Profil:

  • Reisezeit: Sommer 2006
  • Ort: Westaustralien, Kimerleys, Outback
  • Weg: 500 Kilometer durch das Outback auf der Gibb River Road vollautark
  • Gruppenstärke: Dyade
  • Referenzprojekte: Trans Negev 2008, Walk'in the Sky (Salar de Uyuni 2012), Projekt TaSaB

Das Projekt Gibb-River-Road war eine Herausforderung, die mich seit meiner ersten Reise nach Australien 2003 nicht mehr los ließ.

Auf die Gibb-River-Road gelang ich seinerzeit eher durch Zufall nach meiner Reise mit Malcolm Douglas 2003 und vor dem Besuch der Aboriginal-Communitys im Norden.

 

Der berüchtigte Track

Die Gibb-River-Road ist eine Staub- und Kies-Piste durch den wildesten Teil Westaustraliens, die Region der Kimerleys. Hier findet man abseits der Wege nicht nur die mächtigen Affenbrotbäume und viele unterschiedliche Eukalyptusarten, sondern auch tausende Silbereichen mit ihren ätzenden Beeren. Westaustralien ist die trockene Heimat der Red-Back-Spider, des Inlandtaipans, der King-Brown-Schlange, der Todesotter und unzähligen anderen wehrhaften Tieren.

Nach vielen Monaten der Vorbereitung und des Trainings begann das Projekt 2006, zu dem ich und mein Reisepartner Markus Kron uns auf verschiedene Vorgaben geeinigt haben:

- Die 500 km durch das Outback müssen zu Fuß, vollautark und »by Fair Means« bewältigt werden.

- Es werden keine Nahrungs- oder Wasserlager angelegt. Die mitgeführte Nahrung besteht aus 1 kg Reis je Person für knapp den geplanten Monat Marschzeit – also rund 30 Gramm Reis am Tag.

- Die restliche Nahrung muss vollständig in der Natur mit primitiven Mitteln und Survivaltechniken gesammelt, gefangen und konserviert werden.

Aus dem Zentrum der Kimberleys, in der Nähe der abgelegenen Gibb-River-Station, startete unsere Tour zu Fuß durch die unterschiedlichen Vegetationszonen und Höhenlagen.

Die Hauptnahrung bestand aus Fisch, Reptilien (wie Schildkröten und Varane), Krebsen und Vögeln.

Die sportlich sehr herausfordernde Strecke führte über Berge, steile Hänge und durch sengende Planflächen durch den Busch Australiens. Nach wenigen Tagen erreichten wir Tagesstreckenleistungen von 40 bis 50 Kilometern, die wir durch regelmäßig eingelegte Heilungs- und Pausentage beibehalten konnten.

 

Ein Survivalexperiment wird zum Überlebenskampf

Neben der ständigen Gefahr von Schlangen, Spinnen und Skorpionen waren Wassermangel und Durst die ständigen Begleiter. In der Region um Lennard-River zeigte sich, wie unsicher die Wasserstellen im Übergang von Regenzeit zu Trockenzeit verfügbar waren. Wo Wasser vorhanden war, füllten wir die Vorräte auf – auch wenn es sich nur um durch Tierdung verunreinigte Sumpflöcher handelte.

Nachdem wir Lennard-River-Crossing erreicht hatten, legten wir einige Tage Rast ein und fingen genügend Fische für die letzte, 130 Kilometer dauernde Etappe ohne Wasserstellen. Hier ereilte mich/uns gleich zwei Mal innerhalb 24 Stunden der fast sichere Tod. Am Ende eines Marschtages, an dem wir die 60 Kilometermarke knackten, trat ich – nur mit kurzen Hosen und Sandalen bekleidet – auf einen Australischen Inlandtaipan, der nur durch Zufall meinen Knöchel verfehlte und dann im Dickicht verschwand. Tags darauf um fast die gleiche Zeit waren wir gerade auf der Suche nach einer Lagerstelle, als wenige hundert Meter Rauch und Flammen aus den Bäumen schlug. In kurzer Zeit wurden wir uns gewahr, dass gerade ein riesiges Buschfeuer auf uns zurannte.

Markus und ich legten ein Gegenfeuer und hofften inständig darauf, dass uns das Hauptfeuer verfehlen würde. Durch das große Glück, dass der Wind am Abend ruhiger wurde, erreichten die Flammen nicht unsere Lagerstelle, an der wir durch feuchte Tücher atmend die Nacht verbrachten.

Es war mit Abstand die schlimmste Nacht meines Lebens.

Nach rund drei Wochen erreichten wir – jeweils rund 15 Kilogramm an Körpergewicht leichter – Derby, wo wir die bezwungene Gibb-River-Road mit allem feierten, was zwei große Männer essen und trinken können.

Es war eine meiner wichtigsten Touren überhaupt. Hier entstanden die bisher beeindruckendsten Bilder meiner Vorträge.