Meines Erachtens sind "Survivalschwerter" in ihrem Einsatz als Survivalmesser nicht unbedingt den kleinen Klingen überlegen. Das hat unterschiedliche Gründe. Zuallererst ist ein Survivalmesser nur dann von Nutzen, wenn es in einem postulierten Survivalnotfall auch dabei ist. Selbst wenn man nur auf einer Trekkingtour ist bedeutet es oft einen großen Vorteil, wenn man sein Messer dabei hat.

In diesem Fall sind Messer deutlich besser, wenn sie leicht sind und am Gürtel getragen werden können, ohne dass sie stören oder nerven.
Das ist bei großen Klingen leider nicht oft der Fall. Selbst wenn Sie mit riesigen Messern besser arbeiten können (Ich persönlich kenne keine besonderen Vorteile einer großen Klinge), ist das Messer oft zu groß, um es ständig zu tragen. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass die derzeitige gesetzliche Lage es nicht ohne weiteres erlaubt, Messer von einer Klingenlänge größer als 12 Zentimeter zu führen. Und ein Messer, mit dem wir nicht ständig in den Wald gehen, ist eine Klinge mit der wir wenig Übung haben und im Notfall eher Schwierigkeiten haben werden.

 

Der nächste Grund ist, dass ein Survivalmesser nicht unbedingt zum Hacken oder Spalten eingesetzt werden muss. Ich habe in meiner Zeit in der Natur noch nie ein Messer zum Spalten oder Baum fällen vermisst. Es gibt eine große Anzahl von Techniken, die den groben Einsatz von Klingen unnötig machen. An dieser Stelle werden wir einige dieser Techniken in den nächsten Wochen besprechen.

Nun hat mich Lukas R., ein Kursteilnehmer eines der letzten Kurse im Winter freundlicherweise einen Blick auf sein Messer werfen lassen. Es handelt sich um das Mora Clipper, einem hübschen, robusten Schwedenmesser mit fast den Eigenschaften, die ein gutes Messer für die Waldarbeit braucht.

Insbesondere gibt es einen großen Vorteil dieser Klinge: Das Messer kostet im Fachhandel zwischen 10 und 15 EUR. Ein Grund für mich hier das Mora Clipper als Survivalmesser zu pimpen und vorzustellen.

Für wen ist dieses Messer geeignet?

Aufgrund des geringen Preises ist das Messer besonders für Survival- und Bushcraftanfänger gedacht, die sich mit ein wenig Mühe ein gut geeignetes Messer für alle denkbaren Waldarbeiten (außer Eichen fällen) fertigen wollen.

Das Messer hat eine Kohlenstoffklinge mit Scandi-Schliff. Die Schneide ist um die 10 cm lang. Also kann es auch von Jugendlichen ohne weiteres jederzeit Outdoors geführt werden, zumal es mit knapp 130 Gramm sehr leicht ist.

Die Messerscheide ist aus stabilem Kundtstoff gefertigt. Der Griff ist gummiert, robust und seht rutschfest. Zwar wären Naturmaterialien hübscher, aber dafür, dass das Messer hauptsächlich aus Kunststoff und Gummi gefertigt ist, sieht es wirklich nicht schlecht aus.

Der Griff ist ideal für die Hand von Jugendlichen und Frauen geeignet. Ich kann mit meinen Pranken dennoch sehr gut damit umgehen.

 

Welche Voraussetzungen muss ein Gebrauchsmesser haben?

Natürlich ist die Frage, was ein Messer alles "können" muss nicht so ohne weiteres zu beantworten. Ich für meinen Teil habe durch die Kurse schon einige hundert unterschiedliche Messer in Gebrauch gesehen und einige Dutzend selbst eingesetzt, so dass ich meine eigenen Voraussetzungen habe, die aber natürlich nicht fest stehen. Jeder muss für sich einige Prioritäten setzen.

Natürlich sollte die Messerscheide das Messer sicher halten können. Der Griff sollte fest sein und nicht schnell zu Rutschen beginnen. Außerdem stören mich persönlich Ecken und Kanten am Griff beim langen Arbeiten. Desto weicher die Formen sind, desto ermüdungsfreier kann ich damit arbeiten.

