Urlaubszeit und Großprojekte

Liebe Leser und Kunden .
Aufgrund einiger unerwarteter Großprojekte Großprojekte müssen wir einige Änderungen in unserem Ausbildungsprofil vornehmen.
Zudem ist das Büro vom 6. bis zum 10. August sowie vom 20. bis zum 31. August nicht dauerhaft besetzt.
Wir bitten das bei Bestellungen und Rückfragen zu beachten.

Über das Prepping, INCHING und Endzeit-Vorbereitungen habe ich mich schon ziemlich häufig folgendermaßen geäußert: „Dazu äußere ich mich nicht.“ Für Reisen in abgelegene und riskante Regionen der Erde habe ich natürlich entsprechende Strategien und ich habe auch Situationen erlebt, die eine Evakuierung notwendig gemacht haben.

Die Realität ist aber wie so oft eine völlig andere, als in Filmen und Endzeitbüchern vermittelt wird. Aus diesem Grund ist das (mit Ausnahme zur Expeditionsvorbereitung) auch kein Thema für mich.

Allerdings laufen im Zusammenhang zu meinen Büchern immer ein paar Rückfragen auf, die ich gerne hier einmal gesammelt beantworten möchte.

Insbesondere auf die benötigte Ausrüstung und Nahrung werde ich häufig angesprochen.

Nun ja... 

Ich lebe einen guten Teil des Jahres in einer von Krisen gebeutelten Region, die neben einem finanziellen Totalausfall auch oft mit Hochwasser und starken Beben zu kämpfen hat. Statt sich mit eingeschweißten Spaghetti im Keller zu verstecken machen die Bewohner etwas anderes: Sie helfen sich gegenseitig, lernen mit der neuen (und dauerhaften) Situation umzugehen und versuchen diese gemeinsam durchzustehen. Es werden Wildpflanzen gesammelt, Gemüse angebaut und der Lebensstandard auf das "maximal Erträgliche" und darüber hinaus zurück gefahren.

Und genau auf diese Erfahrungen bezieht sich meine Beschreibung einer Empfehlung für den Notfall.

Die Zusammenarbeit und gemeinsame Bearbeitung einer Krise wird in Deutschland nicht anders vorbereitet: gemeinschaftlich. THW, Feuerwehr und Armee bereiten sich stellvertretend für den Bürger mit hohem finanziellem und technischem Aufwand  vor und lagern Nahrung ein, sind ausgebildete Fachkräfte für Wasserversorgung oder Evakuierung. Wir bezahlen das auch von unseren Steuern, weshalb der organisierte staatliche Katastrophenschutz nicht "die" sind, sondern "wir alle".

Diese Gemeinschaft – das wird heute immer wieder vergessen – ist der in Deutschland und Mitteleuropa sehr gut funktionierende Staat. Keiner von uns hat einen Lastkran in der Garage oder eine Hydraulikschere unter dem Bett liegen – für Großsituationen wird ausgebildete, große Menge an Manpower benötigt – die gibt es und auf die können wir uns auch ziemlich gut verlassen.

INCH? Eher Zentimeter!

 

Was, aber wenn alles daneben geht? Atomkrieg, Überschwemmung, Kometeneinschlag? - When the Shit hits the fan.

Beliebt ist in der Vorbereitungsszene das „INCH“en (I (will) Never Come Home (again). Also das Vorbereiten auf den Fall nie mehr heim zu kehren – früher nannte man das Evakuierung oder Flucht (eine Situation in der sich viele Menschen weltweit befinden, mit denen sich sonderbarer Weise viele Prepper nicht identifizieren und sie auch nicht über Erfahrungen befragen).

Man kann hierfür unverschämt teuere Ausrüstungslisten und Gegenstände käuflich erwerben. (Mit der Argumentation, dass der Schreiber auch dafür Ausgaben hatte. Früher nannte man das eigenes Geschäftsrisiko... Und Anthrax-Nachweis-Lutschpastillen für 200 € das Stück und eine Geigerzähler-App mit verknüpftem Yambaa-Spar-Abo braucht auch jeder. Ja, mit der Angst lässt sich Geld machen...).

Es scheint, als ob in Deutschland eine Mischung aus Panik und Dystopie-Romantik Einzug gehalten hat.

Wer evakuiert werden muss, wird keinen 50 kg Rucksack mit Schrotsäge, Jodtabletten und Armbrust mitnehmen können. Auch keinen kleinen Zugwagen, um seine Barren "Hartgeld" zu transportieren. Wichtig sind warme Kleidung und zum Wiederaufbau der eigenen Existenz: Zeugnisse und Nachweise.

Flucht bzw. INCH ist kein Luxusurlaub, sondern Trennung von allem Materiellen.

Alles andere ist im Fall einer Evakuierung unnötiger Ballast, der sich negativ auf die Überlebensfähigkeit aller auswirkt.

Nehmen wir uns ein Beispiel an denjenigen, die erst kürzlich zu einer Flucht gezwungen waren: Kommt es „hart auf hart“, müssen viele Kilometer zu Fuß bewältigt werden. Selbst mehrere tausend Kilometer werden verletzt und mit Kindern innerhalb mehrerer Monate gelaufen.


