Für rund 50 Gramm Wolle braucht man 2 kg Stängel.
Das Abziehen der Fasern ist nicht einfach.
Die ungereinigten Fasern.
Die zum Spinnen vorbereitete Rohwolle.
Auf der Spindel zu einer derben Schnur versponnen.
Die fertige Schnur kann vielfältig verwendet werden.

Wenn eine größere Menge der Bändchen abgezogen worden sind, erinnern sie eher an Sägespäne als an Wolle. Die Fasern werden also erstmal grob durch die Finger gezogen und leicht zwischen den Handflächen gemahlen. Dadurch werden restliche Holzstückchen und Zwischengewebe grob entfernt. Nach diesem Arbeitsgang wird alles gewaschen und getrocknet. Nun beginnt ein zeitaufwändiger Arbeitsschritt. Die Bändchen werden zwischen den Händen zu kleinen Bällchen zusammen gerollt und auseinander gezupft. Wieder und wieder wird der gesamte Faserballen in kleine Fäden auseinander gezupft und wieder zusammen gefügt. Man achtet darauf, die einzelnen Fasern nicht zu zerreißen. Es braucht ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung um die Arbeit erfolgreich werden zu lassen. Technischer wird Wolle mit Bürsten (etwa mit abgestorbene Karden) gereinigt. Da wir in einer Survivalsituation eine solche wohl nicht besitzen dauert das Zupfen und Reinigen etwa 4 bis 5 Stunden für rund 50 Gramm Wolle.

Nach nochmaligem Waschen, trocknen und auseinanderzupfen sollte nun relativ feine Wolle vor liegen. Nun beginnt man die Wolle zu verspinnen. Wenn man sich eine Spindel hergestellt hat funktioniert dies etwas schneller und präziser als das Drehen von Hand. Zuerst werden aus dem Wollballen vorsichtig eine gleichmäßige Linie gezupft und eng verdreht. Die Stabilität der entstandenen Leine ist davon abhängig wie lang die einzelnen Fasern durchschnittlich sind und welche Güte sie haben. Lange Fasern unverfaulter Stängel ergeben die gleichmäßigste und stabilste Leine.

Nach Fertigstellung sollte die Schnur am besten noch verflochten werden oder zumindest zu einer Kordel aufgerollt, um die Stabilitätsverluste durch Spinnfehler auszugleichen. Die Schnur ist am stabilsten, wenn sie vor dem verarbeiten noch etwas angefeuchtet wird.