Welches Leder verwende ich am besten?

Leder ist seit langer Zeit ein alltäglicher Begleiter und wird es trotz neuer Materialien auch bleiben. Seine spezifischen Eigenschaften machen Leder zur sprichwörtlichen zweiten Haut:Schuhe und Stiefel, Hosen und Jacken, aber auch Messerscheiden, Taschen – bis hin zum modernen Fahrzeugsitz werden aus Leder hergestellt.

Aber ist Leder denn immer gleich Leder?

Leder kann aus fast jeder Tierhaut hergestellt werden – es gibt sogar Fischleder.

86% des Leders das heutzutage eingesetzt wird stammen von Rind und Kalb, 5% vom Schwein, jeweils 4% Ziege und Schaf bzw. Lamm und 1% wird aus Häuten anderer Tiere hergestellt.

 

Die Entdeckung der Herstellung von Leder war ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der Menschheit. Felle und Leder boten schon in der Steinzeit dem Menschen die Möglichkeit sich vor Witterung zu schützen und Gebrauchsgegenstände herzustellen.

Vor ca. 800.000 Jahren begannen Menschen vermutlich aus purem Zufall damit, Tierhäute mit tierischen Fetten zu behandeln und so haltbarer und geschmeidig zu machen.

Ötzi überquerte vor 5.300 Jahren die Alpen mit Kleidung und Ausrüstung, aus mit Tierhirn gegerbten Fellen und Leder. Etwa zur gleichen Zeit wurde in Ägypten schon pflanzlich mit Akazienschoten und mineralisch mit Alaun gegerbt.

In Europa etablierte und verbreitete sich die Alauen- und pflanzliche Gerbung erst ca. 300 n. Chr.

768 n. Chr. erhob Karl der Große sogar eine Steuer auf Leder. Im 13 Jahrhundert berichtete Kaufmann Marco Polo, das ein Enkel von Dschingis Khan in einem mit Hermelinfellen bezogenem Lederzelt wohnte und vergoldete Lederkleidung trug. Erst um 1750 entstanden in Europa die ersten Gerbergroßbetriebe und Ledermanufakturen. 1858 erfand Prof. Friedrich Knapp aus Leipzig letztendlich die „moderne Gerbung“ mit Chromsalzen.

Lederarten und ihr Einsatz

Es werden zwei Übergruppen unterschieden: Sogenanntes Oberleder sowie das Bodenleder.

Das Bodenleder ist meist pflanzlich (oder auch vegetabil) gegerbt und wird z. B. für Laufsohlen bei Schuhen und Stiefeln, hochwertige Vollledergürtel oder auch für Messerscheiden verwendet.

Oberleder sind heute zumeist Chromgegerbt. Oberleder finden Einsatz in quasi allen anderen Anwendungsbereichen z. B.zur Herstellung von Taschen, Möbel, Kleidung.

Hochwertige Lederarten

Das dabei meist verwendete Oberleder ist das sogenannte Narben- oder Glattleder das an der glatten Oberfläche zu erkennen ist und in der Regel eine sehr gute Qualität aufweist da der sogenannte Narben die ganzen Hautfasern aus Kollagen zusammen hält. Hochwertig ist ebenso das Nubukleder bei dem der faserreiche Narben erhalten, aber samtig weich aufgeraut ist.

Leder mittlerer Qualität

In Velourleder ist allerdings dieses Netzwerk der Narbenschicht nicht mehr enthalten. Es reißt deshalb leichter und hat nur eine gute bis schlechte Qualität, davon abhängig, aus welcher Hautschicht es hergestellt wurde.

Velourleder wird als günstige Alternative zu Nubuk verwendet, entweder fein geschliffen oder aufgeraut, damit es eine "Wildlederoptik" bekommt.

Wildes

Wildleder allerdings ist, wie der Name schon sagt, aus Häuten von Wildtieren wie z.B. Hirsch oder Elch hergestellt. Es hat trotz der rauen Oberfläche eine in der Regel sehr gute Qualität, da die Wildtierhäute insgesamt deutlich strapazierfähiger sind als diejenigen unserer Nutztiere.

Ist Leder gleich Leder? - Nein. Wie die geschichtliche Entwicklung des Leders zeigt, handelt es sich um ein Naturprodukt, das die Menschen schon seit Jahrtausenden für sich nutzen und heute in sehr unterschiedlichen Qualitäten und Arten angeboten wird.
Durch seine vielfaltigen Verwendungsmöglichkeiten begleitet es uns noch heute in unserem Alltag womit es neben Holz und Stein eines der heute oft eingesetzten, ältesten Werkstoffe der Menscheit ist.

Über den Autor: Markus Graßmann ist unser Lederverarbeitungs- und Gerbspezialist in der Bushcraftwerkstatt am Standort Unterfranken.

Zu unserem Angebot in Unterfranken.