Hier eine kleine Anleitung, wie ein Wurfholz mit einfachen Werkzeugen hergestellt und geworfen wird. Im Notfall kann das Wurfholz eine effektive Jagdwaffe auf kleine Tiere darstellen. Die Anwendung bedarf jedoch einiger Übung. 

Sicherlich sind wenige alte Jagdwerkzeuge so bekannt wie der Bumerang und doch weiß nicht jeder, was der Bumerang eigentlich wirklich  war.


Was er mit Sicherheit nicht ist: eine "Sperrholzbanane", die als Sportgerät über den Fußballplatz geschleudert wird.
Heute wird zwischen dem Bumerang und dem Kylie unterschieden. Doch sind sie in der aboriginal Kultur ähnlichen Ursprunges und sahen sogar fast gleich aus.

Ein wenig einfacher lässt sich der Bumerang als "Wurfholz" bezeichnen. Wir wollen unterscheiden, dass es Wurfhölzer gibt, die zum Werfer zurückkommen sollen (Bumerang) , und solche, die eine gerade Flugbahn aufweisen sollen (Kylie/Jagdbumerang). Um uns in einer Survivalsituation zu erkennen, wann wir einen Bumerang benötigen und wann einen Jagdbumerang, betrachten wir die Verwendungswese der Werkzeuge.

Der Bumerang - der übrigens nicht alleine in Australien verwendung fand, sondern auch als steinzeitliches Werkzeug in Europa erschien - ist eines dieser absolut spezialisierten und trotzdem universell einsetzbaren Alleskönner. Der australische Ureinwohner führt(e) einen guten Bumerang nicht alleine zur Jagd mit sich, sondern auch als Statussymbol. Die große geschwungene, nicht selten phallische Form spielte in Kultur und Zeremonie eine große Rolle. Außerdem wurden seine harten Kanten als Feuersäge verwendet, als Jagdkeule zum Erschlagen von Waranen und Beuteltieren. Mit einem eingesetzten Spieß an einem Ende konnte er als Woomera (Speerschleuder) dienen bzw. Woomeras waren in Form der eines Kylies so ähnlich, dass sie selbst präzise geschleudert werden konnten. Man konnte mit einem Bumerang - ähnlich einer Sichel - Spinifaxgras abtrennen.

Zudem diente der Bumerang - und das ist die meist bekannte Funktionen - als Wurfwerkzeug zur Jagd.

Wer sich heute in Australien bemühen will einen echten Bumerang zu finden, findet meist nur die in Taiwan gefertigten, die Aboriginal Kultur verballhornend obskur bemalten Mitbringsel für $ 5, die mit einem Bumerang etwa so viel zu tun hat wie ein Plastikmesser mit einer Katanaklinge: ähnliche Form, und doch grundverschieden.
Wenn man sich wirklich für den Bau interessiert muss man sich den touristischen Gegenden abwenden und in ursprünglicher lebenden Stämmen einen Lehrer suchen, der einem zeigt, wie ein Bumerang gebaut und verwendet wird. Verkaufen wird kein "echter" Aboriginee seinen Bumerang - stellt er doch einen großen Wert für ihn dar. Währen Bumerangs, die zum Werfer zurrückkehren nur zur Jagd von Vögeln verwendet wurde, wird mit dem Kylie größeres Wild bejagt.

Der kreisförmig fliegende Bumerang macht nur Sinn, wenn er in einen Vogelschwarm geschleudert wird, oder über Wasservögel. Jene erkennen ihn fälschlich als Greifvogel und ducken sich auf die Wasserobefläche wo sie einfach aufgegriffen werden können.

Um einen Bumerang zu bauen verwendet man ein hartes Holz. Auffgrund von Ermangelung von Eisenholz in Mitteleuropa nehmen wir hier zum Beispiel die stark verbogen gewachsene Hainbuche oder Stammstücke von Hasel oder besser noch einer Eibe.

