Projekt Vietnam
Als im Frühjahr 1965 Amerikanische Truppen in den schon Jahrzehnte währenden Krieg einstiegen und so den zweiten Teil des so genannten Indochinakrieges markierten, war noch den wenigsten Einwohnern Vietnams bewusst, dass sich der Konflikt zu einem Krieg ausweiten sollte, der in seiner bedingungslosen Vernichtung des gesamten Landes beispiellos war. Die Anzahl der abgeworfenen Bomben der alliierten Streitkräfte soll die Anzahl im zweiten Weltkrieg abgeworfenen um ein fünffaches übertroffen haben.

Während hauptsächlich amerikanische sowie verbündete Truppenverbände versuchten, den Süden Vietnams gegen die kommunistische "Okkupation" zu verteidigen und die Nordvietnamesischen Provinzen zu befreien, wurde der Vietkong, eine oftmals aus im Dschungel versteckten und lebenden Guerrillaarmeen bestehende Kampfmacht, durch den mächtigen Warschauer Pakt finanziert und unterstützt.
Dieser Stellvertreterkrieg zwischen den beiden verfeindeten Großmächten Nato und Warschauer Pakt sollte eine der blutigsten Konflikten unserer Zeit werden. Weltpolitische Machtkämpfe wurde auf einem Schachbrett ausgehandelt, das aus den biologisch artenreichsten Ländern der Welt bestand. Auf den durch harte Feldarbeit ohnehin gekrümmten Rücken der Landbevölkerung wurde ein Krieg ausgetragen, der nicht nur die kulturelle und infrastrukturelle Entwicklung über Jahrzehnte blockierte, sondern das gesamte Land in einen Zustand vorindustrieller Steinzeit zurückbombte.

Neben dem Bombardement erfuhren besonders die dicht bewaldeten Gebiete eine Vergiftung mit Entlaubungsmitteln. Die über 50 Millionen Liter Entlaubungsmittel enthielten große Mengen eines Dioxins. Neben dem Umstand, dass große Waldgebiete verseucht und vernichtet worden sind, ergab sich ein dramatischer Anstieg von Missbildungen und Todgeburten.

Michaela Schober, Biologiestudentin, Fachbereiche Zoologie, Genetik und Mikrobiologie. Auf der Nebenexpedition zum Projekt Gibb-River-Road 2006 kam sie das erste mal mit der Expeditionstechnik und den wichtigen Fähigkeiten in Berührung, die zum erfolgreichen Abschluss des Projektes Vietnam 2008 notwendig sind. Ihr Fachbereich auf der Expedition ist die Präparation von gefangenen Tieren und die strukturelle Organisation der Fangexpeditionen.
Johannes Vogel, Survivaltrainer, Überlebenskünstler und Biologiestudent mit den Fachbereichen Zoologie, Genetik und Mikrobiologie. Mit zahlreichen erfolgreichen Expeditionen und Extremreisen in abgelegene Regionen und extreme Biotope bildet er die Grundsicherung der Fangexpeditionen. Durch die erlernten Fertigkeiten sowie einer schnellen Auffassungsgabe neuer indigener Techniken sichert er zusammen mit Michaela die Notfallversorgung bei unerwarteten Ereignissen sowie dem Fallenbau und Fang der zu untersuchenden Tiere.

Durch die hohe Zahl Gefallener und das Ausbleiben einer Generation, die die schwere Feldarbeit wieder aufnehmen konnte, brach die Zahl der in Vietnam lebenden Erwachsenen dramatisch ein.

Nach dem Abzug der Amerikanischen Truppen verfiel das Land jedoch nicht wie erwartet dem Chaos, lokaler Konflikte oder einem Bürgerkrieg. Vielmehr begannen die verbliebenen Einwohner das Land, die nahezu vollständig zerstörte Infrastruktur und die zerbombten Städte wieder aufzubauen.



Unter einer sozialistischen Einheitsregierung begann die Bevölkerung sich zu vereinen, in einem Land, das aus vielen Provinzen, Minoritäten und einer Bevölkerung von über 80 Millionen besteht. Ein Land, das als Bandwurm mit rund 3000 km Länge an China, Laos und Kambodia grenzt. Eine sozialistische Regierung schaffte es Vietnam mit seinen abgelegenen Gebirgsregionen nach über einer Generation Krieg zu einen.

So fremd die kommunistische Welt bis zum Fall des eisernen Vorhangs war, so unsicher wurde Vietnam als Reiseland bis heute angesehen. Die erste Assoziation des Wortes ist nicht das tropische und subtropische Land mit vermutlich den meisten Tierarten der Welt. Es ist nicht eine Jahrtausende währende Kultur, die tief im Regenwald Dörfer, Kultstätten und Metropolen bildete. Es ist nicht die Unabhängigkeit und der Aufbruch zu einem besseren Leben.

Das erste an das man denkt, wenn man das Wort Vietnam hört, ist "Vietnamkrieg".

Genau aus diesem Grund ist Vietnam bis heute vom Massentourismus verschont geblieben. In großen Teilen noch frei von Diskotheken am Strand, Millionen von Rucksacktouristen und Rotlichtvierteln mit Kinderprostituierten. Aber gerade durch den industriellen Rückstand ist das Reisen in Vietnam nicht unproblematisch. Während Kriminalität gegenüber Touristen fast gänzlich unbekannt ist, sind Fortbewegung, Medizin und Notfallversorgung mehr als problematisch. Besonders während der Regenzeit zwischen Mai und Oktober kommt es regelmäßig zu dramatischen Situationen:

Am 12. August 2008 schreibt das auswärtige Amt:

Aktueller Hinweis Stand 21.08.2008 (Unverändert gültig seit: 12.08.2008) Aufgrund schwerer Unwetter im Norden Vietnams wurde die Infrastruktur stark in Mitleidenschaft gezogen, wovon insbesondere das Schienennetz der dortigen Eisenbahn betroffen ist. Reisenden wird empfohlen, die örtlichen Medien zu verfolgen und ihre Reiseplanungen entsprechend anzupassen.

Nicht nur deshalb ist Vietnam bis Heute als Reiseland noch spärlich von Europäern besucht. Im allgemeinen Verständnis scheint besonders bei Reisenden aus Ländern der ehemaligen Westmächten die Erwartung einer ablehnenden oder gar feindlichen Haltung zu bestehen.


Einige Gründe uns besonders auf diese Reise vorzubereiten:

Ein unberührtes Land mit ursprünglicher Landbevölkerung, ohne flächendeckend etabliertem Massentourismus. Ein abgelegenes Land mit unglaublicher Biodiversität, mit Regenwald, subtropischen Regionen. Der Indochinesische Traum eines Abenteuers inmitten einer bizarr und gefährlich anmutenden Umwelt, die mit dem richtigen Wissen die Grundlagen für ein unabhängiges Reisen gewährt. Unabhängig von Nahrungslieferungen, unabhängig von der instabilen Infrastruktur und unabhängig von touristisch ausgetretenen Pfaden werden wir uns auf den Weg machen, um einen kleinen Teil der atemberaubenden Schönheit im Osten zu erforschen.

Wir werden uns das Wissen aneignen, das es uns erlaubt autark im Regenwald in abgelegenen Regionen Vietnams zu leben und Tiere für Forschungszwecke zu sammeln. Und das Leben und Überleben der ehemaligen Kämpfer des Vietkongs und ihren Kindern und Enkeln kennen lernen.