Profil:

  • Reisezeit: September/Oktober 2010
  • Ort: Süddeutschland,
  • Weg: 300 Kilometer schwimmend auf dem Rhein, ohne Nahrung und Ausrüstung
  • Gruppenstärke: Solo
  • Referenzprojekte: Jungle Survival 2011, Projekt GRR, Unterwegs mit Malcolm Douglas'03

Ich bin seit einigen Jahren in den schwülen Auenwäldern Deutschlands zu Hause. Die dichte Vegetation und zahlreichen Tierarten sind sehr gut mit den tropischen Regenwäldern vergleichbar.

Natürlich bin ich durch die örtliche Nähe zu Karlsruhe regelmäßig in dieser Region unterwegs und trainiere dort.

Es war ein lange gehegter Traum, in dieser Region nicht nur zu trainieren, sondern praktisch »eins« mit Umwelt und Natur zu werden, indem ich eine Strecke durch den Rhein schwimme und mich dabei vollständig aus der Natur ernähre und mit notwendiger Ausrüstung versorge.

Für dieses Projekt habe ich die Strecke von Stein am Rhein am Ende des Bodensees bis nach Kehl bei Strassbourg auserkoren. In diesem Bereich ist es möglich, bis auf wenige Ausnahmen im naturbelassenen Rhein beziehungsweise durch die verschlungenen Altrheinarme voran zu kommen.

Während des etwa 11-tägigen Schwimmens trug ich einen Neoprenanzug, da ich mir sonst im kalten Wasser schnell eine lebensgefährliche Unterkühlung zugezogen hätte – doch auch mit dieser Hilfe musste ich merken, dass 7mm Neopren bei 8-11 Stunden im Wasser kein ausreichender Schutz sind. Außerdem habe ich ein kleines Schlauchboot als Sicht-Boje für Schiffe und Transportmittel für Notfallausrüstung und Kameramaterial an einem Seil hinter mir hergezogen. Ansonsten bestand die Ausrüstung aus der normalen Kleidung, einem Messer und (nur für den Notfall) Feuerstahl, einer Schweizer Bordeflasche, um auch in Gebieten Feuer zu machen, in denen ich keine »offene Flamme« entzünden durfte.

 

Lebensgefahr unter Wasser

Während der Start bei gutem Wetter in Stein eine ruhige Schwimmstrecke versprach, änderte sich das in den Bergen zwischen Bodensee und Rheinfelden sehr schnell. Die zusammengewickelte Leine, an der ich das Materialboot hinter mir herzog, lockerte sich am ersten Tag bei Regen und steigendem Hochwasser, ohne dass ich es bemerkte. Sie maß nun nicht mehr 2 Meter sondern rund 10 Meter. Während ich nahe an einem Signalpfahl in der Mitte des Stroms entlangtrieb, wickelte sich das Boot an der Leine darum und in Sekundenbruchteilen straffte sich die Leine und zog mich mit Naturgewalt unter Wasser.

Obwohl ich ausgebildeter Wasserretter und ein trainierter Schwimmer bin, war mir sofort klar, dass ich gegen den enormen Wasserdruck keine Chance hatte, wieder die Wasseroberfläche zu erreichen. Mit einem Schlag wurde ich zwischen die Steine am Flussgrund in etwa 5 Metern Tiefe gedrückt. Die Leine, die ich über einen Panikverschluss um meinen Bauch gesichert hatte, löste sich durch die hohe Spannung nicht wie ich vorher eingeplant und geübt hatte. Mit letzter Kraft und den letzten Sauerstoffreserven konnte ich den Verschluss lösen, wobei er mir mit einem Schlag mehrere Gefäße und Nerven im Daumen zerfetzte. Wieder aufgetaucht erreichte ich erschöpft das Ufer und erholte mich, bis ich mich daran machte, das Material aus dem Wasser zu bergen.

 

Ständige Unterkühlung

Die nächsten Tage waren geprägt von kaltem Dauerregen, Hochwasser und trotz des Neoprenanzugs im 11 Grad kalten Wasser stellte sich eine latente Unterkühlung ein. Das Ergebnis waren Muskelschmerzen, ständige Krämpfe, leichte Bewusstseinseintrübung und extreme Erschöpfung, von der ich mich nachts in der Notunterkunft am Feuer kaum noch erhohlte.

Der sportliche Anspruch war weit höher als alle bisher von mir durchgeführte Projekte und überstieg weit die Erwartungen.

Im Grenzgebiet zwischen Schweiz und Deutschland entwickelte sich ein regelmäßiger Zick-Zack-Kurs, da immer wieder Schweizer- und Deutsche Wasserschutzpolizeiboote versuchten, mich »zu retten« und mir, auf meine schon eingeübte Frage, ob ich auf der jeweils »anderen Seite« (außerhalb ihres Verantwortungsbereichs) weiterschwimmen dürfe, dies immer erlaubten. Bis auf die Strecken direkt vor den Schleusen und Flussgabelungen ist Schwimmen im Rhein nicht generell verboten.

Obwohl ich ständig große Mengen essbarer und kohlehydratreicher Pflanzen und Tiere am Ufer sammelte und zubereitete, nahm ich durch den hohen Energiebedarf im kalten Wasser und die ständige Bewegung rund 8 Kilogramm ab, bis ich erfolgreich und glücklich, aber absolut sicher, dieses Projekt nie wieder in Angriff zu nehmen, in Kehl anlandete.

Es war eine Erfahrung, die ich zwar nicht missen möchte, aber aufgrund der unkalkulierbaren Risiken definitiv nicht wiederholen werde.

Die Erlebnisse des Projekts habe ich fachlich ausgewertet und im Buch »Outdoor Survival mit dem Messer« verarbeitet.