Die Form eines Bumeranges hat einen bestimmten Grund. Wäre der Bumerang ein Rundholz, würde der Luftwiderstand die Geschwindigkeit zu stark bremsen; der Impuls würde verloren gehen. Also wird das Holz abgeflacht, um geringeren Luftreibung zu geben. Das Ploblem eines flachen Stabes ist jedoch, dass er im Flug querkippt und die große Fläche dem Wind entgegenstellt, zu trudeln beginnt und innerhalb weniger Meter zu Boden geht. Plakativ kann das am Wurf einer Spielkarte nachvollzogen werden. Damit die dünne Kante also in Wurfrichtung zeigt, muss das Wurfholz rotieren und dabei einen leichten Bogen aufweisen, dessen Radialbewegung verhindert, dass er querschlägt.
Was sich in Therorie recht einfach anhört, ist in der Praxis aufwendig. Die Jagdbumerangs sind mehr als einen Meter lang und mehrere Kilogramm schwer.
Im Versuch sollten wir uns deshalb auf eine Größe von etwa einem halben Meter beschränken. Zuerst benötigen wir einen krumm gewachsenen Stamm. Die Biegung sollte einigermaßen der eines symetrisch gebogenen Halbmondes entsprechen. Mit einer Axt oder Machete wird das Holzstück größzügig abgetrennt. Der folgende Arbeitsschritt ist sehr zeitaufwändig und anstrengend und kann länger als zwei Tage in Anspruch nehmen. Dem Faserverlauf des Holzes folgend wird das Holzstück Schicht um Schicht dünner geschabt und beidseitig bis auf einen halben Zentimeter zum Kernholz verdünnt. Es ist große Sorgfalt nötig, um die Winkel der beiden Seiten identisch zu halten.
Nun wird auf dem so erhaltenen Holzbrett die Form des Bumeranges aufgeritzt. Er kann zwei gleichlange oder unterschiedlich lange Seiten haben. Die Enden werden zuerst entsprechend der Markierung verkürzt und zur Mitte hin abgerundet. Die Form sollte nun einem "normalem" Bumerang einigermaßen entsprechen. Es ist übrigens kein Fehler, wenn der nun vor uns liegende Rohling eine leichte Windung hat. Diese stört beim Wurf später kaum.
Nun entscheidet man sich, ob der Bumerang zurück kommen, oder geradeaus fliegen soll. In einer Survivalsituation würde ich den gerade Fliegenden bevorzugen. Für den Geradefliegenden wird die Kante des Bumerangrohlinges beidseitig angeflacht, so dass ein zentraler Grad entsteht. Der so gefertigte Bumerang hat eine große Wucht und fliegt auch von einem Laien geworfen fünzig bis hundert Meter.

Soll der Bumerang zurückfliegen, wird dessen Kante beidseitig nach unten hin abgeflacht. So entsteht eine Form, die dem Querschnitt eines Flugzeugflügels ähnelt. Die Kante muss rings um den Bumerang einigermaßen gleichgeformt werden.

Um den Kylie bzw. Bumerang zu werfen muss man ein wenig vorsichtig sein. Das Gewicht kann dem untrainierten schnell die Schulter auskugeln. Der Bumerang wird an einem Ende gehalten und so geschleudert, dass er schnell rotiert. Durch dieses Rotieren wird die Flugbahn konstant gehalten und ein hoher Aufschlagimpuls erzeugt.

Ein Bumerang, der zurrückkehrt wird beim Wurf mit jener Kante, in deren Richtung er wendet, leicht schräg nach oben gehalten. Es ist einige Übung nötig, um den Wurf präzise auszuführen.

Nach einigen Tagen der Übung sollte es gelingen mit einem Kylie so präzise und stark zu werfen, um zum Beispiel ein Kaninchen oder eine Ente in etwa 20 Metern Entfernung zu erlegen.

 

Viel Spaß beim Nachbau und Üben wünscht Ihnen Joe Vogel!