Die Expedition
Die geplante Reise ist besonders stark von den geographischen und klimatischen Begebenheiten vorbestimmt. Das Land liegt südlich von Ost-Süd-China, eingeschlossen von Laos und Kambodia. Das rund 3000 Kilometer lange Land erstreckt sich als schmaler Streifen. Östlich wird Vietnam von einem Küstensaum begrenzt, westlich von Vietnam erheben sich tropische und subtropische Gebirge. Etwa in der Hälfte teilt das Massiv des Wolkenpass Vietnam in zwei Klimatische und kulturelle Zonen.

So teilt sich auch das Projekt Vietnam in zwei Reiseabschnitte in tropischer und subtropischer Umgebung. Es wird eine Expedition per Bus, zu Fuß, mir dem Boot und vielen anderen ungewöhnlichen Fortbewegungsmethoden, mit dem Ziel möglichst abgelegene und fast unereichbare Gewässer an den Oberläufen der großen Ströme zu finden, die aus dem Bergland kommend, in Kurven die Küste erreichen, um sich dort in ausgedehnten Deltas zu verlieren.

Nach Ankunft in Ho-Chi-Minh-Town bewegen wir uns mit Verkehrsmitteln in Richtung Norden, um an größeren Flüssen mehrtägige Exkursionen vorzubereiten.
Mit einer vollständigen Dschungelausrüstung, die aufgrund der klimatischen Extrembedingung nicht mehr als 15 kg wiegen darf, folgen wir den Flüssen mehrere Tage, um in abgelegenen Teilen des Dschungels kleine Biotope mit ruhig fließendem Wasser zu suchen.

Während sich unsere ursprünglich geplante Reise auf das Erlernen und Üben der notwendigen indigenen Überlebenstechniken der Einheimischen beschränkt war, fügte sich durch Zufall eine weitere Aufgabe an diese Reise an: Der Fang und das wissenschaftliche Untersuchen bestimmter Parasiten. Um dieses Projekt in unsere ursprüngliche Reiseplanung einzufügen, ohne große Teile aufzugeben, einigten wir uns mit unserem zuständigen Parasitologieprofessor auf eine Vorgehensweise: Auf die gesamte Länge Vietnams verteilt fangen wir Aale aus unterschiedlichsten Biotopen, um durch entnommene Proben ihre Art, sowie die Art der in ihnen lebenden Parasiten in Deutschland molekularbiologisch zu untersuchen.

Ziel ist es mehr über die natürliche Variation eines bestimmten Parasiten des Aals zu erfahren, der vor 25 Jahren in Europa eingeschleppt wurde und nun die Population der Europäischen Aale zu bedrohen scheint.

Neben den in Feldarbeit gewonnenen Daten und Proben werden wir nach dem überqueren des Wolkenpass "Deo Hai Van", in Hanoi eine größere Menge von Aalen untersuchen, die dort aus Aquakulturen entnommen werden. Auch hier wird versucht zusätzlich statistisch ausreichende Daten aus Wildpopulationen zu erhalten und zu untersuchen.

Der so zusätzlich entstandene Anspruch der Reise liegt in den Techniken, mit möglichst geringem Aufwand eine große Menge von Tieren in der Natur zu fangen. So werden wir nicht nur auf die Fertigkeiten zurückgreifen Reusen und Fanggeräte zu bauen, sondern die gesamte Infrastruktur des Lagerlebens auf ein Minimum eingebrachter Ressourcen und ein Maximum vor Ort verwendeter Materialien beschränken.

Diese anspruchsvolle Aufgabe kann nur durch das gezielte und über Jahre eingespielte Zusammenarbeiten erfolgen. Aufgrund zahlreicher gemeinsamer Reisen durch ungewöhnliche klimatische Bedingungen und teilweise gefährliche Situationen ist diese Kooperation im schlagkräftigen "Zweimann-Team" für uns die minimalistische und produktive Reisegruppierung.