Das Messer sollte außerdem scharf zu schleifen sein und einen einfachen Schliff haben (Ich selbst bevorzuge beim Arbeiten mit Holz den Scandi-Schliff bei weitem über alle anderen Schliffe). Zum ständigen Gebrauch gehört auch, dass das Messer oft geschliffen werden kann, ohne dass die Fehlschärfe zwischen Klinge und Griff immer größer wird. Also sollte "mein Messer" eine Schleifkerbe haben.
Da das Mora Clipper aus Kohlenstoffstahl gefertigt ist, kann es sogar zum Feuerschlagen mit Steinen verwendet werden. (Näheres hierzu im Buch ab Seite 108)

Weil ein starker Gebrauch in der Natur immer die Gefahr birgt, dass die Klinge stumpf wird, oder beschädigt wird, muss der spitzennahe Messerrücken an der Stelle, an der der Daumen nicht mehr aufliegt rechtwinklig angeschliffen sein. Mit dieser scharfen Kante, an der man sich jedoch nicht verletzen kann, werden Wurzeln von Erde und Rinde befreit, Holz als Anzündmaterial geschabt oder ein Feuerstahl angerieben. Außerdem kann von einem Magnesiumblock damit Späne abgerieben werden - was man mit der Klinge nie machen sollte.

Dadurch bleibt unterwegs die Klinge immer sauber und ohne Macken oder Kratzer.

Außerdem habe ich gerne an meinen Messern eine Öse für eine Fangschnur, die zum Beispiel beim Arbeiten über dem Wasser verhindert, dass die Klinge verloren geht.

Da zwar alle wichtigen Ressourcen zum Überleben mit dem richtigen Wissen aus der Natur gewonnen werden kann, Feuer jedoch eines der Faktoren sind, die zum Beispiel durch starke Feuchtigkeit oder sehr niedrige Temperaturen nicht immer erzeugt werden können, ist es außerdem von großem Vorteil, wenn das Messer auch einen Funken- oder Feuerstahl zum Beispiel an der Messerscheide hat.

Obwohl das Mora Clipper außer mit einer guten Klinge und Scheide mit keiner der von mir gerne eingesetzten Eigenschaften ausgerüstet ist, kann man das Messer in wenigen Schritten zu einem idealen und zuverlässigen Begleiter für viele Jahre machen.

Modifikationen

Schabekante

Um die Schabekante auf dem Messerrücken anzuschleifen, eignet sich am besten eine Werkzeugfeile, oder ein Schleifblock mit feinem Metallschleifpapier. Die Klinge wird in ein Stück Tuch gewickelt, um Schäden zu verhindern und in einen Schraubstock gespannt.

Vorsichtig wird genau im rechten Winkel eine Fläche von etwa 3-5 cm gefeilt.

 

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Schleifkerbe

Die Schleifkerbe wird genau zwischen der Klinge und dem Griff auf der Seite der Schneide eingeschliffen. Da wir jetzt auf der Schneide arbeiten, ist es unbedingt notwendig, sehr vorsichtig zu sein, damit Verletzungen vermieden werden.

Da die Klinge sehr empfindlich ist, wird der Bereich mit Klebeband abgeklebt, der nicht bearbeitet wird. So ist nicht sofort eine Macke im Grat, wenn man beim Schleifen abrutscht - und kein Schnitt in der Hand.

Gearbeitet wird entweder mit einer 3 mm Schlüsselfeile oder einem entsprechenden Einsatz für einen Dremel oder ein vergleichbares Werkzeug. Die Schleifkerbe wird etwa 2-3 mm tief.

Fangöse

Da das Mora Clipper mit einem relativ breiten Spitzerl im Griff gesichert ist, kann ohne Schwierigkeiten eine Öse für die Fangschnur gebohrt werden. Ich habe 5 mm Durchmesser gewählt, da ich eine spezielle Fangschnur verwende, auf die wir gleich nochmal zu sprechen kommen.

ACHTUNG! Das Messer  muss beim Bohren unbedingt absolut sicher in einem Schraubstock gesichert sein! Am Besten verwenden Sie eine Standbohrmaschine. Verklemmt der Bohrer, rotiert die Klinge mit hoher Geschwindigkeit und fügt dem Arbeitenden schwerste Schnittverletzungen zu!

Die Fangleine

Wie schon angedeutet verwende ich eine spezielle Fangleine, die außerdem ein kleines Survivalkit in sich selbst ist. Eingesetzt werden etwa 30 cm Paracord (500 lbs). Aus dieser Leine können 7 einzelne Fasern herausgetrennt werden, die wiederum aufgeteilt zu einer Angelleine verknüpft werden können.

Mit Hilfe eines 5mm Schrumpflaschluchs (1:3, Klebend) werden die Enden zusammen mit einem 3,5 mm Funkenstahl zu einer Schlaufe verbunden. Nun ist die Fangleine nicht nur zum Sichern des Messers dabei, sondern kann im Notfall auch zum Entzünden eines Feuers eingesetzt werden.

Hierzu lässt sich einfach die Schabekante am Messerrücken verwenden.

 

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Das fertige Messer:

Das Messer hat nun eine Schleifkerbe, eine Schabekante, Fangöse und Fangleine inclusive Funkenstahl.

Ein Survivalmesser für unter 15 Euro!

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