Profil:

  • Reisezeit: Sommer 2003
  • Ort: Westaustralien, Kimerleys, Outback
  • Überleben im Busch, Leben mit Aborinigals
  • Gruppenstärke: Solo
  • Referenzprojekte: Trans Negev 2008, Walk'in the Sky (Salar de Uyuni 2012), Projekt TaSaB, Projekt Gibb-Rover-Road

Begonnen hat das Projekt eigentlich schon zwei Jahre vor meinem Abflug in einer allzu zivile Weise.
Aus einem Elternhaus stammend, das keinem seiner 5 Kinder den Autoführerschein finanzieren konnte – geschweige denn ein Fahrzeug – mussten meine Geschwister und ich schon früh für alles selbst aufkommen, was über »Kost und Logis« hinausging bzw. als »Luxus« einzuschätzen war.
So begann ich drei mal in der Woche nach der Schule und am Wochenende in einem Pflanzenmarkt zu arbeiten. Die Bezahlung war nicht üppig, reichte jedoch aus, nach anderthalb Jahren das »Führerscheingeld« verdient zu haben.
Als ich den Betrag zusammen hatte entschloss ich mich jedoch nicht bei einer Fahrschule vorstellig zu werden – sondern ich ging schnurstracks zum nächsten Reisebüro und buchte zwei Monate Flug nach Australien (es war etwas heikel direkt vor dem Abitur mir eigenmächtig etwas längere Sommerferien zu gönnen, es blieb jedoch ohne jegliche Auswirkungen auf meine Noten).

Ureinwohner und ein einzigartiger Mentor

Das Ziel war klar: Ich wollte eine Aboriginal-Community in der Nähe von Broome (rund 150 km entfernt im Norden) erreichen. Das Städtchen Broome mitten in den Kimberleys ist nicht nur als Ausgangsort für Outbackreisen, sondern auch für seinen berühmtesten Einwohner bekannt: Malcolm Douglas, der dort einen Krokodilpark und etwas außerhalb bei »12 Miles« eine große Krokodilfarm hatte.
Malcolm Douglas, das Vorbild für den Film »Crocodile Dundee«, war mir schon aus meiner Kindheit bekannt – seine betont ruhigen und unaufgeregten Tier- und Survivalfilme hatten mich schon mit 8 Jahren begeistert und brachten mich schlussendlich auch zum Survival.
In Broome angekommen übernachtete ich die ersten Tage im Busch in der Region und tüftelte aus, wie und ob ich zu Fuß die abgelegene Comunity »Beagle Bay« im Norden der »Nampier Peninsula« erreichen würde, als ich kurz entschlossen um 6 Uhr früh am Morgen vor dem Hintereingang des Broome-Crocodile-Park stand. Ich hatte mein Lager keine 2 Kilometer entfernt in einem Flussbett aufgebaut.
Ohne zu wissen, dass dies auch der Eingang von Malcolm Douglas Wohnhaus ist, fragte ich eine ältere Frau (die sich später als Malcolms Ehefrau herausstellte), ob ich einige Tage auf dem Park arbeiten dürfe. Ich solle am nächsten Tag nochmal kommen.
Einen Tag später stand ich wieder kurz nach Sonnenaufgang am Tor, als mir ein schlaksige und mit überweiten immer wieder rutschenden Hosen bekleideter Hüne entgegen kam. Unter dem breitkrempigen Hut lugte die Spitze eines zottigen Barts heraus.
Er war es: Das Idol meiner Kindheit stand vor mir. »Natürlich(!)« durfte ich dort arbeiten und beim Filmen und der Krokodilpflege zur Hand gehen.
Übernachten sollte ich direkt neben dem Wohnhaus unter einer Bananenstaude. Ich war für die Reinigung der Krokodilkäfige und das füttern der jungen Krokodile verantwortlich (ich habe heute noch eine Bissnarbe). Zu dritt fingen wir einzelne kranke Tiere aus den Käfigen, um sie unter enormen Kraftaufwand fesseln und untersuchen zu können. Abends saß ich bei Malcom, seiner Frau und seiner Tochter am Tisch und er servierte fast immer im Dutch-Oven geschmortes Gemüse, Krokodilfleisch und von seiner Frau selbst gemachtes Mangoeis.
Nach einigen Tagen packte Malcolm seinen Toyota für eine Film- und Trainingereise. Es war für ihn selbstverständlich, dass nicht nur der Kameramann Marc, sondern auch ich und der Cattle-Dog Bundy Platz nahmen.
Nachdem wir einige Drehtage mit einem winzigen Dingi (Aluboot) in Krokodilgewässern verbracht hatten, ging es zum Survivaltraining und Filmen nach Norden zu einer Comunity. Hier lernte ich »Vic-Hunter« kennen, über den ich an seinen Tribe nord-östlich von Broome weiter geleitet wurde. Aboriginalfamilien, die zwar in Blechhütten einer Comunity lebten, ihre Jagdtraditionen und Bushcraftskills an die jugendlichen Ureinwohner weitergaben – und ich mittendrin. Hier bliebt ich einige Tage, bevor mich Malcolm wieder aufgabelte und wir nach einigen erfolglosen Versuchen des Krokodilfangs wieder in Broome aufschlugen.

Idole sterben, Ideale nicht

Ich verabschiedete ich mich von Malrolm und seiner Familie (ohne zu wissen, dass es ein Abschied für immer war*) und begann auf eigene Faust die nördlich von Derby gelegene Gib-River Road zu bereisen, lies mich bis zu einer Comunity auf dem Mitchell Plateau bringen und verbrachte weitere Zeit bei Aboriginees.
Einige Tage lang war ich nach einem Streit mit einem rassistischen Schweizer (über die »Wertigkeit der Ureinwohner« von denen ich so viel gelernt hatte) mitten in der Wüste ausgesetzt ohne Wasser in einer sehr heiklen Situation, die mich schnell das Leben kosten hätte können.
Nur einige Wochen später saß ich mit dunkelbraun gebrannter Haut und ausgebleichten Haaren, vernarbt, halbtaub und mit Nierenschaden aber glücklich und übersättigt von meinen Erlebnissen über meiner Abiturprüfung – mit dem Wissen, dass ich das Land sehr bald wieder bereisen würde.
 
Vieles, was ich bei Malcolm, Vic und anderen gelernt hatte konnte ich in dieser frühen Phase meiner Extremreisen übernehmen und als Ideal im Stil meiner Filme, Techniken und des Autarkie-Ziel eines »Europäischen Buschmanns« weiterentwickeln und am Leben erhalten.  Es ist der Faktor, der mich schon früh die Unterschiede zwischen hochstaplerischen »Rambos« und der Natur angepasste und lernfähige Bushcraftsurvivler wahrnehmen ließ.

*Malcolm Douglas starb 2010 auf seiner Krokodilfarm bei einem Unfall.