Viele Neuentdecker der heimischen Wälder, aber auch der ein oder andere, der sich auf Individualreisen in abgelegene Regionen begibt, kennt diesen einen Schreckmoment – und zwar praktisch jederzeit und weltweit: Angriffe aus der Luft.

In unseren Breiten, vor allem in den Frühsommermonaten – ortsweise ganzjährig – gewöhnt man sich schnell an die kleinen STUKA-Plagegeister, die einem auf den Feldern, im Wald und auf der Flur begegnen: Auf Weiden und Wiesen gibt es an schwülen Tagen schmerzhaften Bisse der Bremsen. Bei unwetterschwangerer Luft beißen an jenen Orten Gnitzen bzw. Donnermückchen oder die in ihrer Wirkung sehr viel unangenehmeren Kriebelmücken.

 

Sie setzen sich dazu in die Kopfhaut, in den Nacken und auf die Handrücken und Unterarme.

In feuchten Wäldern und an Gewässern ist klar: Wer ein schattiges Plätzchen sucht wird von Schwärmen der Stechmücken belästigt, die ihren Saugrüssel tief in die Haut stechen und zwar nur wenig Blut abzapfen aber eine Menge von Entzündungsstoffen injizieren so dass sich eine unangenehm juckende Schwellung entwickelt.

Und dann... gibt es das sprichwörtlich Böse. Den blanken Horror:

Der Rucksackreisende hat sich gut mit Mückenspray eingenebelt und wandert in Ruhe durch lichte Wälder, in der Heide oder am Strand und wähnt sich sicher. Aus dem Augenwinkel sieht er ein relativ ungezieltes Taumeln eines kleinen Tiers. Und dann hört er es:

Mit einem schnatternden „Bzzzzt“ wir er umkreist. Naja, wird wohl eine Bremse sein, die sich nicht traut auf der Autan-imprägnierten Haut zu landen. Doch etwas sonderbar ist es doch: der kompakte Flugkörper schimmert goldgelb oder blauschwarz.

Dann ein „Ssssp!“ und das Tier ist gelandet: Mit bis zu gut einem Zentimeter Durchmesser sitzt nun ein flaches, gepanzertes Tier auf dem Unterarm oder im Nacken und verankert seine mit zwei spitzen krallen besetzten, langen flach abgewinkelten Beine in der Oberhaut. Die rundlichen Flügel sind flach an den Körper gedreht. Der wandernde Landeplatz denkt „Was zur Hölle...?“ und will das Tier abstreifen, bemerkt jedoch dabei: Das Tier hat sich fest eingehakt und lässt sich gar nicht von der Haut abstreifen. Beim Versuch, es mit der Hand zu erschlagen, verliert es höchstens einen Flügel – und macht sich scheinbar unaufhaltsam auf den Weg in Richtung der Kleidung.

Der ein oder andere beginnt nun panisch auf dem Tier rumzuklopfen, während es ohne innezuhalten weiter kriecht.

Dieses „Horrortier“ hat einen Namen: Es ist eine Lausfliege. Die hochspezialisierten Parasiten haben einen spannenden Lebensweg: Als lebende Larve geboren und später in der Entwicklung zwei Flügel tragend, gehören Sie zur selben Großgruppe wie die bekannte Stubenfliege. Einige Arten können fliegend weitere Strecken zurücklegen, andere sind praktisch flugunfähig. Haben sie einen möglichen Wirt gesehen, fliegen sie ihn an und verhaken sich im Pelz, im Gefieder oder auf der Haut. Gefällt es der Lausfliege dort, wirft sie ihre Flügel ab und verbleibt lebenslang auf dem Körper wie eine Laus und beißt durch die Haut um Blut zu saugen.

Weil der Mensch optisch als Wirt wahrgenommen wird, helfen Mückenrepellentien erstmal nicht weiter. Vor allem, wer in vogelreichen Gebieten unterwegs ist, oder Nester an der Hauswand hat, kann durch von den weniger flugfähigen, segelnden Arten wie der Mauerseglerlausfliege angenommen werden. In Nordafrika und Israel hatte ich Bekanntschaft mit Massen von Pferde- bzw. Kamel-Lausfliegen gemacht. In den Wäldern Europas kommt die Hirschlausfliege vor.

Während die ersten Gruppen den Menschen durchaus gerne beißen – und der Biss ist wirklich sehr schmerzhaft – verlassen die in Europa häufigeren Hirschlausfliegen den Menschen bald wieder – manchmal aber erst nach Inspektionsbohrungen. Sie wandern auch auf mit Spray geschützter Haut und suchen sich eine Stelle tief unter der Kleidung, die nicht besprüht wurde.

Natürlich übertragen Lausfliegen auch Krankheiten – deshalb sollte man die Tiere nicht am Körper saugen lassen.

Wie sollte man sich also verhalten? Nach Möglichkeit sollte man keine eng anliegende Kleidung tragen – die Tiere drücken sich mühelos durch den engsten Spalt unter die Kleidung. Wer unterwegs ist und Lausfliegen um sich schwirren sieht, sollte eher die Unterarme frei legen – dort landen sie besonders gerne und dort lassen sie sich auch schneller entfernen, als wenn sie in Nacken oder Haaren sitzen. Die Lausfliege kann nicht erschlagen werden. Sie muss mit Daumen und Zeigefinger umfasst und „abgekippt“ werden. Dass kann ein wenig ziepen, da die Füße fest in der Haut hängen. Wer das Tier nicht töten möchte – dennoch einen neuerlichen Anflug fürchtet – reibt das Tier schnell zwischen den Handflächen – dadurch fallen die Flügel aus. Danach kann die Fliege am Boden abgesetzt werden (sie wird sich ein Mausenest suchen). Zum Töten muss die Lausfliege auf ein Holzbrett oder einen Stein abgelegt und dann mittig mit dem Daumennagel gequetscht werden.

Jetzt kennen Sie zumindest den Namen der kleinen Monster – sie haben biologisch natürlich einen wichtigen Sinn, unter anderem in der Populationskontrolle von Rehen, Hirschen und anderen Säugetieren. Nur an uns sollte sie sich natürlich nicht laben.