Wer sich zu Fuß in abgelegene Regionen der Welt traut, wählt nicht selten Wüsten- und Steppengebiete als Reiseziel aus. Hier besteht ein erhöhtes Risiko auf eine Schlange oder ein ähnliches Tier zu treten und dann gebissen zu werden. Um dieses Risiko bei meinen Reisen zu minimieren habe ich mir leichte Gamaschen aus Gore Tex genäht und in die Beinlinge der Zip-Off-Hose eingesteppt.

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Wüsten und Steppen sind herrlich. Hier kann der Fernwanderer ohne Straßen und Wege seine frei Richtung einschlagen, ohne auf die "weltliche" Umgebung achten zu müssen. Diese Freiheit birgt selbstverständlich auch ihre Gefahren. Ohne direkte Möglichkeit ein Krankenhaus oder einen Arzt zu konsultieren muss jedes noch so geringes Risiko einer Verletzung ausgeschlossen werden.

Dazu gehören auch Infektionen am für Wanderer so wichtigen Gehapparat durch abgebrochene und in der Haut verbliebene und entzündete Dornen oder Pflanzeneile wie zum Beispiel die trockenen und brüchigen Dornbüsche.

Manchmal lauern jedoch noch weit größere Gefahren für den Fernreisenden als nur Infektionen. In manchen Ländern der Kontinente Amerika, Australien Asien und Afrika sind dort lebende Schlangen, Skorpione und Spinnen ein ernst zu nehmendes Risiko. So kann es sein, dass Sie ungewollt in Australien auf eine im Sand vergrabene Deathadder treten, die sich durch einen Biss nur zu verteidigen versucht, oder dass Sie beim Laufen durch das Unterholz eine giftige Spinne abstreifen, die in Ihren Schuh fällt. Manchmal sind es auch schlicht und einfach Zecken im heimischen Wald, die vom Körper abgehalten werden sollen.

Die Statistik zeigt, dass die zwei häufigsten Stellen, an denen Reisende von jedwelchen Tiern gebissen werden Hand und die Fußregion unterhalb des Knies, vor allem auf Höhe des Knöchels sind. Die Handbisse resultieren durch das unvorsichtige Greifen unter Gegenstände oder durch den Versuch eine Schlange zu fangen oder zu töten. Die Fußverletzungen jedoch zumeist durch das Treten auf ein Tier. Um dieses Risiko bei meiner Reise zu minimieren habe ich mir Gamaschen aus leichtem aber robusten einlagigem GoreTex genäht (alte Nässeschutzjacken der Bundeswehr etc).

Die Materialien habe ich aus verschiedenen Gründen so gewählt. Erstens sollten die Gamaschen in eine Hose eingenäht werden. Der Grund ist einfach. Wenn ich sie zusätzlich anziehen müsste, würde mir das irgendwann zu aufwändig oder unbequem werden und ich ließe sie ausgezogen. Eingenäht in meine Wüstenhose konnte ich sie zwar abzippen, sie waren jedoch gleichzeitig mit der Hose anzuziehen. Vergessen kann man das also nicht.

Warum nun Gore Tex, das ja bekanntermaßen nicht das günstigste Material ist? Nun, die Antwort ist einfach: der Tragekomfort. Das Gewebe, das ich verwendet hatte ist so fest, dass es ein darauf fallendes, spitzes Messer abbremst und so auch die Zähne einer Schlange oder Spinne. Vergleichbar stabiles Material wäre um ein Vielfaches schwerer und unangenehmer in der Hitze von Wüsten  zu tragen. Zu guter letzt verhindern die Gamaschen das Hineinfallen von Gestrüpp und Steinen oder Sand in den Stiefel oder Schuh.

Material
Die Herstellung stellte mich vor verschiedene Probleme. Zuerst war die Frage nachdem geeigneten Material und nach einer geeigneten Basishose, in die das Produkt eingenäht werden sollte. Als Hose entschied ich  mich für eine "Zip of"- Pant aus dünnem Polyamid. Ein größeres Problem stellte das Gore Tex Material dar. Nach längerer Suche und Herstelleranschreiben mit Antworten, die astronomische Preisforderungen enthielten, wurde ich von einem Freund darauf aufmerksam gemacht, dass die Nässeschutzhosen von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk aus genau dem von mir gesuchten Material, nämlich GoreTex auf einem starken Trägermaterial, bestehen. Es gibt diese Hosen diversen Ausführungen: in Flecktarn, Olivgrün, Signalorange und so weiter.

