Profil:

  • Reisezeit: Frühjahr 2010
  • Ort: Israel, Wüste Negev
  • Weg: 180 Kilometer Süd-Nord Durchquerung auf der antiken Spice Road vollautark
  • Gruppenstärke: Dyade
  • Referenzprojekte: Projekt GRR, Walk'in the Sky (Salar de Uyuni 2012), Projekt TaSaB

Suche nach Einsamkeit

Die Wüste Negev ist bei weitem nicht mehr der abgeschiedene Ort, für den man ihn hält. Die Nord Süd-Durchquerung der Wüste zu Fuß ist eine geschätzte Abwechslung junger Israelis zwischen Schule und Militärdienst.
Den südlichen Teil des Israel National Trail zwischen Eliat und Jerusalem könnte man fast als "überlaufen" bezeichnen. Immer mehr Individualreisende, darunter auch viele Deutsche, durchqueren auf diesem nah an der Nationalstraße gelegenen Weg die Wüste, teilweise durch kostenpflichtige Nationalparks.


Dennoch hat die Israelische Wüste einige archäologisch spannende, technisch anspruchsvolle und einsame Routen zu bieten.

Die Suche nach einer geeigneten Strecke abseits der begangenen Treeking-Routengestaltete sich nicht einfach. Nach einiger Recherche konnte eine verlassene Nebenstrecke der Petra-Spice-Route ausgemacht werden, die sich durch teilweise sehr schwieriges Gelände, etwa 30 - 50 Kilometer westlich des National-Trails, durch Schluchten, über Berghänge und enge Serpentinpfade schlängelt.
Dennoch ist die Strecke (wie die gesamte Israelische Wüste) politisch absolut gesichert und ständig von Militärs und Rangern kontrolliert gewesen.

 

Auf den Spuren der letzten Karawanen

Die Petra-Spice-Route war ein »geheimer Pfad«, der als Teil der Seiden- bzw. Gewürzstraße den Orient mit dem Mittelmeerhafen in Gaza verband. Karavanen, die jene Strecke wählten, waren von Versorgungsstationen auf der Strecke abhängig, von denen heute nur noch Ruinen übrig sind. Über Wegzölle und Führergebühren wurde das ansässige Beduinenvolk der Nabatäer unsagbar reich, wovon die heute noch imposante, in Stein gehauenen Städte wie Petra zeugen.

Dieses Labyrinth von Flusstälern, Anhöhen und Mäanderflächen warr der Ideale Ort für die Süd-Nord-West-Querung der Wüste ohne auf andere Reisende zu treffen.

Planung

Als Ernährung wählten wir ein Minimum von Kohlenhydraten und Protein, sowie zuckerreiche Datteln als Tagesration - so wie es Beduinenstämme auch heute noch machen. Hierbei griffen wir täglich auf etwa 80 Gramm Couscous sowie Trockenfisch und selbstgedörrtes Trockenfleisch zurück. Trockenfisch hat zwar in der Israelischen Tradition keine überragende Stellung, war jedoch (abgesehen von Konserven) neben frischem Rindfleisch als einzige sichere und haltbare Proteinquelle in der von russischen Juden dominierten Stadt Beer-Sheva verfügbar.

20 Liter Wasser je Person waren für ca. 9 Tage für diese Jahreszeit als ausreichend berechnet worden.
In der Nacht vor dem Aufbruch startete Israel eine Offensive gegen Gaza, was von Beer-Sheva  (30 Kilometer von Gaza) durch Bombenlärm und Lichtblitze am Himmel gut verfolgbar war. Nach Rückbestätigung beim Auswärtigen Amt, war dies jedoch kein Grund, die geplante Reise zu verschieben.

Richtig geplant

Die von Untergrund und Steigung teils anspruchsvolle Strecke wurde von den Großradsulkys trotz der jeweils 35 kg Beladung ohne größere Schwierigkeiten und schäden gemeistert. Die Hitze am Mittag lag bei etwa 30° Celsius. Die letzten beiden Tage waren durch einen andauernden Sandsturm problematisch. Bis am letzten Tag herrschte keine Wasserknappheit. Jedoch musste ein großer Teil des restlichen Wassers während eines Abstiegs aus Sicherheits- bzw. Gewichtsgründen abgelassen werden. Für den letzten Nachmittag standen so insgesamt noch etwa 3 Liter Trinkwasser zur Verfügung - eine Menge, die die notwendigen Sicherheitsreserven deutlich unterschritten hat.

Fazit

Die Durchquerung der Negev ist für jeden Wüstenanfänger auf jeden Fall eine Tour die Spaß macht und zum Nachmachen einlädt.

Die vollautarke Durchquerung der Wüste Negev ist für unerfahrene Wüstenwanderer auf dem Israel-National-Trail bzw. auf Straßen-, Kibbuz- und stadtnahen Routen zu empfehlen.

Wer jedoch wirklich abseits der Zivilisation unterwegs sein möchte, braucht etwas Ortskenntnis und sollte seine Strecke fernab der Hauptroute planen (Informationen zur Strecke auf Anfrage).

Zu beachten ist, dass es in der Wüste Negev diverse unmarkierte Sperrgebiete (hier wird teilweise scharf geschossen!) gibt, die nicht betreten werden dürfen.