Wer sich mit Pflanzen auskennt, kann weltweit (mit Ausnahme von Wüsten) in relativ kurzer Zeit Nahrung für einen Tag sammeln. Hierzu ist jedoch einiges an Grundwissen notwendig – man muss sich wohl oder übel mit einem komplexen Thema beschäftigen: cftc regulated binary options broker mit der Pflanzensystematik.

Anmerkung: Dieser Artikel enthält Auszüge aus dem Buch »Pflanzliche Notnahrung, Pietsch Verlag, Februar 2012«.
Sie wurden als Grundlage für diese Folge »Survivalmythen« verwendet, da der »Genießbarkeitstest« noch immer ein großes Thema in der Survivalszene ist und ich diese wichtige Information nicht nur Käufern des Buchs vorenthalten möchte.

Da es durchaus viel Vorarbeit benötigt um ein paar Pflanzen weltweit korrekt zu erkennen, und das Lernen in der Stube deshalb nicht so sehr beliebt ist – wer lernt schon gerne komplizierte Systeme – machen sich das so manche »Survivalexperten« zu Nutze und proklamieren einfache Regeln, über die essbare Pflanzen erkannt werden sollen.

binary options Klassiker sind: »Ist die Pflanze nicht bitter oder scharf, ist sie ungiftig« oder: »Schwarze Beeren sind immer essbar, rote nur zu 50 %, grüne nie.«

Diese Aussagen sind natürlich sehr einfach zu durchschauen – sie stimmen nicht.

Andere meinen das lästige Studium verschiedener wissenschaftlicher Botanikbücher mit einem »Feldtest« umgehen zu können: Der »Genießbarkeitstest« bzw. der »universal edibility test«.

Der Mythos

Der Test funktioniert prinzipiell folgendermaßen: Wenn in einer Notfallsituation auf eine unbekannte Pflanze zurückgegriffen werden muss, wird an der Pflanze erst einmal gerochen. Duftet sie nicht unangenehm, wird ein Stückchen von einem Laubblatt auf der Armbeuge, oder einer anderen empfindlichen Hautstelle zerrieben. Wenn sich keine Reaktion in Form von Ausschlag, Rötung oder Pusteln zeigt, wird nach einiger Zeit ein kleines Stück der Pflanze in den Mund genommen und vorsichtig geschmeckt. Ist der Geschmack nicht unangenehm, wird das Stückchen zerkaut und in die Wangentasche gesteckt. Dort verbleibt es zwischen 10 Minuten und einer halben Stunde. Ist keine negative Wirkung zu bemerken, wird es geschluckt. Nun wartet man zwischen einer halben und zwei Stunden, bevor etwa die doppelte Menge gekaut und geschluckt wird. Das Ganze wird so lange weitergeführt, bis Sie eine ganze Hand voll der Pflanzenteile zu sich genommen haben und vermuten können, dass die Pflanze nicht giftig war.

Der Faktencheck

Diese Anwendung hat einige Denkfehler.

Beginnen wir mit dem Geruchstest. Zwar ist der Mensch in der Lage viele chemische Verbindungen zu identifizieren, jedoch bei weitem nicht alle. Außerdem sagt der Geruch in den allermeisten Fällen überhaupt nichts über die Wirkung des Stoffs aus.

Das gleiche gilt auch für den Geschmack. Manche Giftstoffe sind in so geringen Konzentrationen in den Pflanzen vorhanden, so dass sie nicht gerochen und geschmeckt werden können.

Dennoch kann die Dosis hoch genug für eine Vergiftung sein.

Versuche einer alternativen Ernährungsweise, sich »instinktiv« von unbekannten Pflanzen zu ernähren, gehen sehr oft schief. Erfahrungsberichte über solche fehlgeschlagenen Versuche gibt es zur Genüge, auch wenn die Anhänger dieser Ernährungsweise das nicht als Vergiftung, sondern als nützliche »Entgiftung« des Körpers deklarieren, oder andere Faktoren dafür verantwortlich machen, dass ihr »Instinkt« nicht richtig funktionierte.

option - binäre Optionen Online-Handel Außerdem ist Geschmack eine sehr subjektive Empfindung. Manche können sehr scharfe Chili essen, während viele Kinder am liebsten Spinat als hochgiftig deklarieren würden.

