Profil:

  • Reisezeit: März 2008
  • Ort: Ägypten, Libysche Wüste
  • Weg: 200 Kilometer durch die Schwarze und Weiße Wüste vollautark
  • Gruppenstärke: Dyade
  • Referenzprojekte: Trans Negev 2008, Walk'in the Sky (Salar de Uyuni 2012), Projekt GRR

 

Projekt TaSaB – Trans as Sahara al Beida

Im Fühjahr 2008 war für meinen Reisekamerad Norbert und mich der Zeitpunkt gekommen, einen kleinen Traum zu verwirklichen – ein Projekt, an dessen Durchführung heute aus politischen Gründen nicht mehr gedacht werden kann.

Wüsten und Oasen

Die Libysche Wüste in Ägypten ist ein Teil der nord-westlichen Sahara und reicht von Libyen bis ans Nildelta.

Die vollaride Wüste ist geprägt von den extrem seltenen Regenfällen und beherbergt nur wenige spezialisierte Säugetiere wie Wüstenfüchse und Mäuse, Wirbellose (Spinnen, Walzenspinnen, Skorpione), ein paar Schlangen und im südlichen Kerngebiet praktisch keinerlei Pflanzen. Sie gehört zu den trockensten und dennoch abwechslungsreichsten Wüsten der Welt.

Geplant war die vollautarke Teildurchquerung von Norden nach Süden zwischen den fruchtbaren und seit Jahrtausenden bewohnten Oasen Bahariyya (Bawiti) im Norden und Farafra im Süden. Der Weg sollte uns durch zwei der spektakulärsten Wüsten dieser Erde führen.

Die Schwarze Wüste (as Sahara al Sauda) ist fast vollständig von schwarzem Basalt- und Feuersteinschotter bedeckt. In dieser einsamen, düsteren und trostlosen Mondlandschaft bieten nur vereinzelte Hügel und Dünen Abwechslung. Durch den dunklen Untergrund heizt sich die bodennahe Luft extrem auf; die Hügel verhindern jede Luftbewegung – eine wahre Hölle. Die Weiße Wüste (as Sahara al Beida) dagegen besteht aus tausenden haushohen Kalkmonolithen, deren Erosionsflächen durch den Abtrag vom umgebenen Sandboden ständig variiert. Auf diese Weise entstanden über hunderttausende Jahre Pilze, Säulen und andere bizarr anmutenden Figuren, die still dem dort oft herrschenden Sandsturm trotzen.

Durch die schwarze Hölle

Im Herbst 2006 begannen Planung und Vorbereitung. Der geplante Weg führte in Schlingen durch die schwarze Wüste nach Süden, auf ein Basaltplateau. Von dort aus, etwa 80 Kilometer westlich jeder Zivilisation weiter bis westlich der erschlossenen Weißen Wüste und durch die Oasen der Siedlung Farafra bis zum Ziel. Berechnet und mitgeführt wurden pro Person auf der Sulky zeitweise 60 (!) Liter Trinkwasser, die für 10 Tage bei harter körperlicher Belastung und mäßigen Temperaturen ausreichen würden. Unterwegs Wasser aufzunehmen ist in dieser Wüste ein unmögliches Unterfangen.

Klimadiagramme der letzten Jahrzehnte haben für diese Jahreszeit eine Tagestemperatur von ungefähr 20° bis 25° Celsius vorhergesagt.

Im Herzen der schwarzen Hölle stiegen die Temperaturen jedoch durch verfrühte Chamsin (heiße Luft aus Tschad) bei mittäglicher Windstile auf nicht mehr vertretbare 46° Celsius im Schatten.

Innerhalb einer einzigen Mittagshitze erlitten wir beide einen mittelschweren Hitzschlag bzw. schwere Hitzeersschöpfung mit Schwindel, Kopfschmerzen, Ödemen und Erbrechen. Daraus folgte ein sehr hoher täglicher Wasserverbrauch, der hochgerechnet auf die Gesamtstrecke den Wasservorrat auf rund 5 Tage +Reserve schmälerte. Aus diesem Grund veränderten wir die Marschroute von Süd-West auf Süd-Ost, bis wir in Erreichbarkeit der die beiden Oasen verbindenden Straße waren und legten den restlichen Weg durch die Schwarze Wüste neben bzw. teilweise auf der befestigten Straße zurück.

In der Weißen Wüste trafen uns die Frühjahrsstürme mit voller Wucht. Unsere Biwaksäcke bzw. Kleinstzelte überstanden die Windgeschwindigkeiten nur durch die niedrige Bauhöhe im Schutz von Monolithen, auch wenn das Innere der Zelte morgens mit einer dicken Sandschicht bedeckt war. Es ist unmöglich gewesen, die Zelte im durchgehenden Kalksteinboden der weißen Wüste mit Zeltnägeln zu verankern.

Nach 7 Tagen erreichten nach Tagestrecken von teilweise über 50 km das Ziel Farafra.

Fazit

Die autarke Durchquerung der Libyschen Wüste ist ein klimatisch und technisch sehr anspruchsvolles Projekt, das in der westlichen abgelegener Region nur wüstenerfahrenen Reisenden empfohlen sei. Im Notfall ist es vor Ort kaum möglich, die notwendige Rettung bzw. Bergung zu initiieren.

Ein erneuter Versuch der Durchquerung der Wüsten über die Süd-West-Route bei niedrigeren Temperaturen (im Dezember/Januar) musste aufgrund der innenpolitischen Spannungen in Ägypten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Die Libysche Wüste um Farafra gehört derzeit bei Waffenschmugglern zu den beliebtesten Routen.

Wenn sich die politische Lage in Ägypten stabilisiert hat, wird diese Wüstendurchquerung – in scha'a llah – auf der ursprünglich geplanten Strecke wiederholt.