Welche Impfungen sind notwendig?

Für Menschen, die sich bewusst oder unbewusst einer stärkeren Exposition aussetzen, gilt eine erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich impfbarer Krankheiten.

Besonders auf Reisen in Entwicklungsländer sollte man sich rechtzeitig mit den Risiken der lokalen Krankheiten auseinander setzen.

Oft übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die notwendigen Schutzimpfungen.

Aber auch in Europa gibt es einige Krankheiten, an sie man denken sollte.

 

Zu den „Standardimpfungen“ gemäß der Ständigen Impfkommission „STIKO“ werden folgende Imunisierungen schon im Kindesalter dringend empfolen:

Tetanus:

Das Bakterium Clostridium tetani ist ein Boden lebender Keim, der Wunden befallen kann. Schon in kleinen Verletzungen siedelt er sich an und zersetzt unter dem luftdichten Wundverschluss Eiweiße. Dabei werden Nervengifte ausgebildet und ausgeschieden, die zum Wundstarrkrampf führen. Die Nerven des befallenen Menschen feuern Dauerimpulse zu einem körperweiten Krampf. Der Krampf setzt die Atmung aus, der Mensch erstickt bei vollem Bewusstsein.

Besonders heikel ist dieser Keim im Zusammenhang mit den in der alternativen Medizin beliebten Heilerden, die auf Wunden aufgetragen werden. Diese Gruppierungen sperren sich auch oft gegen entsprechende Impfungen.

Tetanus führt bei rund der Hälfte der Infizierten zum Tod.

Diphterie:

Diphterie ist eine durch ein Bakterium ausgelöste, schwere Infektionskrankheit, die sich durch schweres Fieber, Atemwegsvereiterungen und Nekrosen im Hals ankündigt. Das von diesem Keim abgesonderte Gift schädigt oftmals Herz und Nerven, wodurch es durch eine Herzbeutelentzündung zu schweren Schäden kommen kann. Der Keim lässt sich zwar durch ein geeignetes Antibiotikum behandeln, hierbei stellt sich jedoch der Umstand ein, dass dieses Antibiotikum nur langsamer wirken kann, als das Bakteriengift schädigt.

Keuchhusten:

Der Keuchhusten oder auch Pertussis ist eine Infektion der Atemwege, insbesondere der Bronchien und Bronchiolen, also der kleineren, verzweigten Teile der Atemröhren. Die hochinfektiöse Krankheit erzeugt einen lange andauernden Husten. Durch die Schwächung des Körpers können andere Krankheitserreger einfallen, weshalb eine Infektion der Lunge oder des Mittelohrs häufige Folge sind. Auch die Schädigung des Nervensystems sind mögliche Komplikationen.

HiB

Eine weitere bakterielle Infektion wird durch den Erreger Haemophilius influencae B erzeugt. Die Krankheit befällt besonders Kinder und erzeugt ein besonders schweres Krankheitsbild. Ausgehend meist von den Atemwegen werden alle assoziierten Organe wie Gehör und Rachenraum befallen. Außerdem kann in häufigen Fällen eine schwere Hirnhautentzündung erzeugt werden.

Masern

Die hochinfektiöse Krankheit ist zur Zeit wieder auf dem Vormarsch, da sich immer mehr gegen die Immunisierung entscheiden. Besonders Kinder und Säuglinge leiden unter schweren Hautreizungen, manchmal Nervensystemschäden und selten ist der Tod die Folge. Die durch Masern erzeugte Hirnhautentzündung kann vor allem in Entwicklungsländern zu gravierenden Schäden führen. Gerade Reisende, die Europa verlassen, sollten an einen Infektionsschutz denken.

 

Weitere Informationen zu Impfungen können über die STIKO auf den Seiten des Robert Koch Institutes abgerufen werden.