Auch das Aufbringen der Pflanze auf die Haut kann zu starken Reaktionen führen. Einerseits kann der Test mit einer Brennnessel zum Ergebnis führen, dass sie Ausschlag verursacht und damit nicht essbar wäre, andererseits führen manche Stoffe bei Sonnenbestrahlung zu schweren Verbrennungen oder verätzen das Gewebe. Ein typisches Beispiel sind die Furanocumarine aus dem Riesenbärenklau Heracleum mantegazzianum.

Eine stark giftige Pflanze kann auch ungeschluckt im Mund eine große Menge von Gift an den Körper abgeben. Dies wird auch bei kleinen Mengen Probleme bereiten. Wer sich einmal an Makla, den arabischen Kautabak, oder indisches Gutka herangewagt hat, kennt diesen Effekt bestimmt.

Das darauf folgende Schluckprozedere ist besonders problematisch. Denn viele Gifte beginnen erst lange nach der Verdauung, also einige Stunden nach dem Verzehr, zu wirken. Besonders gefährlich sind hier sogenannte Cytotoxine, oder Zellgifte, die in vielen Organen verheerende Schäden bis hin zum Tod verursachen können und oft auch krebserregend wirken. Besonders letzte Wirkung kann nicht durch diesen Test erkannt werden. Manche Giftstoffe wie Pyrrolizidinalkaloide, führen erst nach Wochen oder Monaten zu schweren Schäden.

Zu guter Letzt verhindert der Placebo- bzw. Noceboeffekt, dass wir eine Vergiftung als solche korrekt wahrnehmen können. Bei der Aufnahme einer unbekannten, möglicherweise giftigen Pflanze »hört« man besonders aufmerksam in seinen Körper. Die Erwartungshaltung kann zu starken Symptomen führen, obwohl tatsächlich keine Vergiftung vorliegt.

Ich habe eine Zeit lang regelmäßig einen kleinen Test durchgeführt, der diesen Effekt sehr stark unterstrichen hat. Nachdem ich einer Gruppe von etwa 10 Personen einen undefinierbaren Snack angeboten hatte (es handelte sich um gebratenen Maisbeulenbrand, einem Pilz, der zu einer unansehnlichen Speise namens Huitlacoche verarbeitet wird), erklärte ich, dass ich eine kleine Menge einer stark wirksamen Pflanze untergemischt habe. Es sei ein Stück gewesen, das vermutlich nur von einer Person dieser Gruppe verzehrt wurde. Die Wirkungen wären Schwindelgefühle, etwas Kopfschmerzen, Ohrensausen und verengter Blick – klassische frühe Vergiftungssymptome. Keiner wusste, ob er es war, der den giftigen Anteil erhalten hatte.

Selbstverständlich habe ich niemandem eine solche Giftpflanze zum Essen gegeben. Es hat sich trotzdem gezeigt, dass viele genau jene Krankheitsbilder ausgeprägt haben. Wenige haben sogar über so starken Schwindel geklagt, dass sie meinten, sich übergeben zu müssen.

Nachdem ich das kleine Experiment aufgeklärt hatte, verschwanden die Probleme binnen Minuten.

Bei einigen »Kontrollgruppen« habe ich dagegen erklärt, dass es sich um eine Speise handelt, bei der einer von etwa 500 Probanden leichte Kopfschmerzen bekommen kann. Die geringe Wahrscheinlichkeit der nur schwachen Wirkung erzielte, dass nur sehr selten eine Reaktion empfunden wurde.

Wenn Sie sich also einigermaßen sicher sind, dass eine Pflanze nicht giftig ist, können Sie viel objektiver auf mögliche Körperreaktionen achten.

Wann ist also so ein Test überhaupt angebracht?

Die Antwort darauf ist möglicherweise etwas verwirrend: Geld verdienen mit 60 Sekunden binären Optionen Der Test wird von vielen Autoren in Survivalbüchern beschrieben, um dem Leser zu ersparen, sich intensiver mit Botanik auseinander zu setzen. Jedoch ist genau das die notwendige Voraussetzung, um jenen Versuch schadfrei zu überstehen.

Sie dürfen nur mit Pflanzen dieses Prozedere durchführen, bei denen Sie sich fast sicher sind, dass es sich um eine essbare Art handelt. Und auch nur dann, wenn sie unbedingt gezwungen sind, sich davon zu ernähren.

