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Leder Gerben: Weißgerben

 Mit selbst hergestellten Leder kannst man sich eine Vielzahl von authentischen Gegenständen herstellen. Diese Gerbmethode ist weder gesundheitsschädlich noch geruchsintensiv, weshalb sie sich auch eignet, jüngere Menschen an das alte Handwerk des Gerbens heran zu führen. 

 

 

 Um eine Rohhaut eines gefangenen oder gejagten Tieres für längere Zeit zu konservieren und gegen Fäulnis und Zerfall zu schützen, muss es gegerbt werden. Es gibt mindestens genauso viele Gründe sein eigenes Leder zu gerben wie verschiedene Möglichkeiten bestehen dasselbe zu tun.

Neben dem chemisch sehr aufwändigen und leider auch nicht ungefährlichen „Chromgerben“ gibt es zum Beispiel noch die Gerbung mit natürlichen Gerbstoffen, das so genannte "vegitabile Gerben". Hierbei wird die Rohhaut in einer Lake aus Wasser und gerbsäurehaltigen Pflanzenstoffen wie Eichenrinde eingelegt und mehrere Monate liegen gelassen. Es gibt auch noch Survivalmethoden wie Räuchergerben, Trockengeben oder Hirngerben. Diese Häute sind jedoch meist nicht sehr dauerhaft konserviert. Die hier vorgestellte Gerbung ist das Alaun- oder Weißgerben. Wenn Sie ein schönes, geschmeidiges und gut weiterverarbeitbares Leder herstellen möchten können Sie folgender Anleitung folgen.

Zuallererst benötigen Sie eine Rohhaut, das versteht sich von selbst. Entweder sucht man sich ein überfahrenes Kleinwild, das nicht unter das Jagdrecht fällt oder wendet sich an einen Jäger.

 Viele Jäger bringen Reh- oder Rotwildhäute zur Tierkörperverwertung oder lassen sie im Wald für die Füchse liegen. Wenn Sie einen Jäger fragen, ob er Ihnen eine geeignete Haut zur Verfügung stellt, wird er kaum ablehnen und Sie vielleicht auch in das Abziehen von großen Tieren einweisen. Bei vielen Tieren ist dabei zu achten, dass sich auf der Epidermis, der äußersten Hautschicht abertausende von Ektoparasiten tummeln können. Darunter sind Flöhe, Läuse und Zecken beziehungsweise Zeckenlarven, die so genannten Nymphen.

Also sollte beim Abziehen darauf geachtet werden, dass mit „nackten“ Unterarmen gearbeitet und nach der Arbeit nach den Parasiten abgesucht wird. Um die Haut von diesen Krabbeltieren zu befreien, legst man sie einfach in den Gefrierschrank und lässt sie durchfrieren.





 Einen Tag später kann die Rohhaut, also die unbehandelte Haut mit Fell und Fettschicht wieder auftauen.

Nun wird sie auf die behaarte Seite gelegt und mit einem Schaber von der inneren Fettschicht befreit. Die Klinge sollte dabei nicht zu scharf geschliffen sein und nicht zu spitz angelegt werden, damit keine Löcher in der Haut entstehen. Die Arbeit dauert zwischen einer und zwei Stunden. Alle losen Fleisch- und Fettstücke müssen abgeschabt worden sein. Nach diesem Arbeitsschritt wird das schlabbrige, blutige Stück HAut abgewaschen und abgetupft.

Aus der Apotheke besorgen Sie sich nun etwa 500 Gramm Aluminiumalaun bzw. Kaliumalaun (auch Alumen oder Aluminiumkalisulfat).

Das Alaun wird mit etwa 5 Litern erhitztem Wasser zu einer fast gesättigten Lösung gemischt, wobei 50 bis 100 Gramm Kochsalz sowie etwa 10 Gramm Natriumborat (Borax zur Verhinderung der Kristallbildung) hinzu gegeben werden.  Die Lösung wird zusammen mit der Rohhaut in ein geeignetes Gefäß wie zum Beispiel einem kleinen Fass gegeben. Der eigentliche Gerbvorgang dauert zwischen einer und zwei Wochen. Während dieser Zeit wird die Hautgelantine gelöst, die Proteinmatrix bindet sich mit dem Alaun.

Da Alaun leicht löslich in Wasser ist, ist die reine Konservierung noch nicht wetterfest. Während dem Liegenlassen in der Lake muss alles mehrmals pro Tag durchgerührt werden. Nach dem die Haut aus der Lösung genommen wurde, wird sie auf die Hautseite gelegt. Wenn man Leder herstellen will, muss die oberste Hautschicht inklusive der Haare abgeschabt werden. Im feuchten Zustand ist sollte dies kein Problem sein.


 Nun wird die feuchte, haarfreie Haut leicht abgespült und zum Trocknen aufgehängt. Nach etwa zwei Tagen ist das Leder trocken, jedoch auch speckig und nahezu durchsichtig. Nun wird das Leder in alle Richtungen gezerrt, gezogen und gedehnt. Dabei werden die einzelnen zusammengehefteten Hautfasern auseinander gezogen und geweitet. Das Leder wird dabei weiß und geschmeidig.

 Nun ist die Haut quasi schon vollständig weißgegerbt. Ich habe das Halsleder abgetrennt, da es besonders dick ist. Aus diesem Teil kann man sich beispielsweise ich mit eine Messerhülle.

Um den Rest der Haut wetterfest und noch weicher zu machen, wird es mit Lederfett beziehungsweise Fettcreme massiert. Nach dem die Haut einige Tage eingeschmiert liegen geblieben ist, wird sie abermals gedehnt und leicht entfettet. Das so entstandene Leder ist nun bedingt wasserfest. Diese erweiterte Ledergerbung nennt sich ungarisch oder russisch weißgegerbt. Nun hat man ein schönes Stück selbst gegerbtes Leder und kann es als Rohmaterial zur Herstellung verschiedener authentischer Steinzeitgegenstände verwenden.

 

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