 

Impfungen für Reisende, Waldläufer und Survivalisten

Neben den für das entsprechende Reiseland empfohlenen Impfungen haben sich folgende „Standardimpfungen für Waldläufer“ bewährt:

FSME

Besonders in Süddeutschland erstrecken sich FSME Risikogebiete, in denen die Frühsommer Meningo Enzephalitis durch den gemeinen Holzbock, der häufigsten Zecke, übertragen werden. Empfohlen wird die Impfung für alle in Risikogebieten lebenden Menschen, besonders wenn sie einer hohen Exposition durch Zecken ausgesetzt sind. In Auenwäldern Süddeutschlands kann man zeitweise innerhalb einer Stunde mehr als 100 Zecken „aufsammeln“. Hirsche und Rehe tragen den Erreger, von wo er über die Zecken auf den Menschen übertragen werden kann. Zwar ist diese Hirnhautentzündung relativ selten, mit erhöhter Exposition steigt jedoch auch die Infektionsgefahr, da die Infektionsstatistik von ca. 1:20 000 auf die gesamte Bevölkerung herunter gebrochen wird, also auch auf Stadtbewohner, die nie von einer Zecke befallen wurden.

HEP-A/B

Besonders interessant ist für uns Reisende das Risiko, das durch Hepatitis A und – B erzeugt wird. Während Hepatits (also eine Leberentzündung) A meist relativ gutartig verläuft, kann Hepatitis B zu einer chronischen Störung führen. Hepatitis A Erreger sind nahezu überall in verunreinigtem Wasser zu finden. Untersuchungen zufolge sollen zudem nahezu alle Meeresfrüchte des Mittelmehrs mit diesen Erregern befallen sein und so zu einer Verbreitung führen. Da Hepatitis A rund einen Monat Inkubationszeit benötigt (die Zeit von Infektion zu Ausbruch), kann die Quelle der Infektion meist nicht mehr sicher benannt werden.

Die Hepatitis B ist weniger gutartig: Häufig entsteht eine Beeinträchtigung der Leber und eine daraus erzeugte Gelbsucht, die unbehandelt schwere Hirnschäden verursachen kann. Die chronische Form zeichnet sich durch eine Leberzirrhose und chronische Keimausscheidung die Folge sein.

Die Hepatitis B wird jedoch weniger einfach übertragen. Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Wunden, Teilweise jedoch auch über Schleimhäute kann der Keim aufgenommen werden.

Hepatitis A und B werden meist durch eine Doppelimpfung immunisiert.

Polio

Während die Kinderlähmung durch Weltweite Impfprogramme stark eingedämmt wurde, ist es - trotz der Möglichkeit - bis heute nicht gelungen, die Krankheit vollständig auszurotten. Besonders in Nordafrika und einigen Asiatischen Ländern ist es möglich, an Polio zu erkranken. Obwohl der Name „Kinderlähmung“ es suggeriert, können nicht nur Kinder davon befallen werden: auch Erwachsene, vor allem mit geschwächtem Immunsystem (wie zum Beispiel nach einer auszehrenden Expedition) können erkranken.

Da es in Deutschland kein Polio mehr gibt, ist auch die Impfung gegen die Krankheit, die meist schwerste Nerven- und Entwicklungsschäden zur Folge haben, nicht mehr empfohlen. Bei Reisen in eines der Risikoländer ist jedoch über eine solche Impfung nachzudenken.

Tollwut

Mit Ausnahme von Australien und Skandinavien gibt es Weltweit Tollwut. Die schwere Viruserkrankung wird schon durch infektiösen Speichel auf einem nicht vollständig verheiltem Kratzer übertragen.

Durch die Nerven wandert der Virus über Tage in das Hirn, wo er schwerste und irreversible Schäden verursacht. Während dem Transport in das Zentrale Nervensystem ist eine „passive Immunisierung“ möglich, bei dem Antikörper gegen den Virus gegeben werden.

Unbehandelt ist die Tollwut immer tödlich! In Nordafrika, Asien, und Südamerika ist das Risiko besonders groß. Frei laufende Tiere wie Hunde, Füchse und Katzen können infiziert sein, selbst wenn noch keine Symptomatik wie unkontrollierbarer Speichelfluss festzustellen ist.

Obwohl die Impfung gegen Tollwut häufig durch krippeähnliche Symptome begleitet wird, ist sie auf Grund der einfache Übertragung und immer Tödlichen Krankheit dennoch besonders für Reisende zu empfehlen, selbst wenn sie nur „Touristenbunker“ in Entwicklungsländern auf eigene Faust verlassen oder sogar außerhalb der Städte unterwegs sind.