 

Kaum jemand, der sich nur mit Ausrüstung beschäftigt und ein INCH-Gepäck benötigt, wird sich im Wald in "Tageswanderentfernug" eine Laubhütte basteln können um dort zu überdauern. Innerhalb der ersten beiden Wochen werden die meisten wieder aus dem Gebüsch im Stadtwald kommen und sich bei der nächsten Essensausgabe Suppe reichen lassen oder um zu versuchen den letzten EVA-Bus zu bekommen.

Tarnanzug und Militärrucksack führen in Notsituationen außerdem eher zu lebensgefährlichen Missverständnissen. Deshalb sollte alles so zivil wie möglich sein - und vor allem in Gruppen stattfinden.

Dicke Rucksäcke behindern das Weiterkommen, werden geklaut oder geraubt und vergrößern deutlich den Bedarf an Wasser und Nahrung. Außerdem werden Fluchten nie alleine stattfinden. Die aus Endzeit-Filmen bekannten leeren Straßen mit Autowracks sind Fantasie. Überall werden Gruppen von Menschen gemeinsam unterwegs sein – im Falle von Städten würde ein solcher Exodus Wochen bis Monate dauern – und manche werden danach immer noch in der Stadt ausharren. Als "Einzelkämpfer mit schwerem Rucksack" wird man schnell "teilen" müssen.

Die aktuell Geflüchteten sind mit nichts unterwegs, als mit ihrem Leben - und einer Plastiktüte. Was könnte also in einem realistischen INCH-Gepäck (im Sinne einer dauerhaften Evakuierung) dabei sein, um die Situation zu verbessern?

Alles verpackt in einem unauffälligem, altem Rucksack – besser ist aber eine feste Einkaufstragetasche vom Discounter.

  • zwei Liter Trinkwasser und ein kleiner Wasserfilter

  • ein paar Müsliriegel

  • eine Rettungsdecke

  • Einfaches(!) Mobiltelefon mit Ladekabel und Netzteil

  • Alle Zeugnisse, Dokumente, Impfpass Führerscheine, Lizenzen und dergleichen als beglaubigte Kopie, nach Möglichkeit zusätzlich digital gespeichert

  • Wenn vorhanden alle immateriellen Leistungen und Güter auf einer kleinen Festplatte oder SD-Karte

  • Bargeld, Sparbuch

  • eine kleine Lampe

  • Etwas Verbandsmaterial

  • Handschuhe und Mundschutz

  • Warme Kleidung

 

Mit dieser Ausrüstung ist man viel besser ausgerüstet – weil beweglich – als die lustigen Einzelkämpfer, die mit ihrem großen Rucksack und einem Handwagen keuchend durch den Wald stapfen und glauben unerkannt und versteckt unterwegs zu sein, weil sie Flecktarn tragen...

Die Erfahrungen der letzten Jahre hat außerdem gezeigt, dass, wenn eine Flucht (also ein INCH-Fall) notwendig wird, die Geflohenen nicht willkommen sind.

Warum sollten zig Millionen Deutsche an der Russischen oder Tschechischen Grenze freundlicher aufgenommen werden, als aus Syrien Geflohene in Deutschland? Nur weil wir einen höheren Lebensstandard hatten, weil die deutsche Ingenieurskunst den sauberen Dieselmotoren erfunden hat, oder weil wir uns in den letzten 150 Jahren als besonders friedlich und gastfreundlich gezeigt haben?

Deshalb ist leichte Ausrüstung ein Muss, um dem Katz- und Maus-Spiel an der Grenze zu entkommen, sich vor besorgten Paramilitärs zu verstecken und sich ggf. als Blinder Passagier mit Fähre, LKW und Zug transportieren zu lassen (wer Geflohene an Grenzen bzw. in den Grenzregionen auf der Balkanroute beobachtet hat, stelle sich die Situation mit schwer bepackten INCHlern vor).

Beweglichkeit ist wichtig, um reißende Grenzflüsse zu überqueren, um durch Zäune zu schlüpfen und in verlassenen Häusern und Hütten unentdeckt zu nächtigen.

Und über die Grenze wird es bei einer großflächigen Evakuierung oder Flucht gehen: Oder glauben Sie wirklich, dass Sie sich mit 80 Millionen anderen INCHlern in Schwarzwald und Harz eine neue Arbrustjagd- und Blockhausexistenz aufbauen können?

Das ist eine romantisch-verklärte Idee. Wer flüchten muss, ist froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Wer glaubt, mit einem teuer zusammengestellten „INCH-Rucksack“ seinen Lebensstandard erhalten zu können, sollte sich ein Ticket nach Gaziantep kaufen und versuchen mit seinem schweren Fluchtgepäck wieder bis nach Deutschland zu kommen – zumindest die Grenzen und besorgte Mitteleuropäer werden für Sie als Deutscher kein Problem sein. Für die Überfahrt nach Lesbos muss allerdings ein zusätzlicher Platz auf dem winzigen Schlauchboot gebucht werden – für den Rucksack.

Sparen Sie sich das Geld für Inch-Ausrüstungslisten und kiloweise Gegenstände und die in der Flucht wertlosen Gegenstände und lernen Sie lieber, wie Sie mit wenig Ausrüstung eine Flucht überstehen, trinkbares Wasser sowie genießbare Pflanzen erkennen und frischen Sie ihren Erste Hilfe-Kurs auf.

Weiter geht’s mit dem 20€ Notfallvorrat für 4 Wochen...