Immer wenn ich mit der Waffe im Wald bin, habe ich mein medizinisches „Körper-Kit“ dabei (siehe auch Outdoor- und Survivalmedizin S. 18 ff.), also ein Verbandspäckchen, ein Tourniquet und eine Rettungsdecke.

In abgelegenen Revieren und Waldgebieten gibt es viele Funklöcher und die Anfahrt für den Rettungsdienst ist nicht einfach. Deshalb ist rechtzeitige Hilfe bei Verletzungen nicht immer garantiert. Dabei ist die Gefahr von Verletzungen sehr hoch. Ob ein Metall- oder Steinsplitter durch einen Abpraller beim Fangschuss auf ein angefahrendes Reh am Straßenrand, Verletzungen durch wehrhaftes Wild bei der Nachsuche oder tiefe Schnitte durch herumliegendes Glas.

 

 

Herausstehende Nägel oder durch das Abrutschen mit dem Waidmesser beim Aufbrechen – solche Unfälle sind häufig.Auch die ständige Arbeit im Revier mit Motorsäge, Freischneider und Fräßen sind trotz aller Arbeitsschutzmaßnahmen immer riskant.Nicht zuletzt ein Abstürzen vom Ansitz durch morsches Holz, feuchte Sprossen oder (heute leider immer häufiger) angesägte Leitern kann zur Unfähigkeit führen, aus eigener Kraft aus dem Wald zu gelangen.

Für Schnitte reicht meistens ein mitgeführtes Pflaster aus der Jadscheinmappe, stark blutenden Verletzungen und dergleichen benötigen jedoch zumindest ein Verbandspäckchen für einen Druckverband. In besonders schweren Fällen (Schussverletzungen, tiefe Schnitte im Oberschenkel nach einem Angriff durch Schwarzwild) sollte ein einfaches Tourniquet dabei sein.

Spätestens, wenn der Hund von einem Schwein geschlagen worden ist, ist ein Mindestmaß an sofort verfügbarem Verbandsmaterial wichtig.

Bei Verletzungen, die dazu führen, dass die Nacht über im frostigen Wald oder im Regen verbracht werden muss, wirkt eine Rettungsdecke Wunder gegen die drohende Unterkühlung und Nässe durch Regen.

Das große Manko der medizinischen Ausrüstung ist, dass raschelnde Rettungsdecken, knisternde Umverpackung von Verbänden oder klappernde Tourniquetschnallen während dem Ansitz, auf der Pirsch oder auch einfach nur bei Wildbeobachtung nichts verloren haben. Jedes Geräusch wird von Wildtieren vielfach stärker wahrgenommen, als vom Menschen.

Um dennoch das Mindestmaß an medizinischer Ausrüstung für schwere Verletzungen dabei zu haben, ohne dass irgend ein Geräusch davon ausgeht, ist dabei relativ einfach.

Hierzu wird auf die Vakuumpackungen und professionellen Vakuumiergeräte zurückgegriffen, die in jeder Wildkammer stehen oder von gut ausgerüsteten Jägern oder Hausfrauen auch zu Hause verwendet werden. Eine der dickwandigen Folien bzw. Tüten wird so zugeschnitten, dass Rettungsdecke und Verbandspäckchen gerade noch hinein passen.

Ein einfaches Tourniquet wird aus einer stabilen Schnur (beispielsweise Reepschnur oder Paracord) hergestellt, indem etwa ein halber Meter abgeschnitten und mit einer Schlaufe und einem nur einfach geschlagenen Prusik in sich selbst gewunden wird. Zieht man am freien Ende, nachdem die Leine um das verletzte Körperteil gelegt wurde, fest an, zieht sich die Schlaufe zusammen und löst sich nicht mehr von alleine. Zusätzlich kann mit einem Ast, Messerknauf oder ähnlichem (bitte nicht mit dem Gewehrlauf) geknebelt werfen.

Die Papierverpackung und Cellophanfolie von Rettungsdecke und Verbandspäckchen werden entfernt, möglichst ohne dass es zu einer Verkeimung des Materials kommt (saubere Arbeitsflächen, Latexhandschuhe). Zusammen mit dem lose zusammengelegten Tourniquet werden alle Materialien in die Vakuumtasche gelegt, gut vakuumiert und mit einer doppelten Schweißnaht versiegelt.

Ist alle überflüssige Luft aus der Tasche entzogen worden, kann sie geknickt und gewalkt werden, ohne es zu geringsten Geräuschen kommt.

Wichtig ist, die Kanten außerhalb der Schweißnaht mit mehreren kleinen Schnitten zu versehen, die als Öffnungsstelle der stabilen Tasche dienen, um auch mit blutigen und nassen Händen das modifizierte Körper-Kit schnell öffnen zu können.
Das fertige Set wird in einer gut zugänglichen Tasche in der Jacke oder Hose verstaut und wird nur beim Waschen der Kleidung entnommen.