| Trampen, eine Anleitung |
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Aber jetzt ist es doch etwas neues. Du hast deinen gesamten „Hausrat“ im Rucksack. „Hoffentlich nimmt mich jemand mit!Bloß nicht wieder unverrichteter Dinge heimkehren müssen. Was ist das?“ ein Auto hält und der Fahrer hupt. Was jetzt? Türe aufreißen, an den Kofferraum gehen oder einfach reinsetzen? Ich habe da auf jeden Fall mein eigenes System. Ich renne erst einmal in Richtung Wagen. Den Rucksack habe ich entweder in "weiser Voraussicht" schon weiter „stömungsabwärts“ hingestellt oder ich reiße ihn beim Vorbeirennen mit- so gut sollte er gepackt sein und so robust sollte er sein, damit er das aushält. Standorttipps:
Selbstverständlich ist es nicht wahrscheinlich, dass du nur Menschen triffst, die auf deiner Wellenlänge liegen. Aber hier kann man nachhelfen. Davon jedoch später. Der Fahrer wird entweder die Türe einen Spalt geöffnet haben oder das Fenster heruntergekurbelt und dich im ersten Moment recht barsch ausfragend und skeptisch anschauen. Das liegt jedoch nicht an deiner krummen Nase oder deinen Kleidern, der Blick ist obligatorisch, als ob aller Autofahrer der Welt sich gegen dich verschworen hätten. Lass sich davon nicht entmutigen. Klar und deutlich fragend rufst du „Richtung Berlin?“ beziehungsweise dein Reiseziel und in der entsprechenden Sprache. Selbst wenn auf deinem Schild klar und deutlich steht wohin du willst machst du dies. Er wird nicken: „hm. Bis Kassel kann ich dich mitnehmen.“ Ich antworte dann immer strahlend (auch wenn ich nur 5 Kilometer voran komme und auch laufen hätte können) „Gerne, Dankeschön“. Dein Gepäck nimmst du entweder auf den Schoß (solange es den Fahrer nicht stört) oder er wird dir sagen wohin du es packen kannst. Auf keinen Fall bediene dich selbst am Kofferraum oder schmeiße es irgendwo hin. Manche Fahrer sind da sehr eigen. Ich nehme hier kurz die Gelegenheit war und erkläre warum ich Fahrer schreibe und nicht Fahrer/In oder Anhalter/In. Das hat nicht den Grund, dass ich der feministischen Bewegung entgegenstehe, erstens stört es jedoch den Lese- und Schreibfluss und zweitens gibt es tatsächlich nur sehr selten Frauen die Anhalter mitnehmen und noch seltener alleine trampende Mädchen, was sehr schade ist, aber angesichts der damit verbundenen Gefahren verständlich.
Jeder erfahrene Anhalter hat sicherlich seine eigenen „Geheimtipps“ um die Stimmung im Wagen gut zu halten. Als Anfänger kann man aber einfach in Fettnäpfchen treten. Grundregeln, die ich für mich aufgestellt habe: - Bedanken. Für jede Kleinigkeit, dabei die Form wahren, sich vorstellen, das Reiseziel angeben und den Beruf. -Ablehnen. Der Fahrer wird sich auf langen Strecken etwas zu essen eingepackt haben und dir davon anbieten. (Wenn er es nicht macht ist es ein schlechtes Zeichen für die weitere Fahrt) Meine Grundregel ist immer ablehnen. Nicht weil ich befürchte es handelt sich um einen Massenmörder, der sich Tramper zum Vergiften von der Autobahn pflückt, sondern weil ich keine Umstände machen will. Erst wenn er mir das Essen regelrecht aufdrängt und ein weiteres Ablehnen unhöflich wäre nehme ich an. Sonst sage ich "Ich esse nie, wenn ich unterwegs bin" oder so etwas Ähnliches. Politik, Wetter, Straße und Auto sind aber auch gerne verwendete Themen. Doch achte dabei auf das Zustimmen. Der Fahrer muss sich auf die Straße zu konzentrieren. Er möchte nicht in philosophische Tiefen vordringen. Falls er das will, wird er es dir zeigen. Aber egal worüber ihr redet: Deine Meinung ist sekundär. Folge lieber in die Richtung des Themas, in der er dich leiten möchte. Zum Diskutieren geh zu Freunden oder an den Stammtisch. Beim Trampen kannst du zwar fürwahr etwas provokativ kitzeln, aber nur um dem Gegenüber durch dein letztendliches Einlenken ein Gefühl der Überlegenheit zu schenken, auch wenn du Jura studierst und er Krankenpfleger ist. „Aha. Stimmt eigentlich. Hmmm. So hab ich das noch gar nicht betrachtet!“ Und dein Gesprächspartner wird in euphorischen Glücksgefühlen schwelgen. In Spanien hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit einem LKW-Fahrer von Danone der mir zum Abschied 5 Kilogramm Puddings, Fruchtmilch und Joghurts aus dem Kühlabteil holte. „Comé!“ - Anbieten: Wenn ihr an einer Zahlstele steht und dein Fahrer hektisch im Portmonee sucht, frag ihn: „Brauchen Sie Kleingeld?