jeder lagern und sich auch leisten. Mehr ist in aller Regel nicht notwendig.

Die maximale Überlebensdauer ist ohnehin nicht von der Nahrung sondern vom Wasser abhängig. Wer also länger als einen Monat ausharren muss (rationiert reicht die Nahrung bei „Ruheleistung“ gut 3 Monate und mehr, um vor dem Verhungern zu schützen), sollte sich Gedanken darüber machen, ein anderes Land oder einen andern Kontinent zu erreichen, wenn die Katastrophe so groß sein sollte, dass keine andere Hilfe zu erwarten ist.

Bei mir wäre die Grenze etwa nach 2 Wochen erreicht: da wird mein Vorrat an Kaffee knapp.