Welche Gefahr bedeutet Zeckenbefall für uns?

Auf allen Kontinente hat sich eine große Gruppe von Lebewesen fast ausschließlich davon abhängig gemacht, sich von Blut der warmblütigen Säugetiere zu ernähren.

Während einige Insekten wie Stechmücken eine kurzzeitige, einmalige Blutmahlzeit zur Eiablage benötigen, neigen andere Tiere dazu sich dauerhaft am Wirt festzusetzen.

Eine wichtige Gruppe dieser Parasiten sind spinnenartige Milben wie es Zecken sind.

Die im Gegensatz zu Insekten mit 8 statt 6 Laufbeinen ausgestatteten Tiere bestehen aus einem gedrungenen, meist abgeflachtem Körper, der von kräftigen Mundwerkzeugen, den Cheliceren begrenzt wird.
Die biologische Nische der Zecken gemäßigter Zonen wird in den Tropen von den landlebenden und Säugetierblut saugenden Egeln besetzt.

Lebensweise

Zecken entwickeln sich aus abgelegten Eiern über verschiedene Stadien zum adulten Tier. Gesondert zu bemerken gilt, dass frisch geschlüpfte Tiere, die einen Bruchteil eines Millimeters großen, so genannte Nymphen, mit nur 3 Beinpaaren ausgestattet sind. Um die Geschlechtsreife zu erreichen muss sich die Zecke genau so wie die nah verwandten Spinnen mehrfach häuten.

Zur Voraussetzung benötigt die Zecke vor jeder Häutung (zwischen 3 und 6 Häutungen im Zeckenleben) einen geeigneten Wirt, um sich mit Blut voll zu saugen. Aus diesem logischem Hintergrund heraus ist es nachvollziehbar, dass durch ein Biss eine erhöhte Infektionsgefahr entsteht, da jede Zecke – sofern sie keine frisch geschlüpfte Nymphe ist – schon an einem Säugetier parasitiert hat.

Nachtrag (3/15): Einige Krankheiten werden von adulten Zecken in die Eier übertragen, deshalb ist auch der Biss einer Nymphe zu beobachten!

Befall

Entgegen dem allgemeinen Gauben ist die Zecke (im Gegensatz zu Spinnen) nicht in der Lage zu fliegen. Aus diesem Grund suchen die Tiere einen erhöhten Standort wie zum Beispiel die Halme eines Grases auf. Zecken können jedoch nicht von Bäumen fallen, wie es allgemein angenommen wurde. Gewöhnlicherweise harren sie auf Grashalmen in einem halben bis 1,5 Metern Höhe.

Ein Wirt wird im Vorbeilaufen befallen:
Zecken besitzen auf den vordersten Beinen einen hoch sensiblen Sensor, dem Hallerschen Organ. Verspürt die Zecke in der Umgebung Luftbewegung oder Vibrationen von einem vorbeilaufendem Tier, reckt sie die Vorderbeine in die Luft, wobei die Sensorgruben exponiert dargeboten werden. Mit diesen kann die Zecke feinste Spuren der körperspezifischen Chemikalien eines Wirtstieres registrieren. Zum Beispiel Kohlenstoffdioxid und Buttersäure veranlassen den Versuch eines Befalls.

Die ausgestreckten Vorderbeine besitzen feine Häckchen, die an Haut, Haaren oder Kleidung des Vorbeistreifenden festgeklettet werden. Die Zecke lässt sich mitziehen.
Hat sie erst einmal den Wirt erreicht, krabbelt sie – eng an der Haut anliegend – zu weichen und bedeckten Hautstellen wie im Genitalbereich, an den Achseln, zwischen Fußzehen und am Haaransatz.
An ihrem Ziel angekommen zerbeißt sie mit Hilfe ihrer Brotmesserartigen Klingen die Oberhaut des Wirts. Dieser Biss ist häufig noch leicht zu spüren. Nun gibt die Zecke jedoch eine Mixtur aus betäubenden und Blut verdünnenden Stoffen in die Wunde ab.  Zudem verklebt und verhakt sie sich in der Wunde.
Auch während dem Saugvorgang, der mehrere Tage dauern kann, werden solche Stoffe in die Wunde abgegeben.
Ist die Blutmahlzeit beendet, lässt sich die Zecke auf den Boden fallen, häutet sich oder legt Eier ab.

Infektionen

Da die meisten  Zecken per definitionem einen Wirtswechsel  durchführen ist eine große Gefahr die Verschleppung von Krankheitserregern von einem Wirt zum nächsten. Als besonders große Gefahr stellen die Krankheiten Borelliose und FSME dar. Die Krankheitserreger (Borelliose ist ein spiralförmiges Bakterium, FSME ist ein Virus) entwickeln und vermehren sich zum Beispiel in Igeln, einem der natürlichen Wirte für Zecken in Mitteleuropa. Da die Durchseuchungsrate  von Zecken mit Borellien sehr hoch (bis zu jeder zweiten Zecke) ist und die Infektion durchaus nicht selten, gehen wir in einem gesonderten Artikel auf diese Krankheit ein. FSME ist weitaus seltener, wobei auch die Infektion ein besonderes Risiko darstellt: Beide Krankheiten führen zu schweren Infektionen des Nervensystems. Eine daraus erfolgte Hirnhautkrankheit oder Enzephalitis führt nicht selten zu schwersten Schäden in Motorik und Sinnesleistung!
Als weiteres Risiko sei eine Sekundärinfektion durch aufgekratzte Stichstellen genannt; die leicht juckenden Bisse werden häufig mit Stechmückenstichen verwechselt.

Ein wichtiger Parameter der Infektionsgefahr ist die Zeit, die die Zecke am Wirt sitzt sowie das Entfernungsverhalten des Befallenen.
Viele Infektionskrankheiten, die durch Zecken übertragen werden (es sind nach derzeitigem Wissensstand über 100), erreichen den Wirt erst nach etwa 24 Stunden Saugvorgang. So kann eine Krankheitsübertragung durch das rasche Entfernen des Überträgers verhindert werden.
Auch das korrekte Entfernen der Zecke ist ausschlaggebend für ein minimiertes Risiko: Manipuliert der befallene in irgendeiner Art an der Bisstelle der Zecke, stößt sie ihren Vormageninhalt in die Wunde aus, wodurch es zur Infektion kommt. Deshalb ist es wichtig, die Zecke richtig zu entfernen.