Jedes Lebewesen wird krank. Ob Mensch, Säugetier, Fisch, Insekt oder Bakterium. Hierbei ist es irrelevant, ob die erkrankten Lebewesen selbst Krankheitserreger sind. Eine Vielzahl von Krankheitserregern versucht schlicht einen geeigneten Lebensraum zum überleben und vermehren zu finden.

Die großen Biokomplexe der Körper bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope, sei es die Blutbahn, Magen und Darm, Muskulatur oder Hirn. Abertausende Lebewesen versuchen diese für sie geeigneten Wohnräume zu erreichen.

Hierbei ist meist noch nicht einmal die Schädigung des Wirts das erklärte „Ziel“ der Lebewesen. Meist verursachen zum Beispiel unglückliche Zufälle Krankheiten, wie ein Lebewesen, das genau einen solchen Stoff als Abbauprodukt ausscheidet, der zum Erkranken oder Absterben des Wirts führt.

Nur wenige, sehr wenige Lebewesen wie zum Beispiel hochspezialisierte Parasiten müssen und „möchten“ den Wirt schwächen oder Töten, um eine passende Übertragung auf den nächsten Wirt zu ermöglichen.

Nun besitzt der Körper der meisten Lebewesen eine unglaubliche Vielfalt von Abwehrsystemen, die permanent damit beschäftigt sind, Infektionen, also die Besiedelung des Körpers mit „Fremdlebewesen“ zu verhindern und gleichzeitig eine Erinnerungsbibliothek für diese Erreger zu erstellen.

Dieses Immunsystem ist in der Lage Tag täglich abertausende Neuinfektionen zu verhindern.

Zumeist gelingt ihm das auch ohne jegliche Schwierigkeit. Ist ein Erreger dabei, in den Körper einzudringen, wird er an Organen wie zum Beispiel Haut, Mandeln oder Darmoberfläche abgehalten. Dringt er dennoch in den Körper ein, wird er hier von diesen speziellen Zellen im Blut abgewehrt.

Ist ein Erreger so zahlreich oder stark, dass der Körper nur mit Mühe die Infektion verhindern kann, nennt man ihn „Krankheitserreger“ oder „Pathogen“. Auf ihn reagiert der Körper mit Fieber, einer typischen Immunreaktion.

Die Medizin hat mit der Entdeckung von Penicillin eine mächtige Waffe geschaffen, um einige besonders starke bakterielle Krankheitserreger abzuwehren:

Manche Bakterien, also einzellige Lebewesen ohne Zellkern, sind im Laufe der evolutionären Anpassung an den Menschen so sehr auf dessen Angriff spezialisiert, dass die Infektion schwerwiegende Schäden verursachen kann. In besonders schweren Fällen einer Infektion kapituliert sogar das Immunsystem, der Organismus stirbt.

Ist ein solch starker Erreger jedoch erkannt, kann er meist mit dem richtigen Antibiotikum behandelt werden. Diese Stoffe greifen genau jene Zellen an, die nicht tierähnlich sind, also keinen Zellkern besitzen.

Da Bakterien im Grundaufbau völlig unterschiedlich zum Menschen sind, greifen Antibiotika genau an diesen Unterschieden wie zum Beispiel Zellwandkomplexe an.

Einige Krankheitserreger jedoch sind keine Einzelligen Tiere oder Bakterien sondern Viren, also stoffwechselfreie Erbgutstücke, die die menschlichen Zellen infizieren und so zu einer Produktionsstätte der ihn selbst krank machenden Stoffe umwandelt.

Gegen diese Krankheitserreger gibt es keine Medikamente. Bis jetzt ist es mit wenigen Ausnahmen nicht möglich, Viren zu bekämpfen, da sie in der menschlichen Zelle Zuflucht suchen und so von Antibiotika nicht mehr erkannt werden können.

Zumeist besteht jedoch kein Grund zur Panik: Der Körper kann die Viren und die befallenen Zellen bekämpfen.

Einige Viren sind jedoch anders. Besonders geschickt tarnen sie sich und lassen sich entweder versteckt zu lebenswichtige Organen transportieren oder sie aktivieren eine Infektionskaskade, die zum absterben wichtiger lebenswichtiger Zellen führt. Manche Viren zum Beispiel befallen Nervenzellen und führen zum absterben derselben. Selbst wenn der Gesamtorganismus die Infektion übersteht entstehen irreparable Schäden am Zentralen Nervensystem.

Im 19. Jahrhundert, nachdem tausende Jahre lang der Mensch von Epidemien dahingerafft wurde – die Pest lies Gebietsweise nur wenige Prozent der Bevölkerung überleben – entdeckte man im neunzehnten Jahrhundert die Immunität gegen Krankheitserreger. Während einer Pockenepidemie überlebten Menschen, die an einer ähnlichen Krankheit gelitten hatten, die jedoch nicht wie die echten Pocken mit teilweise 90% tödlich verlief: Wer früher Infektion mit Kuhpocken hatte, wurde nicht durch die schwere menschliche Krankheitsform dahingerafft.

Eine Krankheit, die unheilbar war und mit Sicherheit zum Tode geführt hätte wurde keine Gefahr mehr.

Man entdeckte, dass der Körper eine Erinnerungsbibliothek aufbaut, die in der Lage ist Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen, bevor er sich „einnisten“ kann. Dies macht er zumeist während der Körper ihn erkannt hat und passende Imunglobuline bilden muss – die Waffen der spezifischen Krankheitsabwehr.

Um den Körper auf einen normalerweise tödlichen Krankheitserreger vorzubereiten etablierten sich unterschiedliche Methoden. So wurden gegen menschliche Pocken die verwandten Erreger der Rinder verwendet. Das Immunsystem erkennt die Oberfläche des ungefährlichen Virus und kann ein Immungedächnis gegen die Erregerart etablieren. Wird der Körper nun mit den pathogenen Pocken infiziert, reagiert er prompt und kann die Infektion abwehren.

Andere aktive Immunisierungen erfolgen durch tote oder abgeschwächte Erreger.