Der Mensch benötigt wie alle Lebewesen dieser Erde eine stetige Versorgung mit verschiedenen Stoffen um am Leben zu bleiben. Hierzu gehören Sauerstoff aus der Atemluft, trinkbares Wasser sowie Nährstoffe nebst Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Während Luft und Trinkwasser ständig verfügbar sein müssen, kann der Mensch auch einige Tage ohne Nahrung überdauern.

Dass der Hungerzustand in einer Extremsituation nicht vorteilhaft ist, habe ich in verschiedenen Artikeln und Büchern schon hervorgehoben. Also benötigt man früher oder später auch etwas zum Essen. Die benötigte Nahrungsmenge ist jedoch davon abhängig, wie viel Energie der Körper benötigt beziehungsweise verbraucht.

Neben der mechanischen Arbeit, also der Bewegung, wird der größte Teil der Energie in den Wärmeerhalt investiert.

Im Winter und bei sehr kalten Temperaturen benötigt man mehr Energie, als in der Sommerwärme. Hieraus ergibt sich jedoch ein Dilemma. Im Sommer, wenn Nahrung nicht so wichtig ist wie im Winter, ist Essbares im Überfluss vorhanden. Im Winter dagegen benötigt man erweitertes Wissen über die Botanik, um anhand von vegetativen Merkmalen essbare Pflanzen von giftigen zu unterscheiden. Denn tatsächlich gibt es auch im Winter sehr viele essbare Pflanzen, mehr noch, sie enthalten im Winter oft deutlich mehr Energie als im Frühjahr oder Sommer (Darum kümmern wir uns in einem eigenen Kapitel). Man muss jedoch wissen, welche essbare Pflanzen für welches Biotop typisch sind und wie sie im Winter anhand von Wuchs, Blattresten und Fruchtständen erkannt werden können.

Da dies eine durchaus anspruchsvolle Arbeit ist, vereinfachen sich viele das Ganze in dem sie postulieren, dass sich Notnahrung im Winter idealerweise aus dem Kambium, einer Teilungsschicht zwischen Holz und Borke bei Bäumen zusammensetzt.

Diese Behauptung taucht seit Jahren immer wieder mal auf, vorzugsweise in der kälteren Jahreszeit.

Der Faktencheck

Um diese Aussage analysieren zu können, müssen Sie erst einmal wissen, was Kambium ist.

Zweikeimblättrige Pflanzen führen das sogenannte sekundäre Dickenwachstum durch. Das bedeutet, dass sie zeitlebens nicht nur höher also größer wachsen können, sondern auch im Umfang zunehmen. Diese Eigenschaft unterscheidet diese Pflanzengruppe von den Einkeimblättrigen (mit wenigen Ausnahmen wie den Drachenbäumen), die zu Beginn den exakt selben Durchmesser haben, wie Jahre später. Palmen und Gräser wie Bambus sind ein sehr eindrucksvolles Beispiel. Die meisten Bäume gehören zu den Zweikeimblättrigen oder zu den Koniferen, also den Nadelgehölzen, die einen ähnlichen Dickenwuchs haben.

Das Dickenwachstum bei Bäumen (aber auch bei kleineren Gehölzen) erfolgt in den äußeren Schichten des Gewächses. Wie Sie wissen, sind die inneren Bereiche, also das Holz fest und verändern sich nicht mehr selbst im Durchmesser. Die inneren Jahresringgröße vergrößern sich im Alter also nicht mehr. Der Baum nimmt an Umfang zu, indem er unter der Borke neue Zellen bildet. Dafür ist eine binäre optionen einzelne teilungsfähige Zellschicht verantwortlich. opzione binaria eu Diese dünne Zellschicht ist das Kambium. Nach innen geteilte Zellen werden zu Holz, auf dem sich der Kambiumring erweitert. Nach außen werden Zellschichten abgegeben, die man als »Bast« bezeichnet. Dieser dehnt sich, wird chemisch stabilisiert und bricht später als neue Borke durch die schon vorhandene - deshalb ist Borke in aller Regel aufgerissen (etwa bei Walnussbäumen), oder durch starke horizontale Dehnungsbereiche durchsetzt (wie bei der Linde). Die teilungsfähige Kambiumschicht ist also mikroskopisch dünn. Was von Bäumen zum Notverzehr im Winter in aller Regel abgezogen wird, ist das Kambium zusammen mit der sehr viel dickeren Schicht aus Bast (genauer »Phloem«) und Holz- bzw. »Xylem«resten. Diese lederartigen Fasern bestehen größtenteils aus Zellulose und sind noch nicht richtig »verholzt«, wie die spätere Einlagerung von »Lignin« genannt wird. Die vermeintliche Kambiumschicht besteht praktisch aus »weichem« Holz.

