Guksi, Kuksa bzw. Kåsa sind die traditionellen Trinkgefäße der Skandinavischen Kulturen. Auf den ersten Blick erscheinen die hübschen Tassen bzw. Schalen wie ein Anachronismus. Sind sie nicht schon längst von Kunststoff-Berghaferln und Doppelwand-Stahltassen abgelöst worden? Doch tatsächlich hat dieses traditionsreiche Gefäß einige unschlagbare Vorteile.

Neben dem warmen Gefühl, den dieses kleine Kunstwerk in der Hand gibt, ist Holz ein natürlicher Isolator – das Getränk, ob Tee oder Kaffee hält lange warm, ohne dass man sich die Finger verbrennt.

 


Auch das Reinigen von Holzbechern ist verblüffend einfach, wobei das Holz mit der Zeit ein wenig den Geschmack der darin gereichten Getränke und Speisen annimmt. Allerdings macht dieser besondere Geschmack auch etwas heimeliges – Überdauern gut gebaute Kuksa viele Jahrzehnte und begleiten den Besitzer über lange Zeit auf seinen Touren.
Dies ist auch eines der größten Vorteile. Der natürliche und nachwachsende Rohstoff hält ein wenig gepflegt Jahrhundere – eine Zeitspanne, in der jeder Plastikbecher schon lange zu Staub zerfallen ist.
Für diese „Erbstücke“ werden allerdings spezielle Faserknollen benötigt, traditionell aus Birkenholz. Da diese deutschlandweit rar sind, beschreiben wir den Bau einer Birkenholzkuska aus einem einfachen knotig verdicktem Stamm, die vielleicht nicht Jahrhunderte, aber bestimmt einige Jahrzehnte guten Dienst erweisen wird.

 

 

 

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Aus möglichst schon abgelagertem Birkenholz wird ein knotig verdickter Bereich gesucht. Ideal ist ein Stück der robusten skandinavischen Birke. Allerdings lässt sich in Ermangelung dieser auch normale Hängebirke verwenden oder vergleichbares Holz. Für das erste Testwerkstück eignet sich auch weiches Lindenholz.

2

Mit einem kleinen Beil wird die Knolle in zuerst großzügig in Form gebracht und oben und unten abgeflacht: Hier gilt wie auch später: Lieber erstmal etwas mehr stehen lassen, als später zu wenig Holz zu haben. Deshalb sollte auch gleich genügend Holz für den Griff eingeplant werden.

3

In den abgeflachten und verdickten Bereich wird ein Kreis angezeichnet. Mit einem Mora Schälmesser Nr 162 und/oder Nr 163 bzw. vergleichbaren Werkzeugen wird eine Vertiefung ausgehöhlt. Mit Glut sollte man hier nicht arbeiten, da das zu Verspannungen und späteren Brüchen der Maserung führen kann.

4

Ist die Vertiefung ausmodeliert, geht es um die Außenform. Am schnellsten geht das beim Griff mit einer kleinen Säge, mit der vertikal zum späteren Werkstück freigeschnitten wird. Die quer zur Faser stehenden Blöcke lassen sich dann vorsichtig heraus hebeln. Ist die Grobe Außenform fertig, wird mit Schnitzmessern die äußere Form des Gefäßes ausgearbeitet.

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In das Griffende wird ein Loch für einen Lederbändel gebohrt. Typische Durchmesser sind für einen einfachen Lederriemen  6 Millimeter. Das Loch kann noch mit einem 8mm Bohrer oder einem Senker entgratet werden.

6

Während auf dem Herd Wasser mit einer ordentlichen Menge Kochsalz erhitzt wird, können die Schnittstellen  zuerst mit grobem, dann mit immer feinerem Sandpapier geglättet werden. Dabei sollte man vor allem nicht die innere Höhlung vergessen, da sich offene Fasern später mit Flüssigkeit tränken können, quellen und sich dann aus dem Verbund lösen.

7

Ist die Form fertig und glatt, wird die Kuksa zur Konservierung etwa 40 Minuten in Salzwasser gekocht. Dabei werden nicht nur Pilze, Fäulnisbakterien und Insektenlarven abgetötet, sondern das Salz füllt die Zellwände und konserviert sie so von innen. Durch das Kochen lösen sich außerdem Spannungen im Holz. Zusammen mit dem Eingelagerten Salz ist die Kuksa effektiv vorm „springen“ und reißen der Fasern geschützt.

8

Nach dem Trocknen wird der Becher einige Stunden in Rapsöl getaucht. Das überschüssige Öl wird am Fangriemen hängend abtropfen gelassen und später ein wenig poliert.
Die eigene Kuksa ist nicht nur ein Unikat und spannendes Werkstück, an dem man lange Freude haben wird, sie verhindert auch, dass man sich mal wieder die Lippen am heißen Becher verbrennt.

Maße im Beispiel:
Höhe 6 cm
Länge 14 cm
Durchmesser der Öffnung 7 cm
 Fassungsvermögen ca. 16o ml.
Benötigtes Werkzeug: Säge, kleines Beil, Bushcraft Messer, Löffelschnitzeisen.

Viel Spaß beim Waldhandwerken!

Über den Autor: Sepp Fischer alias Waldhandwerk ist unser Bushcraftspezialist am Standort BadTölz.

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