Ich entschied mich für die letzte. Der Großteil der Gamasche würde sowieso von dem Hosenbein verdeckt werden. Später entdeckte ich noch einen weiteren Vorteil dieser Farbe. Innerhalb von Städten im Straßenverkehr oder im Wald wo Jäger zu erwarten sind, ist die auffällige Farbe hilfreich um nicht Opfer eines PKW oder einer verirrten Ladung Schrot zu werden. Entsprechende Hosen sind im Armeehandel für etwa 20 bis 50 €. Ferner wird eine Nähmaschine benötigt, stabiles Nylongarn, sowie eventuell Nahtdichter
Außerdem zwei Gummizüge von etwa  je 50 cm Länge und 4 mm stärke ("Einzuggummi" aus dem Outdoorhandel), zwei Gummizugabschlüsse sowie zwei Tankaverschlüsse.

Herstellung
Zur Herstellung war zuerst einmal wichtig herauszufinden, auf welcher Höhe ich die Gamaschen in der Hose einnähen muss. Da die Gamaschen im Durchmesser an die Hose angepasst werden müssen, muss zuerst die Hose vorhanden sein, dann kann die Gamasche genäht werden.

Man wählt einen Abstand zum unteren Hosenbeinsaum von etwa 20 cm. Das ist hoch genug um die Stellen bis unter meinem Knie zu schützen und so tief, dass die Gamasche 10 cm übersteht, damit sie noch gut über den Schuh geklemmt werden kann.

An der Stelle an der man die Gamasche einzunähen gedenkt, nimmt man Maß. Der Umfang beträgt durchaus etwa 50 cm. Dementsprechend bemisst man den oberen Umfang der Gamasche wobei  2 cm für den Saum eingeplant werden sollten.

Nun wird die Regenhose oder -jacke so aufgetrennt, dass möglichst große freie Flächen des Stoffes erhalten bleiben. Aus zwei aufgetrennten Hosenbeinen des Regenhose schneidet man nun zwei gleich große Flächen von je ca 52 mal 35 cm.

Nun wird gemäß der unten abgebildeten Nahtvorlage der Rand so geschnitten, dass ein zusammenfassen des Stoffes als Röhre einen leicht konischen Zylinder entsteht. Die Schwierigkeit hierbei ist, sicher zu gehen, dass der Untere Rand und der obere zueinander Parallel sind. Da der Konus unsymmetrisch ist, muss ein Ausgleich geschaffen werden, indem am unteren Rand an den beiden Seiten um einen Zentimeter versetzt eingeschnitten wird. Wenn beide Stoffteile so geschnitten sind legt man eines davon so vor sich hin, dass die längere Kante nach oben und die Stoffaußenseite, also die orange, olive oder getarnte Seite zur Tischplatte zeigt. Nun wird am unteren Rand "c" der Stoff einmal um einen Zentimeter eingeschlagen und die Kante gebügelt und mit einem Stich von etwa 1 mm abgenäht. Der Saum wird ein weiteres mal eingeschlagen, diesmal um 3 Zentimeter, wie es die Detailskizze "c" zeigt. Der obere Rand wird vorerst nur mit einem mittelweiten Zickzackstich eingefasst.

Nun legt man gemäß der Detailskizze "a" die beiden Kanten "a" auf "a" und vernähet sie wie dort gezeigt. Beachten Sie dabei, dass beim zusammenlegen der Kanten "a" auf "a" der Stoff so gewendet ist, dass die meist blaue Innenseite des Textils von außen zu sehen ist. Sonst haben sie den unschönen Saum außen. Fast ist die Gamasche nun fertig.

Wenn sie wasserdicht sein soll, werden die Nähte mit einem transparenten und flexiblen Nahtdichter (z.B. SeamGrip) verschmiert. Natürlich nur an der Seite, die zur Haut hin zeigt und nicht zu sehen ist. Jetzt wird der Schlauch so gewendet, dass die Außenseite auch außen ist.

Mit einer Nähahle werden nun in den unteren Saum in der Nähe der Naht "a" zwei Löcher gemacht, indem das Gewebe gedehnt, jedoch nicht eingeschnitten wird. Durch diese wird der Gummizug geschoben, der dann an den Enden mit den Tankas und Gummiabschlüssen gesichtert wird. Nun müssen die Gamaschen nur noch in die Hose eingenäht werden.

Achten Sie dabei darauf, dass das die Gamasche am Ende auch gerade in der Hose sitzt. Die Gummizüge zeigen dabei nach außen, damit sie sich beim Laufen nicht gegenseitig verkannten.

Fertig ist nun die selbst gebaute Gore Tex Gamasche gegen Schlangen und was noch so Unangenehmes durch die Welt wuselt.