Entfernen

Es gibt viele „Hausmittelchen“ und Volksweisheiten, wie mit einem Zeckenbiss umzugehen sei. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die meisten gefährliches Halbwissen darstellen.

Durchaus lässt sich durch das falsche Entfernen vielmehr ein deutlich höheres Risiko mit einer Krankheitinfiziert zu werden, deurlich erhöhen.

Besonders wichtig sind deshalb die korrekten Methoden, um eine festsitztende Zecke zu entfernen.

Die häufigsten Fehler beim Entfernen:

Ersticken“: Zecken dürfen nicht mit Klebstoff, Öl, Lack oder sonstigen Mitteln bedeckt werden. In diesem Fall würgt sie den o.g. Mageninhalt in die Wunde – eine Infektion ist fast nicht vermeidbar!

Abkühlen oder Erhitzen“: Weder mit Eis, Eisspray oder sonstigen Methoden darf die Zecke abgekühlt werden. Auch das Erhitzen mit einer Flamme sollte unbedingt unterlassen werden.

Zeckenzangen“ Viele kommerziell angebotenen Zeckenzangen sind schlicht wirkungslos. Die groben Kunststoffklammern umfassen den Hinterleib der Zecke nur dann sicher, wenn diese sich schon deutlich vollgesogen hat. Geeignet sind diese Werkzeuge gegebenenfalls um spät erkannte Zecken bei Haustieren zu entfernen. Da der Hinterleib jedoch dabei stark gequetscht wird, sollte diese Methode generell nicht verwendet werden.

Um die Uhr“: Es ist im Grunde völlig egal, wie rum die Zecke gedreht wird, denn: sie sollte eigentlich überhaupt nicht gedreht werden. Durch ein herausdrehen der Zecke (die Mundwerkzeuge sind im übrigen symetrisch) wird die Wunde unnötig vergrößert; die Zecke unverhältnismäßig gestört.

Saugen lassen“: Nun ja, es gibt tatsächlich „Tierfreunde“, die der Meinung sind, Zecken sollten am besten sitzen gelassen werden, bis sie sich nach ihrer Blutmahlzeit eigenständig ablöst. Zecken sind jedoch keine dankbaren Parasiten, (wie zum Beispiel Egel), die den Wirt unbehelligt lassen. Ihnen ist die freundliche Gesinnung des Wirtes auch ziemlich egal; eine Infektion ist hier kaum zu vermeiden, da die Infektionsgefahr mach 24 Stunden stark ansteigt.

 

Einfache Methoden eine Zecke zu entfernen.

Das Entfernen einer Zecke ist im Grunde sehr einfach. Zwei Methoden haben sich als sicher und schnell erwiesen.

Um eine Zecke mit einer Pinzette zu entfernen, sollte darauf geachtet werden, dass es sich um eine Splitterminzette oder etwas vergleichbarem handelt und nicht um eine flache „Nagelpinzette“. Die Zecke wird mit den spitzen Enden genau zwischen Einstichstelle und Vorderkörper erfasst (nicht am Hinterleib) und einfach entgegen der Stichrichtung herausgezogen. Kein Drehen, kein Zupfen. Der Zug wird einfach etwas erhöht, bis die Zecke den Halt verliert und aus der Haut gezogen werden kann.

Ohne Pinzette lässt sich eine andere Methode anwenden. Hierzu benötigt der Befallene nur ein Messer. Ähnlich dem Rasieren wird die Zecke – von der Stichstelle in Richtung Hinterkörper – von der Haut abgeschabt. Diese Methode eignet sich bei besonders kleinen Zecken.

Ich persönlich bevorzuge diese Methode, da ich meist schon vor Ort die Zecke umgehend abnehmen kann, auch wenn ich keine Werkzeuge mitgeführt habe.

Nach einer ähnlichen Methode funktionieren die so genannten Zeckenkarten, die eine kleine Kerbe besitzen, die zwischen Körper und Bissstelle eingeschoben wird. Durch abheben wird die Zecke ausgezogen. Um besonders kleine Plagegeister loszuwerden, hat mir ein engagierter Kursteilnehmer folgenden Tipp gegeben: aus dem dünnen Kunst von Schnellheftern wird eine kleine Karte ausgeschnitten, in die im spitzen Winkel eine Kerbe eingeschnitten wird. Diese wirkt wie eine Zeckenkarte, jedoch auch bei kleinen Tieren.

 

Nach dem Entfernen wird die Wunde noch desinfiziert und angedeckt.

 

Nicht kopflos werden:

Sollte mal ein Teil der Zecke in der Haut verblieben sein, besteht kein Grund zur Panik. Neuesten Erkenntnissen zur Folge ist das Infektionsrisiko, das von Mundwerkzeugen ausgeht, die in der Stichstelle verblieben sind, denkbar gering. Die Beißwerkzeuge reichen nur bis kurz in die Lederhaut. Hier kann sich zwar eine entzündliche Reaktion bis hin zum Abszess bilden, die jedoch beide deutlich weniger gefährlich sind als die Krankheitserreger im Darm der Zecke. Außerdem ist das Risiko einer Sekundärinfektion nach dem Versuch die Kopfwerkzeuge nachträglich zu entfernen deutlich größer.

 

Ausland.

Zecken übertragen Weltweit gefährliche Krankheiten. Zu beachten ist auch, dass Arten in den Tropen und Australien auch zu einer tödlich verlaufenden Lähmung (Tick-Paralysis) führen kann. Der betäubende Bestandteil des Zeckenspeichels wirkt in diesem Fall etwas zu „effektiv“. Nach dem Entfernen der Zecke ist die Gefahr jedoch gebannt und der Wirt erholt sich rasch wieder.

Es gibt eine durchaus gute Nachricht für gesellige Bushcrafter und Bushcrafterinen: Nach einem allabendlichen Absuchen nach Zecken an den Körperstellen, die selbst nicht erreicht werden können, und dem Entfernen der Zecke bevor sie 24 Stunden am Saugen ist, verringert sich das Infektionsrisiko deutlich!

Sollte jedoch nach einem Zeckenbiss die sogenannte Wanderröte „Erythema migrans“, die sich gewöhnlicherweise als roter Schleier von der Stichstelle fortbewegt.

Sollte nach einem Zeckenstich ein solches Infektionsbild zu sehen sein, wenden Sie sich bitte UMGEHEND an ihren Arzt und versuchen Sie keinesfalls die „Borelliose natürlich zu heilen“, wie es der ein oder andere einheimische „Schamane“ vorschlägt...