“ und fische deine eigene Börse heraus. Biete von deinem Wasser oder Essen an. Er wird dankend ablehnen – oder annehmen , auf jeden Fall wird ihm deine Bereitschaft gefallen. Obligatorisches Zahlen für die Mitnahme würde ich trotzdem nie, vor allem nicht wenn mich ein Autofahrer dazu auffordert „Ich nehme dich für so und soviel mit.“. Dafür gibt es Taxen und Reisebusse. Schild oder Daumen? Will jemand Anhalter mitnehmen wird er stoppen und fragen wohin du willst, was er mit dem Schild möglicherweise nicht machen würde. Es ist auch ein klein wenig Einstellungssache. ‚Schildler' vs. ‚Däumlinge'. Nach der Fahrt Nach dem Aussteigen bedankst du dich nochmals vielmals, gerne auch mit einem falschen und überzogenen Superlativ der Landessprache, die Leute werden es toll finden. „Muchisimas Gracias!“ Das impliziert jedoch auch dass du die „Basics“ der Landessprache kennen solltest. „Danke, Bitte etc.“ Wichtig ist dass du versuchst die Muttersprache des Fahrers zu sprechen. Es wird als Versuch nur positiv gewertet, egal wie falsch du redest. Auf keinen Fall steig ein und frag: „Sprichst du deutsch?“! Findest du jedoch jemanden der deutsch spricht, pass dich an! Schimpf auch etwas über die „Bullen“, wenn es dein Sitznachbar macht. Böse Zungen würden mir nun das Oportunisieren vorhalten, aber beim Trampen finde ich das okay. Wichtig ist auch deine äußere Erscheinung. Grundregel ist: –so witzig es sich anhört -weniger ist mehr . In Sandalen mit einer kurzen Hose und einer kleinen Weste stehe ich in der Regel, wenn es das Wetter erlaubt. Weniger spielt hierbei der, wenn man ihn so nennen darf, erotische Aspekt eine Rolle. Vielmehr taxiert ein Autofahrer ob ihm der Anhalter gefährlich werden kann. Und desto lustiger du aussiehst desto weniger Angst hat er vor dir. Für Mädchen und Frauen gilt das „weniger ist mehr“ leider nicht. Aber diese brauchen keine speziellen Strategien. Mädels die alleine trampen sind schneller weg als sie da stehen. Aber sie haben ganz andere Probleme wie körperliche Übergriffe, vor denen aber nicht einmal Männer sicher sind. Ferner gilt: Keinen Hut, keine Sonnenbrille. Man will deine Augen sehen. Sie sagen viel über dich aus und schaffen eine Vertrauensbasis. Versuche gepflegt auszusehen. Selbst oder gerade wenn du schon länger unterwegs bist. Gefahren: Während ich in zwei Monaten Australien keine einzige Situation in dieser Richtung erlebte waren es in Spanien innerhalb weniger Wochen fünf! Aber generell gilt:auf keine diese Angebote eingehen, egal wie verzweifelt du sein magst oder wie utopisch hoch die Angebote sein mögen. Halte vielmehr – vor allem als Frau – den bewährten Pfefferspray bereit und zeige dass du deine Meinung auch vertreten kannst. Sei auf keinen Fall eingeschüchtert, panisch oder peinlich berührt. Diese Menschen wollen ihre perversen Gedanken an hilfsbedürftigen ausleben. Sie haben gegebenenfalls einen Denkzettel verdient. In vielen Ländern wird es nichts nützen zur Polizei zu gehen. Du wirst dich selbst verteidigen müssen. Ich differenziere trotzdem zwischen dem Perversen der mich zu etwas nötigen will und dem unglücklich verliebten Homosexuellen, der vorsichtig eine Annäherung an einen „weltoffeneren Mitteleuropäer“ versucht. Auch das ist mir schon öfters passiert. Trotzdem verhalte ich mich ihnen gegenüber bestimmt und ablehnend. Ich stehe nunmal nicht auf deren „Uferseite“. In Griechenland unterhielt mich lange mit einem jungen Wachmann am Bahnhof, der dies versuchte. Jedoch sehr zaghaf und unbeholfent. Er erklärte mir dass dort in Griechenland eine starke Abneigung gegenüber einer „Homoszene“ gäbe und die Utopie besteht in Mitteleuropa (Deutschland ) würde jeder mit....- also etwas freidenkender auf jeden Fall. Er machte mir sogar ein nettes Kompliment: „If you was gay, you would be a very successful gay!“. Ich interessiere mich aber nun mal nicht für Männer. Diese Gespräche gehören trotzdem zu den netten Erfahrungen. Teste einfach das Trampen an einem freien Tag. Wenn du gut bist schaffst du innerhalb eines Tages mehrere tausend Kilometer, was zugegebener Weise auch etwas vom Glück abhängt. Aber ein paar hundert Kilometer sollten schon möglich sein. Verbessere dauernd deine Strategie. Und du wirst während deiner nächsten Reise sehr viel Geld sparen können. {moscomment} |