Häufig benötigt man draußen eine stabile Schnur. Zugegebenermaßen wird es einige Zeit dauern, bis man sich aus Brennnesselwolle einen Pullover stricken kann (Brennesselkordeln sind weit schneller gedreht). Solche Wolle wurde früher dennoch zum Weben von Kleidern verwendet.

Für rund 50 Gramm Wolle braucht man 2 kg Stängel.
Das Abziehen der Fasern ist nicht einfach.
Die ungereinigten Fasern.
Die zum Spinnen vorbereitete Rohwolle.
Auf der Spindel zu einer derben Schnur versponnen.
Die fertige Schnur kann vielfältig verwendet werden.

Für eine Vielzahl von Reparatur- und Herstellungsmethoden von Waffen, Werkzeug, Fallen und Kleidung ist eine haltbare Schnur notwendig. Die hier beschriebene Wolle ist so eine nicht, aber schön weich und ideal um innerhalb von wenigen Monaten Worbereitungszeit sich einen Socken zu stricken. Also: Ideal für verregnete Herbstabende.

Zur Stabilisierung langer Halme entstehen während dem Wachstum vieler Pflanzen axiale Fasern. Teilweise findet man sie im Inneren der Pflanze, etwa bei bei Flachs, manchmal sind sie auch im Rindenbereich. Ich habe für die Herstellung der Schnur etwa 50 vertrocknete Brennnesselstiele gesammelt. Brennnesseln eignen sich besonders gut, da sie nahezu überall gesammelt werden können. Sie können aus frischen Brennesseln außerdem eine sehr haltbare Kordel herstellen.

Abgestorbene Halme sind dazu nicht mehr geeignet, können aber noch für Wolle verwendet werden.

Man kannt testen, ob sie noch verwendet werden können, indem der Stängel einmal in der Mitte durchgebrochen wird. Bleiben beide Teile zusammen und ziehen Fasern, so ist das Materieal geeignet. Die gesammelten Brennnesselhalme werden zuerst abgezogen. Die Fasern, die wir erreichen wollen, liegen in der äußeren Schicht. Zum Abziehen bricht man also immer wieder kleine Stückchen vom Halm ab und zieht vorsichtig die so frei liegenden Bändchen in die lange Richtung ab. Nicht jeder Halm eignet sich dazu gleich gut. Wenn man Pech hat, ist die Zersetzung des Halmes durch Feuchtigkeit schon so weit vorangeschritten, dass die Fasern kaum belastet werden können.

Wenn eine größere Menge der Bändchen abgezogen worden sind, erinnern sie eher an Sägespäne als an Wolle. Die Fasern werden also erstmal grob durch die Finger gezogen und leicht zwischen den Handflächen gemahlen. Dadurch werden restliche Holzstückchen und Zwischengewebe grob entfernt. Nach diesem Arbeitsgang wird alles gewaschen und getrocknet. Nun beginnt ein zeitaufwändiger Arbeitsschritt. Die Bändchen werden zwischen den Händen zu kleinen Bällchen zusammen gerollt und auseinander gezupft. Wieder und wieder wird der gesamte Faserballen in kleine Fäden auseinander gezupft und wieder zusammen gefügt. Man achtet darauf, die einzelnen Fasern nicht zu zerreißen. Es braucht ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung um die Arbeit erfolgreich werden zu lassen. Technischer wird Wolle mit Bürsten (etwa mit abgestorbene Karden) gereinigt. Da wir in einer Survivalsituation eine solche wohl nicht besitzen dauert das Zupfen und Reinigen etwa 4 bis 5 Stunden für rund 50 Gramm Wolle.

Nach nochmaligem Waschen, trocknen und auseinanderzupfen sollte nun relativ feine Wolle vor liegen. Nun beginnt man die Wolle zu verspinnen. Wenn man sich eine Spindel hergestellt hat funktioniert dies etwas schneller und präziser als das Drehen von Hand. Zuerst werden aus dem Wollballen vorsichtig eine gleichmäßige Linie gezupft und eng verdreht. Die Stabilität der entstandenen Leine ist davon abhängig wie lang die einzelnen Fasern durchschnittlich sind und welche Güte sie haben. Lange Fasern unverfaulter Stängel ergeben die gleichmäßigste und stabilste Leine.

Nach Fertigstellung sollte die Schnur am besten noch verflochten werden oder zumindest zu einer Kordel aufgerollt, um die Stabilitätsverluste durch Spinnfehler auszugleichen. Die Schnur ist am stabilsten, wenn sie vor dem verarbeiten noch etwas angefeuchtet wird.