Das kann beispielsweise in folgender Situation vorkommen: Sie sind auf einem anderen Kontinent, und müssen sich während einer Notsituation oder einer länger als vorgesehen dauernden Expedition pflanzliche Nahrung beschaffen. Sie finden eine Pflanze, die fast so aussieht, wie eine essbare, die sie aus Mitteleuropa kennen. Sie sind sich aber nicht vollkommen sicher, ob gegebenenfalls ein sehr ähnlicher Vertreter außerhalb der von Ihnen botanisch erfassten Gebiete vorkommt.

Nun überprüfen Sie zuallererst, ob sich in der Umgebung vielleicht andere Pflanzen finden lassen, die entweder zu Familien oder Gattungen wie den »Dirty Dozen«* gehören, die durchweg essbar und weltweit verfügbar sind.

Finden Sie keine solche Alternativen, wägen Sie ab, ob die unbekannte Pflanze in einer großen Menge vorkommt und genügend brauchbare Energie liefert.

Bei einzelnen Pflanzen lohnt sich dieser Vorgang nicht, da es oft nicht so einfach ist, genau die eben Verzehrte nach einiger Zeit an einem anderen Ort wieder zu erkennen. Ebenso ist der Test nicht notwendig, wenn es sich bei der Pflanze »nur um eine grüne Beilage« ohne Energie handelt.

Ist es eine lokal oft vorkommende Art, rufen Sie sich wichtige Pflanzenfamilien* ins Gedächtnis. Gehört die Pflanze zu einer Familie, deren Mitglieder keine, oder nur sehr wenige ernsthaft giftige Vertreter beherbergt, kann der oben beschriebene Test durchgeführt werden. binary options Aber nur dann.

Pflanzen aus Familien, die als bedenklich oder stark giftig eingeschätzt werden müssen, dürfen auf keinen Fall auf diese Weise probiert werden.

Wenn Sie in einem Buch oder im Internet eine andere Anleitung für solche Genießbarkeitstests finden, suchen Sie sich am besten die Wirkungen für verschiedene stark giftige Pflanzen heraus und machen ein Gedankenexperiment:

Wie würde etwa der Körper reagieren, wenn auf diese Weise die Knolle des Eisenhuts Aconitum spec. oder des Zerberusbaum Cerbera odollam getestet würde? (Beide Pflanzen sind höchst giftig, geringe Mengen können gekaut schon zum Tod führen)

Welche Symptome wären während einem vier Stunden andauernden Test mit einer Herbstzeitlose Colchicum spec. zu erwarten? (Die Vergiftung jener Pflanze setzt in der Regel erst lange nach dem Verzehr ein)

Wie viel Pflanzenmaterial haben Sie schon zu sich genommen, bis die ersten Reaktionen wahr genommen werden können?

Vermutlich mag das für den ein oder anderen Leser eine herbe Enttäuschung werden, erwarten manche vielleicht, dass mit einer einfachen Regel oder einem simpel durchführbaren Genießbarkeitstest die Arbeit des Lernens und Verinnerlichens der Pflanzengruppen übersprungen werden kann.

Wenn wir die Lage jedoch realistisch betrachten, führt kein Weg daran vorbei. Alleine diese Grundlage erlaubt es Ihnen diesen Test ohne die große Gefahr bleibender Schäden durchzuführen.

Fazit:

Die Form, in der Genießbarkeitstests in vielen Survivalbüchern propagiert werden, kann zu schwersten Vergiftungen führen. Während der Vorgang in der Regel einigermaßen korrekt beschrieben wird, fehlt eine wichtige Voraussetzung: Die Bewertung des Grundrisikos einer Pflanzenfamilie. Der Genießbarkeitstest ist keine Möglichkeit, das Lernen von Pflanzenfamilien zu umgehen. Vielmehr ist umfangreiches Fachwissen die Voraussetzung, den Genießbarkeitstest durchzuführen.

 

*umfangreiche systematische Beschreibungen essbarer und giftiger Pflanzengruppen weltweit finden Sie im Buch »Pflanzliche Notnahrung, Pietsch Verlag, Februar 2012«

Ich freue mich sehr auf Rückmeldungen zu den Artikeln (an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), sowie über Anregungen zu weiteren »Survivalmythen«, die ich zur Aufklärung nach neuen wissenschaftlichen Angaben überprüfen und in der Praxis austesten werde.

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