Nun gibt es durchaus Tiere, die für Wildverbiss an Jungholz bekannt sind. Kaninchen und Rehe knabbern in Notzeiten die unteren Rindenbereiche von Holunder, Weinreben und anderen Gewächsen ab. Diese Tiere haben im Vergleich zu uns jedoch einen entscheidenden Vorteil: binary options stock trading es sind Pflanzenfresser. Wiederkäuer wie Rehe können mit Hilfe von Kleinstlebewesen in ihren Mägen die Zelullose aufschließen, Koprophagen fressen hingegen den durch Bakterien und Einzellern im Blinddarm verdauten Pflanzenbrei (also Kot) ein zweites Mal. Da ich noch keinen wiederkäuenden Survival-Notnahrungssuchenden gesehen habe und (glücklicherweise) keinen bastknabbernden Bushcrafter bei dem Versuch einer koprophagischen Verrenkung überraschen musste, gehe ich davon aus, dass auch die fleißigen Abschreiber dieser Technik nicht in der Lage sind, die hochenergetische aber für und wertlose Zellulose zu verdauen.

Fazit:

Woher diese Technik kommen mag, ist schwer zu sagen. Tatsächlich wurden Eicheln, Kartoffeln und Bastbereiche, teilweise sogar Sägespäne zum Strecken von Mehl verwendet, wenn in Kriegs- und Hungerszeiten nicht genügend Getreide verfügbar war. iq option site Hier liegt jedoch die Betonung auf »gestreckt«. Denn nicht die hohe Nährstoffdichte, sondern die Eigenschaft als quellfähiger Ballaststoff hat das Vermengen von Streckmittel mit Getreide sinnvoll gemacht. Ein weiteres sicheres Merkmal, dass der Verzehr von Kambium nicht nützlich im Sinne der Energiegewinnung sein kann, ist, dass weltweit keine Kultur sich auf den Anbau von robusten Bäumen zum Gewinn des Kambiummehls spezialisiert hat.

Letztendlich ist zu sagen, dass bei giftigen Gehölzen auch die Kambiumschicht sowie daran hängendes Holz/Bast hochgiftig sein kann. Wer sich im Winter von Pflanzen ernähren möchte, sollte sich besser die sicheren Merkmale von essbaren Gewächsen einprägen, als sich auf die sehr viel einfachere, jedoch sinnlose Kambiummehltaktik zu berufen. Wer sich im Winter mit Ballaststoffen gegen den Hunger versorgen will, hat weit bekömmlichere und schnellere Möglichkeiten, als Bäume zu schälen.

binary options trading odds Wir Menschen sind nun mal keine Biber – auch nicht im Winter.

 

Ich freue mich sehr auf Rückmeldungen zu den Artikeln (an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), sowie über Anregungen zu weiteren »Survivalmythen«, die ich zur Aufklärung nach neuen wissenschaftlichen Angaben überprüfen und in der Praxis austesten werde.

Bitte beachten Sie, dass alle Artikel dem Urheberrecht (und damit dem jeweiligen Autor) unterstehen und weder kopiert noch anderweitig veröffentlicht oder gar kommerziell eingesetzt werden dürfen.

Im Rahmen eines Zitates mit Verlinkung auf die entsprechenden Artikel auf dieser Seite sind Auszüge selbstverständlich erlaubt. Dies gilt nicht für Full-Text-Quotes, sondern nur für themenrelevante Abschnitte in Forendiskussionen etc.